Toter Säugling in Alsdorf: Notruf des Vaters vorgespielt

Toter Säugling in Alsdorf : Notruf des angeklagten Vaters vor Gericht vorgespielt

Bedrückende Minuten im Aachener Prozess um den gewaltsamen Tod eines Säuglings: In einem über Lautsprecher eingespielten Notruf war am Mittwoch über Minuten zu hören, wie ein Mann in der Rettungsleitstelle den angeklagten Vater zur Reanimation seines sechs Monate alten Kindes anleitete.

Aus dem Zuschauerraum war das Schluchzen der Mutter zu hören, und auf der Anklagebank kämpfte der 37 Jahre alte Vater vergeblich gegen die Tränen.

Der Junge starb im März an den Folgen eines Schädelbruchs durch massive Gewalteinwirkung. Der Vater, der zu dem Zeitpunkt alleine mit dem Jungen war, bestreitet den Vorwurf der Anklage, dem Säugling Gewalt angetan zu haben. Die Kindsmutter hatte ihn als liebevollsten Vater bezeichnet, den es gebe.

Die Plädoyers wurden auf diesen Freitag verschoben, das Urteil ist für den 10. September geplant. Das Gericht gab nach Angaben eines Sprechers den Rechtshinweis, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes durch Unterlassen infrage komme. Das könne dann der Fall sein, wenn der Angeklagte das Kind durch Gewalt lebensbedrohlich verletzt und dann keine oder zu spät Hilfe geholt habe, sagte der Sprecher.

Sein Junge atme kaum noch, war der Vater am Mittwoch in dem aufgezeichneten Notruf zu hören: „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Das Baby sei ganz kalt. Der Mann in der Leitstelle sagte, dass ein Rettungswagen unterwegs sei. Er leitete den Vater unaufgeregt wirkend Schritt für Schritt zur Reanimation an: Er sagte, wie der Vater den Jungen richtig hinlegt, dass er ihm in den Mund pusten – und prüfen soll, ob sich der Brustkorb hebt. Minuten später war das Schellen an der Wohnungstüre zu hören. Die Einspielung dauerte gut sieben Minuten.

Am Morgen war als Leumundszeugin die frühere Ehefrau des Angeklagten gehört worden. Die Kammer hatte die 36-Jährige geladen, um Aufschluss über die Persönlichkeit des Angeklagten als Vater und Ehemann zu bekommen. Die Zeugin stellte ihrem Ex-Mann ein gutes Zeugnis als Vater ihrer zwei Söhne aus, die inzwischen sieben und zehn Jahre alt sind und mit der Mutter in Niedersachsen leben.

Ex-Frau sagt aus

„Er war immer liebenswert sowohl als Vater wie als Ehemann“, sagte die Zeugin auf die Frage der Richterin. Die Ehe war erst wegen einer anderen Beziehung ihres Mannes ins Trudeln geraten, man habe sich dann einvernehmlich 2015 getrennt, das Sorgerecht für die beiden Söhne liege bei beiden Elternteilen, die Kinder würden sich gut mit ihrem Vater verstehen. Nein, er sei niemals gewalttätig weder ihr gegenüber noch gegenüber den Kindern gewesen, sagte sie auf Nachfrage des Gerichts.

Am Mittwochmittag wurde die Beweisaufnahme im Einvernehmen geschlossen. Die Plädoyers sind für Freitag, 30. August, ab 12 Uhr im Saal A.009 des Aachener Landgerichts vorgesehen. Das Urteil soll dort am 10. September um 8.30 Uhr fallen.

(dpa/wos)