Aachen: Topmodel Sara Nuru in Aachen: Schönes Gesicht, kluger Kopf

Aachen: Topmodel Sara Nuru in Aachen: Schönes Gesicht, kluger Kopf

Am Dienstag um Viertel vor zehn im Hauptgebäude der FH Aachen. Die Flure sind leer. Schilder an den Türen kündigen den Vorkurs „Mathematische Grundlagen” an. Vor der Treppe steht Rektor Marcus Baumann. Dass Topmodel Sara Nuru, 23, heute die Fachhochschule besucht, liest der Rektor erstmal nirgendwo.

„Das war eigentlich anders gedacht”, sagt er und nimmt ganz langsam die Stufen hoch zum großen Hörsaal. Im ersten Stock findet er doch einen Hinweis: Nuru lächelt inmitten äthiopischer Schulkinder von einem Poster, mit dem die Organisation „Menschen für Menschen” für ihr Bildungsprojekt „Generation ABC - 2015” wirbt.

Nuru hat am Dienstag die FH besucht, um als Botschafterin für die Äthiopienhilfe von Karlheinz Böhm zu werben. 5000 Euro Spenden hat die FH im Vorjahr gesammelt. Im Rahmen der Städtewette, bei der Böhm mit den Oberbürgermeistern von 24 Städten gewettet hatte, dass jeder dritte Bürger einen Euro spendet.

Als Baumann im Saal ankommt, steht Nuru schon freundlich lächelnd hinter der Tür. Schwarze enge Hose, hohe Schuhe, dunkelgrüne Bluse und dunkelroter Filzhut auf dem Kopf. Das trägt die junge Frau, die vor drei Jahren die Castingshow „Germanys Next Top Model” gewonnen hat.

Um zehn vor zehn haben zwei Maschinenbaustudenten noch freie Sitzwahl. Der Saal ist fast leer. „Hier sitzt man fast nie, außer man schreibt Klausur”, meint der eine. Der andere erzählt, dass er Nuru neulich in einer Reportage im Fernsehen gesehen hat. Da lief sie in New York über den Laufsteg. Ein paar Tage später fiel ihm der Flyer in die Hand, der ihren Besuch an der FH ankündigte.

Diesen Flyer hat ein anderer Student nicht gesehen, der um kurz vor zehn an Sara Nuru vorbeiläuft: „Hier findet nicht gerade die Klausurbesprechung von Professor Eichinger statt?”, fragt er einen jungen Mann, der vorne im Saal sitzt. Der Student verlässt den Raum und Baumann begrüßt Nuru. „Ich kannte die Organisation von klein auf, meine Eltern kommen aus Äthiopien”, erzählt sie den knapp 50 Gästen. „Und jetzt stehe ich hier, um junge Leute zu animieren, dass sie sich engagieren.”

Wenn Nuru von ihrer ersten Reise 2009 als Botschafterin erzählt, ist sie immer noch mitgenommen. Von den extrem schwierigen Bedingungen, unter denen die Menschen dort leben und um ihr Recht auf Bildung kämpfen. Und Nuru ist immer noch tief beeindruckt. Von der Wärme, die die Menschen dort ausstrahlen. „Mir fällt es schwer, das in Worte zu fassen, was ich gesehen habe”, sagt sie. Was sie nicht formuliert, zeigt ihr Gesicht. Nuru fühlt mit den Landsleuten ihrer Eltern.

„Ohne das Licht der Kamera”

Das sehen Rektor Baumann und die anderen Gäste auch in dem Film über die Reise. Da sitzt die junge Frau in dem kleinen Ort Degele, westlich von Addis Abeba, in einem dunklen Klassenzimmer. „Ohne das Licht der Kamera könnten wir hier gar nichts sehen”, sagt sie im Film. Erst mit den Augen als Botschafterin erkennt Nuru, was den Menschen dort fehlt.

„Da wollen alle raus aus den Dörfern, das ist ein harter Werdegang”, sagt sie im Gespräch mit den FH-Professoren Michael Krings und Thomas Krause. Krings hat Wirtschaftsrecht in Äthiopien gelehrt. Und Bauingenieur Krause fährt in der vorlesungsfreien Zeit nach Namibia und unterrichtet.

Anfang September ist Sara Nuru wieder nach Äthiopien gereist. Um die Schule neu zu eröffnen. „Ich war so glücklich, wieder da zu sein und zu zeigen, dass wir unser Ziel erreicht haben”, sagt sie noch immer gerührt. Auch wenn ihr Name nun an der Schule klebt: „Das ist einzig und allein durch die Schüler in Deutschland ermöglicht”, betont sie. Die haben in zweieinhalb Jahren 290 000 Euro für den Neubau gesammelt.

Karlheinz Böhm hat sich offensichtlich die richtige Frau für seine Äthiopienhilfe ausgesucht: Schönes Gesicht, kluger Kopf, eine Person eben, die junge Menschen gerne als Vorbild nehmen. Auch wenn im Aachener Hörsaal keine Massen sitzen. Die weiblichen Topmodel-Fans, die am Ende ein Foto von sich und Sara schießen wollen, stehen auch hier Schlange.

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