Düsseldorf: Tausende zittern im Stau

Düsseldorf: Tausende zittern im Stau

Nichts geht mehr. Schnee und Eis haben am Mittwoch die Sauerlandlinie zwischen Siegen und Drolshagen in einen 40 Kilometer langen Parkplatz verwandelt. Tausende Autofahrer mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen.

Weil Lastwagen auf Talbrücken quer standen und an Steigungsstrecken hängen blieben, kam der Verkehr in Richtung Dortmund über Stunden völlig zum Erliegen. Selbst für die Räumdienste war kein Durchkommen. Erst nach 22 Stunden begann der Verkehr am Nachmittag wieder langsam zu rollen.

„Es ist blanke Ironie”, sagt Straßenwärter Stefan Holterhoff von der Autobahnmeisterei Freudenberg: Mit seinem voll beladenen Streuwagen, der doch eigentlich die Straßen freimachen soll, stand er sieben Stunden eingekeilt und handlungsunfähig zwischen Autos im Stau. Dann löste ihn ein Kollege im steckengebliebenen Laster ab.

Zunächst war der Straßenwärter in der Nachtschicht bei Olpe auf der Autobahn noch vorangekommen. Seit Dienstagnachmittag hatte das Wetter den Verkehr vor allem in Richtung Ruhrgebiet schon stark beeinträchtigt. Ab dem frühen Morgen ging auf der dreispurigen Autobahn in Richtung Norden nichts mehr. „Ich konnte mich nur hinten anstellen”, sagt Holterhoff resigniert. Lastwagen standen in zwei Spuren quer und andere Autos versuchten, über den Tiefschnee auf der dritten Spur zu fahren. „Die blieben dann aber selbst stecken.” Während er wartete, sah der Straßenwärter, wie die Gegenfahrbahn wieder zuschneite. „Drei Kilometer weiter hätte ich abfahren und drehen können.” Die meisten Autofahrer hätten die Situation zunächst gelassen hingenommen. „Je länger es dauerte, desto mürrischer wurden die Leute dann aber”, sagt Holterhoff.

Verkehrschaos und Riesen-Stau sind nach Einschätzung von Paul Helmes von der Autobahnmeisterei nicht nur auf das Wetter zurückzuführen. „Wir haben alles gegeben”, sagte er. Aber unvernünftige Lastwagenfahrer hätten versucht, liegengebliebene Kollegen zu überholen und sich dann selbst quergestellt und die Bahn dicht gemacht. „Jeder der nicht entsprechend ausgerüstet ist, hätte abfahren sollen”, sagte Helmes.

„Es war arschkalt und ich habe die Nacht über nicht geschlafen”, sagt Karsten Heinrich. Der 29-Jährige aus Rietberg bei Gütersloh war erst kurz vor dem Stau auf die Sauerlandlinie aufgefahren und stand dann mehr als 15 Stunden im Stau. „Zwischendurch ging es einmal zehn Kilometer weiter.” Er habe damit gerechnet, dass er nicht pünktlich nach Hause kommt - aber nicht damit, die ganze Nacht im 7,5-Tonner ohne Schlafkabine zu verbringen. Als seine Thermoskanne am Morgen geleert war, überraschten ihn aber die Helfer vom Roten Kreuz mit frischem Kaffee.

Heinrichs Beifahrer Thorsten Pütter hatte in der Nacht regelmäßig mit seiner Familie telefoniert. So eine Nacht habe er noch nie erlebt. Besonders frustrierend sei es gewesen, die Räumfahrzeuge vorbeifahren zu sehen - allerdings auf der Gegenfahrbahn, denn Stau gab es nur in Richtung Dortmund, in die andere Richtung ging es relativ störungsfrei. Die Einsatzkräfte hätten ihr Möglichstes getan und liegengebliebene Lastwagen weggeschleppt: „Ohne das THW und das Rote Kreuz stünden wir wahrscheinlich immer noch hier”, sagt er, als der Laster am Mittag endlich wieder anrollt.

Wie lange die Entwarnung anhält, war dabei durchaus unklar: Für Mittwochnacht kündigt der Wetterdienst Meteomedia erneut rund fünf Zentimeter Neuschnee und Schneeregen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt an. Es kann wieder spiegelglatt werden. „Für das Rote Kreuz ist ein Einsatzende noch nicht absehbar”, teilt die Hilfsorganisation mit.

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