Tattoo-Convention Aachen: „Kaiserstadt Tattoo Expo“

Tattoo-Convention in Aachen: Fachmesse statt Fleischbeschau

Mythen, Fakten und Aachen: 7 Fragen, 7 Antworten zum Thema "Tattoos"

Am Anfang steht die Definitionsfrage. Was sind Tätowierer eigentlich? Handwerker? Künstler? Dienstleister? „Eine Mischung, damit kann ich gut leben“, sagt Andreas Coenen. „Kunsthandwerker, das gefällt mir“. Coenen, Jahrgang 1970, ist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft, in seinem Aachener Studio bringen er und seine Mitarbeiter kunstvoll Tinte unter die Haut.

Damit sind sie Teil eines Berufszweigs, der heute bisweilen noch immer mit einem antiquierten Image zu kämpfen hat, dem sich laut diversen Studien aber auch bereits etwa jeder vierte Deutsche anvertraut haben soll. Tattoos sind längst alltagstauglich geworden — die Jahrhunderte alte Tradition dahinter zu bewahren und ihr gleichzeitig eine zeitgemäße Plattform zu geben, dieser Aufgabe hat sich Coenen verschrieben. Seit 2016 organisiert er in seiner Wahlheimat Aachen die „Kaiserstadt Tattoo Expo“. Am Wochenende (14. bis 16. September) findet sie zum dritten Mal in der Eissporthalle an der Krefelder Straße statt. Erwartet werden wieder einige tausend Besucher an drei Tagen.

Tätowierer aus alles Welt

Dann werden erneut zahlreiche Tätowierer aus aller Welt Coenens Ruf gefolgt sein. Öffentliche Großveranstaltungen rund um das mitunter schmerzhafte Kunsthandwerk gibt es in zig Großstädten in Deutschland, eigentlich in aller Welt. Was unterscheidet die Aachener Messe von anderen? Glaubt man dem Organisator wie auch Gästen aus den Vorjahren, so ist es die besonders pure Atmosphäre und die schiere Zahl an herausragenden Vertretern ihrer Zunft, die ihre Dienste anbieten. Tätowieren — sonst nichts, so könnte das Motto lauten, unter dem sich etliche internationale Szene-Stars versammeln. „Die Tätowierer aus Japan oder den USA kommen zu uns, weil sie dabei sein wollen. Hier gibt es ja keine Prämien oder so etwas“, sagt Coenen, selbst Weltreisender in Tattoo-Angelegenheiten.

Keine Showelemente, vielmehr eine Zusammenkunft im Sinne der Tradition, ergänzt um Vorträge, Seminare und Musik: Die Aachener „Expo“ hat denn auch vielmehr den Charakter einer Fachmesse, als es bei vergleichbaren Veranstaltungen in Metropolen wie Hamburg, Berlin oder Köln der Fall ist. Die in die Jahre gekommene Eissporthalle bildet dabei sicher nicht den stimmungsvollsten Rahmen, aber darum gehe es schließlich nicht. „Das Tätowieren steht im Vordergrund“, betont Coenen noch einmal. Das reine Platzangebot bestimmte die Auswahl der Lokalität.

Feuerspucken, Schlangentanz oder die Fleischbeschau leicht bekleideter Damen sind Coenens Sache nicht, obwohl anderswo üblich. Dem gebürtigen Viersener geht es um die reine Kunst am Körper, die eine Jahrhunderte alte Tradition hat. „So lebe und arbeite ich, und so soll auch unsere Messe sein“. Auch die Besucher wüssten mittlerweile, was sie bekommen, glaubt der Inhaber des Studios „The Sinner And The Saint“: „Nachweislich hervorragende Arbeit von Leuten, für die man sonst weit reisen muss.“ Wann sonst ergebe sich schon die Möglichkeit, von einem japanischen Meister mit der traditionellen Technik des Tebori „behandelt“ zu werden? Mit Bambusstock und Nadelbündel in Handarbeit hergestellte Schmuckbilder — sicher eine Rarität im europäischen Raum.

Aber auch weniger experimentierfreudigen Zeitgenossen, „Ersttätern“ oder neugierigen Grenzländern will Coenen die buchstäbliche Tür öffnen: „Ich denke, es ist eine hervorragende Möglichkeit, um sich dem Thema zu nähern. Wir verstehen uns als Teil der regionalen Öffentlichkeit“. Die Tattoo-Fachmesse als Teil des öffentlichen Kulturangebots gar? Die Erwähnung der „Expo“ im Verzeichnis des Aachen Tourist Service etwa dürfte im Sinne des Organisators sein. „Es ist definitiv auch eine Veranstaltung für die Menschen aus der Region. Ich fühle mich als Aachener, und für mich war klar, dass ich so eine Messe nur in Aachen veranstalten kann“, sagt Coenen, der in der Tattoo-Szene einen Ruf als eine Art moderner Klassiker genießt.

Was macht eine gute Tätowierung aus?

Neben der anfänglich gestellten Definitionsfrage bliebe zu klären: Was macht überhaupt eine gute Tätowierung aus, wie sie im Sinne von Traditionsbewussten wie Coenen und seinen Kollegen daherkommt? Die Antwort klingt ganz nach solidem Handwerk. „Saubere Ausführung, die eine lange Haltbarkeit gewährt“, zählt Coenen auf, „und sie muss mir etwas erzählen.“

Die Aufgabe als Historiker seiner Zunft hat Andreas Coenen um die ganze Welt geführt, er sammelt Artefakte, Geräte, Zeichnungen, „ich sauge Tattoogeschichte auf.“ Der nächste Coup steht bereits bevor. Im Sommer 2019 werden seine Schätze im Rahmen einer Ausstellungsreihe über Aachener Sammler im Stadtmuseum Centre Charlemagne zu sehen sein. Bis dahin ist fleißig sortieren angesagt, „ich fange lieber mal zeitig an“, sagt Coenen lächelnd. Und auch die Planung für die vierte Auflage der Messe soll eigentlich schon am Montag beginnen.

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