Paris/Lüttich: Greenpeace: Verheerende Explosion nach Terrorangriffen auf Tihange möglich

Paris/Lüttich: Greenpeace: Verheerende Explosion nach Terrorangriffen auf Tihange möglich

Die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel sind laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace nicht ausreichend vor Angriffen von Terroristen geschützt.

Die Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente in den beiden belgischen und den meisten französischen Atomkraftwerke seien im Falle böswilliger Taten „extrem anfällig“, teilte Greenpeace am Dienstag in Paris mit, wo die Organisation einen Sicherheitsreport vorstellte.

Die Schwachstelle: Das Abklingbecken

Anders als in Deutschland seien die Abklingbecken nicht mit einem Sicherheitsbehälter versehen. Das könne dramatische Folgen haben. Während die Reaktorgebäude der Atomkraftwerke speziell gesichert würden, gelte dies nicht für die Gebäude der Abklingbecken, erklärte Heinz Smital, Kernphysiker und Experte bei Greenpeace Deutschland.

Falls also bei einer Attacke das Becken beschädigt würde und Wasser abliefe, würden die Brennelemente nicht mehr gekühlt. Die radioaktiven Brennstäbe würden überhitzen, bis es zu einer Wasserstoffexplosion komme und das hochradioaktive Cäsium, Strontium, Uran und Plutonium in die Luft geschleudert würden, erklärte Smital weiter. „Weite Landstriche können dann radioaktiv versucht werden“, sagte Smital unserer Zeitung. Bei einer Terrorattacke auf ein Abklingbecken wäre es unmöglich, schnell genug Kühlwasser nachzufüllen.

Der Betreiber der belgischen Atomkraftwerke, Engie-Electrabel, steht ohnehin wegen der umstrittenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 in der Kritik. Gegen die Greenpeace-Vorwürfe wehrt sich der Konzern. „Die belgischen AKW und die Gebäude, in denen sich die Brennstäbe befinden, entsprechen den nationalen und internationalen Vorschriften und Normen“, teilte Engie-Electrabel-Sprecherin Anne-Sophie Hugé unserer Zeitung mit.

Im Visier von Terroristen

Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC hatte die Sicherheit von Doel und Tihange untersucht. Im Mai hatte sie für Doel 1 und 2 ein Sicherheitszertifikat verweigert. Man habe aber alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um für Sicherheit beispielsweise im Falle eines Flugzeugabsturzes zu sorgen, sagte Hugé am Dienstag.

Seit 2011 gelten in Belgien strengere Vorschriften, dahinter steckt die Sorge vor einem Terror-Attentat auf eine atomare Einrichtung. Im März 2016 war bekannt geworden, dass belgische Atomkraftwerke im Visier der Terrorzelle standen, die das Attentat auf den Brüsseler Flughafen verübt hatte. Damals verloren auch mehrere Tihange-Mitarbeiter ihre Zugangsberechtigung.