40.000 Plakate: Protest-Aktion gegen Tihange in Aachen

Aktion gegen umstrittene belgische Kernkraftwerke : Ein stiller Protest gegen Tihange

In der Nacht zum 22. Juni sollen 40.000 gelbe Plakate in den Fenstern der Häuser und Geschäfte in der Region erleuchtet werden. Damit soll erneut gegen die umstrittenen belgischen Meiler mobil gemacht werden.

An den 25. Juni 2017 denken die Anti-Tihange-Aktivisten gern zurück. Der Tag der Menschenkette, bei der 50.000 Demonstranten Hand in Hand ein Zeichen gegen den Betrieb des umstrittenen belgischen Kernkraftwerks gesetzt haben, war und bleibst vorerst auch der Höhepunkt der Atomkraft-Gegner in der Region. Zum Jahrestag will das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie erneut ein Zeichen gegen Tihange setzen. Der Protest wird aber ein stiller sein.

Städteregion Aachen beteiligt sich

Während am Freitag, 21. Juni, die internationale Großdemo der jungen Klimabewegung „Fridays for Future“ in Aachen stattfindet, soll es am Samstag, 22. Juni, eine Aktion von „Ende Gelände“ gegen Braunkohle im Hambacher Forst geben. Weil sich Klima-Aktivisten, Braunkohle- und Atom-Gegner aus Aachen untereinander austauschen, hat sich das Aktionsbündnis dazu entschieden, seine diesjährige Anti-Tihange-Aktion auch an dem Wochenende zu starten.

Das Aktionsbündnis hat 40.000 gelbe, transparente „Stop Tihange“-Plakate drucken lassen. Stapelweise Blöcke liegen im Büro des Stop-Tihange-Vereins in Aachen. Sie warten darauf, an den kommenden Dienstagen von Interessenten im Welthaus abgeholt zu werden. In der Nacht des 21. auf den 22. werden die Menschen aus der Region gebeten, das Licht in der eigenen Wohnung auszumachen, das Plakat ins Fenster zu hängen und dieses mit einer Kerze oder einer Lampe anzuleuchten. Das ergibt quasi einen Laternen-Effekt. Ein Foto davon soll ins Netz geladen werden, erklären Walter Schumacher und Hilde Debey am Montag.

Das Bündnis hat auch Stadt und Städteregion gebeten, sich zu beteiligen, indem die öffentlichen Gebäude nicht beleuchtet werden. „Wir machen natürlich mit“, sagte Delef Funken, Sprecher der Städteregion unserer Zeitung. Das Licht würde abgeschaltet, und man hänge auch gern die Plakate auf. Bei der Stadt Aachen hatte man gestern noch nichts von der Bitte der Tihange-Gegner gehört.

„Wir wollen daran erinnern, dass Tihange immer noch am Netz ist“, sagt Schumacher. Ihm ist bewusst, dass die Anti-Tihange-Bewegung derzeit nicht so präsent ist. „Wir waren mal sehr dominant, dann entwickelte sich die Lage im Hambacher Forst dramatisch, und nun gibt es die jungen „Fridays for Future“-Aktivisten, da sind wir dahintergerutscht“, analysiert Schumacher sehr realistisch. Die unterschiedlichen Bewegungen würden ihren Fokus anders legen, aber schlussendlich ginge es allen darum, dass es auch in Zukunft noch einen lebenswerten Planeten gibt, sagt Debey.

Schumacher glaubt, dass die Anti-Atom-Bewegung quasi der Dino unter den drei Bewegungen ist. „Viele bei ,Stop Tihange’ haben schon in den 70er und 80er Jahren gegen Atomkraft protestiert“, sagt Schumacher. So sei das jedenfalls bei ihm. Wenn er sich mit den jungen „Fridays for Future“-Demonstranten austausche, habe das etwas von „Opa erzählt vom Krieg“.

Schumacher ist aber begeistert davon, dass so junge Leute so politisch sind. Zu den Treffen des Aktionsbündnisses hat sich aber noch kein 20-Jähriger verirrt. „Das Thema ist derzeit etwas durch“, sagt Schumacher. Die Organisation einer Menschenkette wie 2017 sei derzeit beispielsweise nicht durchführbar. Er und Debey glauben aber, dass Tihange sehr bald wieder sehr aktuell werden könnte.

Dann nämlich, wenn Belgien sich dazu entschließen würde, Laufzeiten von Meilern zu verlängern. Debey und Schumacher jedenfalls sind bereit, ihren Kampf weiter zu kämpfen.