Kerpen: Tempolimit auf der A4: „Dieser Abschnitt verleitet zum Rasen“

Kerpen: Tempolimit auf der A4: „Dieser Abschnitt verleitet zum Rasen“

Erhard Georg hat in den vergangenen Monaten viel Zeit und Arbeit investiert. Das Ergebnis seiner Fleißarbeit liegt jetzt beim Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtags auf dem Tisch: 23 Seiten, auf denen der 64-Jährige, der in Kerpen-Buir in Rufnähe zur A4 lebt, ausführlich und überaus detailliert begründet, warum ein Tempolimit auf der Autobahn sinnvoll und sogar notwendig sei.

Die Initiative ist nicht neu, am Anfang richtete sie sich vor allem gegen die Lärmbelastung durch den Pkw- und Lkw-Verkehr auf der A4. Durch den verheerenden Unfall, bei dem am vergangenen Sonntagmorgen vier Menschen ihr Leben verloren, hat sie für Georg an Dringlichkeit gewonnen.

Er selbst formuliert es am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung so: „Es geht darum, durch eine Temporeduzierung und eine dauerhafte Überwachung weitere schwere Unfälle zu verhindern. Sollte die Petition erfolgreich sein, würde die reduzierte Lärmbelastung als ,Nebenprodukt‘ natürlich gerne mitgenommen.“

Georg hat die Unfallzahlen genau verfolgt. Sein Resümee: „Dieser Autobahnabschnitt verleitet zum Rasen. Neun Menschen haben dort bereits durch Verkehrsunfälle ihr Leben verloren.“ Konkret fordert der pensionierte Verwaltungsangestellte, der von der Initiative „Buirer für Buir“ unterstützt wird, deshalb die Einrichtung eines dauerhaften Tempolimits zwischen Buir und der Anschlussstelle Merzenich, und zwar in beiden Fahrtrichtungen.

Pkw sollen demnach generell nur noch Tempo 100 fahren dürfen, Lkw nachts nur noch Tempo 60. Derzeit gibt es auf dem elf Kilometer langen und dreispurig ausgebauten Abschnitt, der seit September 2014 vollständig in Betrieb ist und durch den fortschreitenden Tagebau Hambach notwendig geworden war, keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Damit eine Maßnahme wie diese ohne effektive Sanktionsmaßnahmen nicht verpufft, fordert die Petition eine dauerhafte stationäre Überwachung an mehreren Stellen.

Georg ist für seine Petition tief eingestiegen in ein kompliziertes Thema; er hat Gutachten studiert und ausgewertet, er hat selbst Datenmaterial erhoben. Und er wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, die Verkehrstoten für sein Anliegen zu instrumentalisieren. Am Anfang, gibt er zu, sei es ihm tatsächlich um eine Reduzierung der Lärmbelastung gegangen, unter der er als direkter Anlieger besonders leidet. „Durch die schrecklichen Unfälle hat sich meine Intention verändert“, betont er nun.

Dass Experten wie der Verkehrsforscher Prof. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen bezweifeln, dass eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit die Unfallzahlen senken würde, kann Georg nicht nachvollziehen. „Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verursacher des Unfalls am Wochenende zu schnell unterwegs war. Also: Was kann ernsthaft gegen ein Tempolimit sprechen?“

Initiative bittet um Unterstützung

Seine Petition, in der er den Behörden vorwirft, im Genehmigungsverfahren für den Autobahnabschnitt mit zu geringen, also falschen Zahlen zum Verkehrsaufkommen operiert zu haben, geht nun den Gang aller Petitionen. Es wird einen Berichterstatter im Ausschuss geben, die Fachleute — auch in der Kölner Bezirksregierung — werden angehört, vielleicht auch Georg selbst. Irgendwann wird es dann ein Gutachten geben.

Um den Druck zu erhöhen, bittet die Initiative „Buirer für Buir“ darum, dass möglichst viele Personen die Petition unterstützen, indem sie sie in ihrem eigenen Namen und „zeitnah“ einreichen. Der Text kann auf der Homepage www.buirerfuerbuir.de heruntergeladen werden. Ein Vorstoß der Stadt Kerpen, die bereits Ende 2015 bei der Bezirksregierung ein Tempolimit gefordert hatte, war übrigens abgelehnt worden. Für Erhard Georg ist das allerdings kein Grund, es nicht noch einmal zu versuchen.