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Umweltinstitut fordert Abschaltung: Wie gefährdet ist Tihange durch das Hochwasser?

Umweltinstitut fordert Abschaltung : Wie gefährdet ist Tihange durch das Hochwasser?

Angesichts der Hochwasserlage auch auf der Maas fordert der Verein Umweltinstitut München die sofortige Abschaltung des belgischen Atomkraftwerks Tihange. Der Meiler liegt unmittelbar am Ufer des Flusses.

In einer Pressemitteilung vom Freitag fordert der Verein, der sich nach eigener Darstellung gegen Atomkraft und für eine Energiewende einsetzt, eine sofortige Abschaltung hochwassergefährdeter Meiler in Europa. „Durch die fortschreitende Klimakrise steigt das Risiko beim Betrieb von Atomkraftwerken enorm an“, heißt es darin, „insbesondere durch Extremwetter wie Hochwasser und Trockenperioden“. Das belgische Atomkraftwerk Tihange, das durch die hochwasserführende Maas gekühlt wird, sei ein Beispiel.

„Die Maas führte bis vor kurzem ein Hochwasser bis 2140 Kubikmeter pro Sekunde“, rechnet der Verein vor. Für die Berechnung des Hochwasserschutzes sei ein historisches Hochwasser aus dem Jahre 1926 mit 1862 Kubikmeter pro Sekunde herangezogen und ein Sicherheitspuffer von 20 Prozent auf 2234 Kubikmeter pro Sekunde angesetzt worden.

Das aktuelle Hochwasser übersteigt das „Jahrtausendhochwasser“ von 1926 deutlich. „Mit dieser Auslegung wäre die Anlage nur knapp an einer Überflutung des Geländes vorbeigeschrammt“, stellt der Verein fest. Bei einer Flutung des Geländes eines Atomkraftwerks seien unerwartete Ausfälle möglich, insbesondere an elektrischen Einrichtungen. Zudem würde im Störfall der Zugang durch Rettungskräfte durch das Hochwasser stark behindert oder unmöglich.

In Reaktion auf die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011 sei die Flutmauer in Tihange erhöht worden. In Fukushima kam es nach einer Tsunami-Flutwelle und einem Erdbeben zur Kernschmelze in drei Reaktorblöcken, worauf große Mengen radioaktiven Materials freigesetzt wurden und mindestens 100.000 Menschen aus der vom Niederschlag verseuchten Umgebung evakuiert werden mussten.

Über diese Mauererhöhung sagt der Verein Umweltinstitut München: „Dies reicht für zukünftig erwartbare Hochwasser jedoch ebenfalls nicht aus.“ Die seinerzeit geforderte Auslegung auf bis zu 3500 Kubikmeter pro Sekunde Durchfluss der Maas sei „aus unbekannten Gründen zurückgefahren“ worden. Somit bestünde die Gefahr durch Hochwasser am Standort Tihange weiterhin.

Auch das zweite AKW in Belgien, der Meiler Doel bei Antwerpen, sei unzureichend gegen extreme Regenfälle geschützt.

(red)