Tihange/Aachen: Tihange 3: Jetzt auch noch maroder Beton

Tihange/Aachen: Tihange 3: Jetzt auch noch maroder Beton

Verschlissener Beton bereitet dem Betreiber der belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel neue Sorgen. In Doel 3 und dem grenznahen Tihange 3 sind bei Untersuchungen Fehlstellungen im Betonboden entdeckt worden.

Das erklärten die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc und der Betreiber Engie-Electrabel am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. Bei extremen Ereignissen wie Flugzeugabstürzen oder Erdbeben könnte deshalb die Sicherheit gefährdet sein, erklärte Erik Hulsbosch, Sprecher der Fanc, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der marode Beton befindet sich nicht im Reaktor, sondern in einem Nebengebäude. Die Probleme sind zunächst bei geplanten Untersuchungen in Doel 3 aufgefallen. Dort wurde Verschleiß des Betons festgestellt. Bei den Untersuchungen in Tihange 3 wurde neben dem Verschleiß des Betons zudem festgestellt, dass sich die Stahlverstärkungen im Beton nicht an den in den Bauplänen vorgesehenen Stellen befinden.

„Unsere Ingenieure und unabhängige Experten untersuchen jetzt, welche Auswirkungen die falsche Stellung der Stahlkonstruktionen haben kann“, sagte Anne-Sophie Hugé, Sprecherin von Engie-Electrabel, gegenüber unserer Zeitung. Man verfolge derzeit die Theorie, dass die Ursache in der Fehlstellung darin liegt, dass sich die Stahlverstärkungen an der Schutzdecke beim Einlaufen des Betons von allein verschoben haben, sagte Hugé. Und zwar während dem Bau des Gebäudes — nicht später.

Kein Einzelfall?

Die Vorfälle in Tihange 3 und Doel 3 werden von der Fanc auf der Ines-Skala (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse), die von 0 bis 7 reicht, jeweils mit 1 bewertet. Es handelt sich also um Störfälle. „Normal ist das nicht“, sagt Hulsbosch. Allerdings habe zu keiner Zeit Gefahr für die Umwelt oder die Bevölkerung bestanden. Die beiden Meiler sind derzeit wegen der Inspektion und der erforderlichen Reparaturen abgeschaltet.

Die Fanc fürchtet jedoch, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um ein Serienproblem bei diesem Bautyp der Akw. Weitere Reaktoren müssten deshalb untersucht werden. Das steht nun an. Die geplanten jährlichen Untersuchungen an den Reaktoren werden deshalb teilweise vorgezogen. Doel 4 und der wegen Tausender Haarrisse im Reaktordruckbehälter umstrittene Meiler Tihange 2 werden im August untersucht. Die belgischen Meiler sind in der Grenzregion und ganz NRW immer wieder Grund zur Sorge.

(mgu)