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Aachen: Themenpark Mobilität: Verantwortung liegt weiterhin beim Fahrer

Aachen : Themenpark Mobilität: Verantwortung liegt weiterhin beim Fahrer

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie wollen sich am Morgen auf den Weg zur Arbeit machen. Sie verlassen das Haus und gehen in Richtung Garage. Ein Knopfdruck reicht aus und nicht nur das Garagentor öffnet sich, sondern Ihr Wagen fährt auch alleine heraus. Sie steigen ein, machen es sich bequem und beginnen mit der Arbeit.

Selbst zu fahren, gehört zu diesem Zeitpunkt längst der Vergangenheit an. Auch ein Lenkrad suchen Sie vergebens. Vielmehr haben Sie genug Platz, um die Fahrzeit produktiv zu nutzen. Staus und Unfälle gibt es auch nicht mehr. Der Grund: Die Fahrzeuge werden durch Sensoren automatisch gesteuert, die ein erhöhtes Verkehrsaufkommen verhindern.

Stress und Wutausbrüche, weil der Vordermann zu langsam unterwegs ist, sind damit Geschichte. Besser könnte der Tag doch kaum starten, oder? Die Realität sieht allerdings anders aus. Erst im Juli gab es in Florida einen tödlichen Unfall mit einem Auto, das sich selbst steuerte. Das System des Elektroauto-Herstellers Tesla konnte in hellem Licht einen weißen Lastwagen-Anhänger nicht rechtzeitig erkennen. Diese technische Panne kostete den Fahrer des Wagens das Leben.

Auch bei Google gab es in diesem Jahr den ersten Unfall mit einem selbstfahrenden Auto, das vom Computer gesteuert wurde. Einer der Wagen kam in der Mountain View bei niedriger Geschwindigkeit einem Bus in die Quere. Verletzt wurde niemand, es entstand jedoch ein Blechschaden. Sicherheit garantieren Im Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen arbeiten Adrian Zlocki, Leiter des Geschäftsbereichs Fahrerassistenz am Institut, und seine Studenten daran, dass solche Vorfälle künftig nicht mehr vorkommen werden.

Für die Forscher ist vor allem eine Frage wichtig: Welche Systeme müssen entwickelt werden, die garantieren, dass eine solche Technik auch sicher ist? „Das ist ein Thema, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Falls hier etwas schiefgeht, sterben im schlimmsten Fall Menschen“, sagt Zlocki. So wie im Fall des Elektroauto-Herstellers Tesla. Autobranche und Entwickler von Roboterwagen-Technologie wie Google versprechen jedoch nach wie vor, dass selbstfahrende Fahrzeuge den Verkehr viel sicherer machen und die Zahl der Todesfälle drastisch senken würden.

Worauf sie ihre Thesen stützen? Bisher gelten neue Systeme als sicher, sobald sie eine bestimmte Anzahl an Kilometern hinter sich gebracht haben. Bei automatisierten Fahrzeugen würde diese Zahl bei 240 Millionen Kilometern liegen. „Das wäre nicht darstellbar, deshalb müssen wir neue Methoden zur Absicherung entwickeln“, sagt Zlocki. Er ist Manager des Themenparks Mobilität und will die Besucher am Aktionswochenende (23. bis 25. September) im Institut an der Steinbachstraße über den aktuellen Stand der Technik aufklären.

Schließlich gebe es auch etliche positive Entwicklungen, die nach dem Unfall jedoch in den Hintergrund gerückt sind. „Viele Bürger wissen gar nicht, was es heute schon so alles gibt“, sagt Zlocki. Dazu zählen nicht nur selbstfahrende Autos, sondern auch Modelle, die ihrem Fahrer auf Knopfdruck mitteilen, wo sich die nächsten Tankstellen oder Pizzerien befinden.

Automatisiert fahren soll in Zukunft auch „SpeedE“, das Forschungsfahrzeug des Instituts. Der weiße Wagen, der an ein Auto aus der Zukunft erinnert, besitzt kein Lenkrad, sondern wird mit Joysticks betrieben. Darüber hinaus besitzt er einen Elektroantrieb und hohe Lenkwinkel, die dazu beitragen, dass das Auto problemlos ein- und ausparken und sich sogar auf der Stelle drehen kann. „Das Wenden in drei Zügen gibt es dann nicht mehr“, sagt Zlocki. Auch die Tesla-Modelle sind mit Funktionen ausgestattet, die dem Fahrer das Leben erleichtern sollen.

Das Tesla-System kann beschleunigen, bremsen, die Spur halten und Objekten ausweichen. Die Limousine „Model S“ stieß bei dem tödlichen Unfall Anfang Juli dennoch mit einem Lastwagen-Anhänger zusammen, der die Fahrbahn überquerte. „Weder Autopilot, noch der Fahrer erkannten die weiße Seite des Anhängers vor dem Hintergrund eines hellen Himmels und die Bremse wurde nicht betätigt“, schrieb Tesla in einem Blogeintrag nach dem Unfall.

