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„Einschnitt in Landesgeschichte“: Trauer und Mahnungen zum Jahrestag der Flut

„Einschnitt in Landesgeschichte“ : Trauer und Mahnungen zum Jahrestag der Flut

Eine beispiellose Hochwasserflut verwüstete vor einem Jahr Teile von NRW und Rheinland-Pfalz. Mehr als 180 Menschen starben. Bundespräsident Steinmeier kommt in die Region, um der Opfer zu gedenken. Kritik wird laut.

Zum Jahrestag der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird an diesem Donnerstag der Opfer gedacht. Die Hochwasserkatastrophe sei ein „Einschnitt in der Geschichte unseres Landes“, die Bilder hätten sich in die Erinnerung eingebrannt, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Dazu gehörten die Verluste und die unbändigen Kräfte der Natur, aber auch die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander. Inmitten des Gedenkens und Trauerns kamen auch Mahnungen und Kritik.

„Wir müssen uns besser auf solche Großschadensereignisse vorbereiten“, forderte Wüst laut Mitteilung. Es gelte, beim Klimaschutz voranzukommen. „Die Katastrophe ist gleichzeitig ein Auftrag an uns, durch einen massiv beschleunigten Klimaschutz diese und künftige Generationen vor solchen Ereignissen zu schützen“, betonte auch NRW-Klimaschutzministerin Mona Neubaur (Grüne). Sie hob die Leistung von Rettungskräften und vielen Freiwilligen hervor. Sie hätten nach der Flut mit angepackt und seien über sich hinausgewachsen.

Für den Nachmittag war in Euskirchen eine zentrale Gedenkfeier mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geplant. Der ökumenische Gottesdienst findet in der Herz-Jesu-Kirche statt. Präses Thorsten Latzel sagte vor seiner geplanten Predigt laut Mitteilung, die Katastrophe habe „an jedem Ort ein anderes Gesicht“ gezeigt. Die Kirche haben Seelsorgerinnen und Seelsorger entsandt, die zugehört, beraten, Hilfe geleistet hätten. „Wir brauchen Menschen, die einfach für andere da sind, zuhören und sich von der Not anderer bewegen lassen. Wir brauchen die Ruhe, um innezuhalten und umzukehren, um wirklich anders zu leben.“

Steinmeier und Wüst werden bei der Gedenkfeier sprechen und danach mit Angehörigen der Opfer zusammenkommen. Zum Gottesdienst wurden Vertreter von Hilfsorganisationen und betroffenen Kommunen erwartet. Bei der Flut vor einem Jahr waren in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschen ums Leben gekommen. In NRW starben 49 Menschen, dort werden die Schäden auf etwa 13 Milliarden Euro geschätzt. In Rheinland-Pfalz wurden mindestens 135 Menschen getötet. Zwei Menschen werden noch immer vermisst.

Deutschland müsse krisenfester werden – mit besserer Warnung, Vorbereitung sowie sensibilisierten Bürgerinnen und Bürgern, forderte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, im ZDF-„Morgenmagazin“. Wichtig sei auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren und ein Ausbau des Warnsystems.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagte dem Sender Phoenix, als Lehre aus der Katastrophe seien Verbesserungen im Krisenmanagement der Landesverwaltung geplant. So sollten künftig Stand-by-Teams für den Krisenfall vorgehalten werden. Die Landesverwaltung brauche ein System für die Zukunft, „das von jetzt auf gleich aktiviert werden kann“.

„Wir gedenken der Opfer und setzen uns dafür ein, dass sich ein Unglück solchen Ausmaßes nicht wiederholt“, unterstrich der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse. Der Verband habe eine bundesweite Expertenkommission initiiert, die gemeinsam mit der Vereinigung zur Förderung des Brandschutzes den Fluteinsatz aufgearbeitet habe. Die Erkenntnisse seien - ebenso wie Auswertungen von Feuerwehrverbänden auf Landesebene - bislang nicht in die politischen Maßnahmen eingeflossen, kritisierte Banse.

Die Feuerwehren als größte Einheit im Zivil- und Katastrophenschutz werden Banse zufolge vom Bund vor allem im Gemeinsamen Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz bisher nicht angemessen beteiligt. Weder seien alle Folgen bewältigt noch die notwendigen Schritte getan, um den Katastrophenschutz für künftige Ereignisse dieser Größenordnung schlagkräftiger aufzustellen, bemängelte auch des Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz.

(dpa)