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Mönchengladbach: Teenager-Mord: Angeklagter wie „Eisblock”

Mönchengladbach : Teenager-Mord: Angeklagter wie „Eisblock”

Im Prozess um den Eifersuchtsmord unter Teenagern in Grevenbroich hat ein Polizist den 15 Jahre alten Angeklagten als gefühlskalten „Eisblock” beschrieben.

Der Jugendliche habe in sechs Wochen der Vernehmungen zur Tat keine emotionale Regung gezeigt, zitierte Verteidiger Lutz Bartsch am Donnerstag die Aussage eines Beamten. Der Prozess am Landgericht Mönchengladbach läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am Dienstag hatte der Schüler den Mord zugegeben. Er soll seine gleichaltrige Freundin im Dezember erstochen haben. Sie hatte ihm gesagt, sie habe sich in einen Anderen verliebt.

Der Anwalt des Jungen will einen Gutachter klären lassen, ob sein Mandant überhaupt schuldfähig ist. „Er war vollkommen vernachlässigt und isoliert. In den zwei Wochen der Beziehung mit Valerie hat er zum ersten Mal seit Jahren Wärme und Zuneigung gespürt. Als sie sich von ihm trennen wollte, sah er keine Handlungs-Alternative.”

Aus seinen gewalttätigen Computerspielen habe der Jugendliche nur eine Lösung gekannt: „Das ist das Töten”, sagte Bartsch. Der 15-Jährige soll bis zu 13 Stunden am Tag mit gewaltverherrlichenden Spielen verbracht haben. Der Verteidiger will einen Spiele-Experten dafür einschalten. Der Zeitvertreib habe den Jungen einer „Hirnwäsche” unterzogen.

Im Zeugenstand berichteten am Donnerstag darüber hinaus die Eltern des Angeklagten über ihre Hilflosigkeit bei der Erziehung. Dreimal hätten sie sich an den Leiter der Hauptschule gewandt, zitierte der Verteidiger die Eltern des Jungen nach der Verhandlung. Obwohl sie darum gebeten hätten, den notorischen Schulschwänzer mit Jugendamt oder Polizei zum Unterricht zu bringen, sei nichts geschehen. „Hier tragen das Jugendamt und die Schulleitung eine große Mitschuld”, kritisierte der Anwalt. „Die Eltern hatten selbst große Probleme.”

Auch die Eltern des Opfers sagten aus, schilderte der Anwalt. Sie hätten 20 Jahre in dem kleinen Ort bei Grevenbroich gelebt. Nun seien sie weggezogen, weil sie auch als Hinterbliebene von Nachbarn immer mehr gemieden worden seien. Es sei nicht mehr zu ertragen gewesen: Die Leute im Ort hätten die Straßenseite gewechselt, weil sie nicht mit der Familie von Valerie umzugehen wussten.

Der Junge soll die 15-Jährige gebeten haben, sich auf eine Matte zu legen, weil er eine Überraschung für sie habe. Dabei hat er ihr laut Anklage die Augen verbunden, ein Messer gezückt und zugestochen. Mit Valerie war er nur zwei Wochen zusammen gewesen.