Brüssel/Berlin: Tihange 2 und Doel 3: Weitere Untersuchungen nötig

Brüssel/Berlin: Tihange 2 und Doel 3: Weitere Untersuchungen nötig

Belgische und deutsche Kernenergie-Experten sprechen sich für weitergehende Untersuchungen der umstrittenen belgischen Meiler Tihange 2 und Doel 3 aus. Beim zweiten Treffen der Deutsch-Belgischen Nuklearkommission sprachen die Teilnehmer laut Bundesumweltministerium außerdem über weitere Kriterien und Verfahren für den Umgang mit meldepflichtigen Ereignissen in Atomkraftwerken.

Zuletzt hatte etwa der NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) von dem Vorfall in Doel 1 aus den Medien erfahren und nicht von den belgischen Behörden. Offensichtlich war trotz Absprache die Umsetzung noch schiefgelaufen.

Außerdem waren die Precursor-Analysen, die zuletzt für Aufregung gesorgt hatten, Thema. Mit Precursor-Analysen berechnen Experten die Wahrscheinlichkeit für eine Kernschmelze. Im Januar war bekannt geworden, dass sich solche Vorboten in Tihange 1 gehäuft hatten.

Bei dem zweitägigen Treffen in Brüssel nahmen Vertreter des Bundesumweltministeriums, aber auch des Landes NRW teil, für die belgische Seite kamen Experten der Atomaufsichtsbehörde Fanc. Die hat sich bereit erklärt, sich an einem Forschungsvorhaben der Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart zu beteiligen, wie das Ministerium mitteilte. Zusammen mit einem in Belgien eingeleiteten Forschungsvorhaben soll das Projekt zu einer Erweiterung der wissenschaftlichen Grundlagen in Bezug auf die Nachweisführung beitragen. Vereinbart wurde demnach eine enge Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch. Das Bundesumweltministerium wird die Forschungsvorhaben eng begleiten und die Ergebnisse bewerten, hieß es am Freitag.

„Mit dem nunmehr zweiten Treffen der Kommission wurde das Vertrauen in die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den belgischen Atomaufsichtsbehörden weiter gestärkt. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Belgiern ist für uns sehr wichtig, denn sie ist Voraussetzung dafür, dass uns Informationen - auch zu den befundbehafteten Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 - in dem erforderlichen Umfang und zeitnah erreichen“, sagte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Deutsch-Belgische Nuklearkommission ist zentrales Element des Ende 2016 unterzeichneten deutsch-belgischen Abkommens über den Informations- und Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit, des Strahlenschutzes und der Sicherheit der Entsorgung von abgebrannten Brennelementen und radioaktiven Abfällen.

Bei dem ersten Treffen hatte im Sommer 2017 war es vor allem um ein Kennenlernen gegangen. Dabei waren lediglich Rahmenbedingungen für die formalisierte Zusammenarbeit festgelegt worden. Seitdem findet ein Austausch zwischen den Experten statt, die nun schon beim zweiten offiziellen Treffen zu ersten Ergebnissen führte. Das nächste Treffen der Kommission wird voraussichtlich im Sommer 2019 stattfinden.