Düsseldorf: NRW ist an Betreibern von Tihange und Doel beteiligt

Düsseldorf: NRW ist an Betreibern von Tihange und Doel beteiligt

Mit Unternehmensanleihen in Höhe von 23,3 Millionen Euro ist das Land NRW über seinen Pensionsfonds an den französischen Energiekonzernen EDF und Engie beteiligt. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher des NRW-Finanzministeriums gegenüber unserer Zeitung.

EDF betreibt alle Atomkraftwerke in Frankreich, Engie über die Tochterfirma Electrabel die belgischen Pannenmeiler Doel 3 und Tihange 2. Der im Januar 2017, aus Beständen zweier Versorgungstöpfe aufgelegte NRW-Pensionsfonds soll ein Puffer für die steigenden Versorgungsansprüche von Landesbeamten sein.

Ab 1. Juni muss der Fonds, der zu 3,8 Prozent aus Unternehmensanleihen unterschiedlicher Branchen besteht, nachhaltige Kriterien erfüllen. Branchen, Unternehmen und Staaten, die nicht die vom Anleger vertretenen Grundwerte und Überzeugungen teilen, dürfen nicht mehr erworben werden. Verboten ist dann zum Beispiel der Erwerb von Wertpapieren von Waffenherstellern oder Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Waffen, dem Betrieb von Kernkraftwerken oder der Herstellung von dafür wesentlichen Komponenten erzielen.

Wie das Finanzministerium gegenüber unserer Zeitung erklärte, machen die Beteiligungen an EDF und Engie 0,14 Prozent des insgesamt 10,4 Milliarden Euro schweren Pensionsfonds aus. Die Wertpapiere wurden in den Jahren 2012 bis 2014 gekauft, sagte eine Sprecherin. Weiter heißt es: „Die ab Juni 2017 geltenden Anlagerichtlinien können Umschichtungsbedarf im Bestand des Pensionsfonds auslösen.“ Wie mit Altbeständen umzugehen sei, müsse im Einzelfall „wertschonend“ entschieden werden.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte die belgischen Pannenmeiler erst kürzlich als „Bröckelreaktoren“ bezeichnet und beklagt, dass die Bundesregierung die Lieferung von Brennelementen aus Deutschland nach Belgien erlaube. Helmut Etschenberg, Chef der Städteregion Aachen, die nur 60 Kilometer von Tihange entfernt ist, äußerte sein Unverständnis für das Vorgehen. „Die noch amtierende Landesregierung muss jetzt zeigen, dass ihr die Unterstützung im Kampf gegen Tihange ernst gemeint ist und unverzüglich aus den Fonds aussteigen.“

Mehr von Aachener Zeitung