Mit Antrag gescheitert: Tagespflegemutter mit Einschränkung

Mit Antrag gescheitert : Tagespflegemutter mit Einschränkung

Als Juliane Z. (Name geändert) vor ein paar Jahren zur Tagespflegemutter umschulte, durfte sie bis zu fünf Kinder betreuen. Das genehmigte ihr damals das zuständige Aachener Jugendamt. Fünf Kinder ist die maximale Zahl, die das Sozialgesetzbuch vorsieht.

Diese Genehmigung hat das Amt widerrufen, als die Bedenken zu groß wurden. Eine komplette fehlende Eignung macht das Jugendamt allerdings nicht aus. Es erlaubt der 63-Jährigen weiterhin die Tagespflege von bis zu drei Kindern. Die entsprechende Erlaubnis wurde bereits Mitte 2014 erteilt und gilt immer für fünf Jahre – sofern keine gravierenden Aspekte dagegen sprechen. Drei Kinder sollten die Obergrenze sein, mehr Kinder würden die Frau überfordern – glaubt das Jugendamt.

Dagegen klagte die Tagesmutter vor dem Aachener Verwaltungsgericht, sie möchte wieder bis zu fünf Kinder betreuen. Für sie sei die Reduzierung „existenzgefährdend“, führte sie aus.

Um die Vermittlung von Tagespflegekindern kümmert sich im Auftrag des Jugendamts der Verein „Familiäre Tagesbetreuung“ (FTB). Eine Mitarbeiterin hatte der Aufsichtsbehörde schon vor fünf Jahren die Beschwerde einer Mutter mitgeteilt, wonach die Tagesmutter ihr Kind ins Gesicht geschlagen habe. Der Vorfall führte dazu, dass Juliane Z. fortan unter intensiverer Beobachtung von FTB und Jugendamt stand. Sie musste an mehreren zusätzlichen Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, es gab zahlreiche – auch unangekündigte – Hausbesuche und Gesprächstermine.

Irgendwann zog die FTB ihr Fazit, das lautete: Juliane Z. sei mit der Betreuung von mehr als drei Kindern massiv überfordert. Mal wurde beobachtet, dass ein Kind alleine in den Aufzug im Haus lief, mal fiel eine schwere Kellertür unkontrolliert zu, ohne dass auf die Kinder geachtet wurde. Sicherheitsstandards oder hygienische Anforderungen seien nicht eingehalten worden, so steht es in den Akten. Augenzeugenberichte vor Gericht waren nicht möglich, die FTB-Mitarbeiterinnen hatten krankheitsbedingt abgesagt.

Sie hätten von den Gesprächen bei ihren Hausbesuchen erzählen können. Diese seien häufig distanzlos, laut und aggressiv verlaufen, hatten sie festgehalten. „Sie kann mit Kontrolle nicht gut umgehen.“ In Stresssituationen sei Juliane Z. nicht ausreichend belastbar. Auch eine Vertreterin des Jugendamts beschrieb jahrelange Kommunikationsprobleme, „dabei sind wir auf eine Zusammenarbeit angewiesen“.

Die durchaus resolut auftretende Juliane Z. dagegen empfand solche Kontakte als „Mobbing“. Sie bestritt nicht nur den Schlag ins Gesicht eines Kindes, sie beklagte auch Vorverurteilungen. „Meine Aufsicht ist angemessen, alle Anforderungen und Auflagen werden erfüllt.“ Das Verhältnis zum FTB schildert sie vom ersten Tag an als mindestens schwierig.

Die Kammer räumte Z.s Antrag kaum Erfolgsaussichten ein. Vielmehr schlug Richterin Claudia Beusch vor, die 63-Jährige solle das nächste halbe Jahr nutzen, ihr Verhältnis zum FTB und zum Jugendamt zu „beruhigen, sonst laufen Sie Gefahr, dass man Ihnen die Erlaubnis zur Tagespflege nicht mehr erteilt“. Es war ein Appell, kein Urteil. Am Ende flossen Tränen, die Pflegemutter zog ihren Antrag zurück. Die Chancen, dass sich die Zusammenarbeit mit dem FTB verbessere, stufte sie als „ziemlich gering“ ein.

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