Energie-Konferenz: Lobrede auf Eddy Merckx, keine Kritik an Tihange

Energie-Konferenz : Lobrede auf Eddy Merckx, keine Kritik an Tihange

Der belgische Außenminister Didier Reynders (MR) hat den geplanten Atomausstieg seines Landes bis 2025 bekräftigt. „Der Prozess ist auf gutem Weg“, sagte Reynders am Montag in Brüssel auf die Frage, ob sein Land den Atomausstieg bis 2025 schaffen werde.

Reynders betonte am Rande der 5. Deutsch-Belgischen-Konferenz, sein Land werde mit der Bundesrepublik und anderen Nachbarländern zusammenarbeiten, um auch ohne Atomkraft genügend Energie für seine Bürger und Firmen zur Verfügung stellen zu können. In Brüssel ging es vor allem um die Fragen der deutschen Energiewende und des belgischen Energiepaktes. Außenminister Heiko Maas (SPD) vertrat Deutschland und widmete sich in seiner Rede vor allem den Herausforderungen, denen Europa gegenübersteht: über die Notwendigkeit einer vollendeten Wirtschafts- und Währungsunion, einer gemeinsamen Stimme Europas und dem Einhalten der Rechtsstaatlichkeit. Das Thema Energie sprach Maas in der Rede, die unserer Zeitung vorliegt, nur in Bezug auf die Energie des belgischen Kult-Radfahrers Eddy ­Merckx an. Während die Menschen in Nordrhein-Westfalen auch an die umstrittenen belgischen Meiler Tihange 2 und Doel 3 denken, wenn es um Belgien geht, denkt Maas laut Rede vor allem an seinen „Helden“ Merckx, aber auch an „Pommes, Pralinen oder Bier“.

Dass ein deutscher Politiker bei einer Energiekonferenz – auch wenn es der Außenminister ist – kein Wort zu Tihange 2 und Doel 3 sagt, ist doch bemerkenswert. Es passt aber in die Entwicklung. Die Haltung gegenüber Belgien seitens der neuen Bundesregierung, was die Abschaltung der „Pannen-Meiler“ angeht, wird immer weniger hart.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es auf Nachfrage lediglich: „Bei der Veranstaltung kam auch das Thema grenzüberschreitender Strom­interkonnektor Alegro zur Sprache.“ Deutschland will Belgien Strom liefern. Um das zu erleichtern, wird derzeit die 90 Kilometer lange Stromverbindung Alegro zwischen Niederzier-Oberzier und dem belgischen Lixhe gebaut. Der belgische Netzbetreiber Elia sprach dazu auf der Konferenz. Auf die Nachfrage ans Auswärtige Amt, ob es auch um die „Riss-Meiler“ ging und ob Maas eventuell sogar Kritik an den umstrittenen Reaktoren geäußert habe, ging das Auswärtige Amt nicht ein.

Die belgischen Atomkraftwerke sind umstritten, weil sie als anfällig für Pannen gelten. Insbesondere die Meiler Tihange 2 und Doel 3 stehen wegen Tausender Haarrisse in den Reaktordruckbehälter in der Kritik. Die Menschen und die Politik insbesondere in Aachen und ganz NRW fordern seit Jahren ein Abschalten der umstrittenen Meiler – mitunter auch einen früheren Ausstieg aus der Kernenergie.

Belgien hatte den Atomausstieg schon 2003 beschlossen. Immer wieder aber gibt es kritische Stimmen aus der Wirtschaft und der Politik in Belgien, die bezweifeln, dass das Land für diesen Schritt bereit ist. Erst vor einem Monat hatte der belgische Innenminister Pieter De Crem laut Zweifel am Ausstieg aus der Kernenergie geäußert. Und die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC prüft, ob es möglich ist, die Laufzeiten der beiden Kernkraftwerke in Tihange und Doel zu verlängern. Am Ende bleibt es eine politische Entscheidung. Ende Mai wird gewählt, danach wird sich zeigen, wie sich Belgien positioniert.

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