Geklärt ist die Ursache auch mehrere Wochen nach dem Unfall noch nicht. „Ich vermute, die Sensorfunktion hat die Situation nicht richtig erkannt. Aber ich weiß es nicht“, sagt Zlocki. Der Autopilot greift unter anderem auf Kameras zurück, um die Umwelt zu erfassen. Die Teslas zeichnen während der Fahrt alle möglichen Daten auf und übertragen diese dann an den Konzern. Fahrassistenz-Systeme mit einem ähnlichen Funktionsumfang werden auch von anderen Autoherstellern angeboten. Tesla betonte, das Autopilot-System sei eine neue Technologie in der sogenannten Beta-Phase, die standardmäßig abgestellt sei und erst bewusst aktiviert werden müsse.

Fahrer würden beim Einsatz des Programms ausdrücklich aufgefordert, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen und die Kontrolle und Verantwortung über das Fahrzeug zu behalten. Doch auch hier sieht die Realität anders aus. In zahlreichen Internet-Videos ist immer wieder zu sehen, dass Fahrer sich bei eingeschaltetem Autopilot-System mit anderen Sachen beschäftigten. Einer kletterte sogar auf den Rücksitz und filmte den leeren Fahrersitz von dort.

Um so etwas zu vermeiden, kontrolliert das System regelmäßig, ob der Fahrer die Hände am Steuer hat. Wenn nicht, ertönen akustische Alarmsignale und das Auto bremst ab. So sollte es zumindest sein. Fahrer muss übernehmen können Bleibt die Frage, wer in diesen Fällen die Verantwortung übernimmt. „Es können unterschiedliche Parteien betrachtet werden: der Hersteller, der Fahrer, der Betreiber.

Der aktuelle Gesetzesentwurf für das automatische Fahren sieht vor, dass der Fahrer jederzeit in der Lage sein soll, wieder übernehmen zu können“, klärt Zlocki auf und fügt an: „Dazu müssen Systeme verbaut werden, die als Driver Monitoring bezeichnet werden und sicherstellen, dass der Fahrer übernehmen kann.“ Wann bei einem Unfall wer die Verantwortung übernehme, hänge auch vom Unfallgeschehen und der Rekonstruktion des Unfalls ab. „Eine genaue Definition und Vorgabe ist bisher noch nicht zu 100 Prozent festgelegt“, sagt Zlocki.

Fest stehe jedoch, dass längst nicht jeder Autofahrer die Kontrolle seinem Fahrzeug überlassen möchte. Nach der Sicherheit steht auch die Vernetzung im Vordergrund. Damit hat sich in den vergangenen 30 Monaten das Aachener Unternehmen Aseag auseinandergesetzt. Im Rahmen eines Forschungsprojekts entstand der „Mobility Broker“, eine App, die die öffentlich verfügbaren Mobilitätsangebote, zu denen neben Bus und Bahn auch Car-Sharing und Bikesharing zählen, in der Städteregion Aachen bündelt.

Der Kunde kann Informationen über die Art der Fortbewegung erhalten und die Angebote buchen und zahlen. Michael Carmincke, Vorstand der Aseag, meint: „Unsere Kunden könnten künftig per Smartphone-App oder am PC nicht nur ihre Fahrten planen, sondern auch verschiedene Verkehrsmittel unkompliziert buchen und bezahlen.“ Zweieinhalb Jahre dauerte das Projekt, das Ende Mai auslief. Gefördert wurde es mit zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Mit dem Projektabschluss seien die technischen Voraussetzungen für die Realisierung geschaffen. Gefördert wird auch der Kauf von Elektroautos. Seit Ende Juni steht die Kaufprämie für Elektroautos in den Startlöchern. Bis zu 4000 Euro Zuschuss gibt es für die Käufer eines Elektrofahrzeugs, Hybrid-Fahrzeuge werden mit 3000 Euro gefördert. Die Kosten teilen sich Bund und Industrie je zur Hälfte. Bisher ist das Elektroauto trotzdem noch ein Exot auf den Straßen der Bundesrepublik.

Anfang 2015 waren nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) 25 300 Exemplare zugelassen. Ein Grund dafür könnte der Preis sein. Zlocki weiß jedoch auch, dass das mangelnde Vertrauen vieler Fahrer ein wichtiger Aspekt ist. Ein weiteres Problem: Auch die GPS-Koordinaten sind nicht in Stein gemeißelt. In Australien fand die letzte Aktualisierung der Daten vor 25 Jahren statt, die tektonische Plattenbewegung lässt den Kontinent allerdings jährlich um sieben Zentimeter wandern.

Dieses Phänomen hat einen entscheidenden Einfluss auf selbstfahrende Autos. Momentan würden sie rund anderthalb Meter neben der Fahrbahn unterwegs sein. Obwohl es für die Wissenschaftler noch allerhand zu tun gibt, ist Zlocki optimistisch, dass sich Elektro- und selbstfahrende Autos durchsetzen werden. Das ist auch die Firma Tesla. Ende 2017 bringt sie das „Model 3“ auf den Markt. Das Elektroauto „SpeedE“ wurde am RWTH-Institut an der Steinbachstraße entwickelt, und natürlich können sich die Besucher von Aachen 2025 ausführlich über das Forschungsfahrzeug informieren. Es wird mit Joysticks betrieben und besitzt hohe Lenkwinkel.