Tihange: Protest per Fahrrad bei Tour Becquerel 2019 in Aachen

Am 7. Juli : Radeln gegen Atomkraft bei der Tour Becquerel

Die Grünen treten wieder gegen die Atomkraft in Belgien an: Mit der „Tour Becquerel“, einer Fahrradsternfahrt aus der gesamten Region zum Oberzentrum Aachen, wollen sie am 7. Juli erneut ein Zeichen gegen Tihange setzen.

Es ist die dritte Raddemo dieser Art, „und wir werden solange fahren, bis die Dinger vom Netz sind“, kündigte Gisela Nacken, die Sprecherin des Grünen-Kreisverbands Aachen, am Dienstag an.

Womöglich werden die Grünen und ihre Mitstreiter – rund 4000 Teilnehmer waren es im vergangenen Jahr – noch oft in die Pedale treten müssen. Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, verwies auf den langwierigen Atomausstieg in Deutschland. In Belgien stehe nun erst noch eine Regierungsbildung an, „das ist da komplizierter“. Nach Krischers Einschätzung ist die Atomkraft in Belgien „eine zentrale Frage“, eine schnelle Antwort erwartet er eher nicht.

Enttäuscht ist der Dürener Bundestagsabgeordnete von der Bundesregierung, von der es „keinen nennenswerten Aktivitäten in Richtung Belgien“ gebe. Dabei sei es aus seiner Sicht rechtlich durchaus möglich, etwa die Lieferung von Brennelementen aus dem nordrhein-westfälischen Gronau an die belgischen Atommeiler zu verweigern. Berlin unternehme in dieser Hinsicht nichts; stattdessen habe der Bund entgegen früherer Ankündigungen seinen Anteil an Aktien des belgischen AKW-Betreibers Engie noch aufgestockt. Krischer argwöhnt zudem, dass in Deutschland am Ausstieg aus der Kernenergie wieder gerüttelt werden könnte. „Aber Atomkraft ist keine Antwort auf den Klimaschutz“, damit würde nur ein Risiko gegen ein anderes ausgetauscht. „Wir brauchen regenerative Energien.“ Seine Parteifreundin Gisela Nacken verwies auf die Leistungsfähigkeit beim Solarstroms. „Es gibt die Alternative“, sagte Nacken.

In Deutschland ist diese Botschaft wohl angekommen, wie die Teilnehmerzahlen der Becquerel-Touren zeigen. In den vergangenen Jahren seien es richtige Familienausflüge gewesen, berichtete Sebastian Breuer, der Sprecher des Grünen-Ortsverbands Aachen. „Gerade bei den Jüngeren steht die Umwelt im Fokus.“ Und so hofft er, dass bei der radelnden Demonstration an diesem Juli-Sonntag ein Erfolg vom vergangenen Jahr wiederholt wird. Da hatten die Radler nach ihrer Ankunft in Aachen die Innenstadt auf dem Grabenring umrundet und diesen laut Breuer „komplett gefüllt“.

Um das erneut zu schaffen, kommen die Becquerel-Radler am 7. Juli aus allen Richtungen nach Aachen. Treffpunkte gibt es an den Grenzübergängen nach Belgien und in die Niederlande, aber auch an den Bahnhöfen in Konzen, Lammersdorf, Herzogenrath oder Stolberg, zudem etwa am Rathaus in Baesweiler oder dem Annapark in Würselen. Zeitgleich sollen sie um 14 Uhr am Aachener Grabenring zwecks Umrundung der Innenstadt ankommen. Die Abschlusskundgebung beginnt um 15 Uhr auf dem Katschhof.

Als Erkennungssymbol greifen die Grünen wieder auf die bewährten Radscheiben mit dem schwarz-gelben Atomzeichen zurück. Im vergangenen Jahr waren die Teilnehmer einheitlich mit gelben Warnwesten mit dem Aufdruck „Tihange abschalten“ eingekleidet. Aber gelbe Westen wecken inzwischen andere Assoziationen. Mit dem Protest in Frankreich „wollen wir nicht verwechselt werden“, erklärte Nacken. Dabei gibt es außer den Leibchen wohl kaum Gemeinsamkeiten.

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