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Kerpen/Düren: Tagebau Hambach: Großzügige Unterführung für geschützte Tiere

Kerpen/Düren : Tagebau Hambach: Großzügige Unterführung für geschützte Tiere

Unermüdlich fressen sich die riesigen Braunkohlebagger ins Erdreich. Der Tagebau Hambach schreitet immer weiter voran. Menschen und Natur stehen dem unersättlichen Energiehunger sprichwörtlich im Wege, müssen mitsamt ihrer Dörfer umgesiedelt oder gerodet werden.

Was zuletzt im ökologisch wertvollen Hambacher Forst Umweltschützer auf den Plan rief, um die Bäume vor dem Abholzen zu bewahren. Die Besetzung und Räumung des Protestcamps sind passé. Und RWE Power, der Bergbautreibende, will alles tun, um solches künftig Handeln zu unterbinden.

Wer die Autobahn 4 bei Buir verlässt, sieht sich nun einer martialisch anmutenden Absperrung mit hohen Zäunen und jeder Menge Sicherheitspersonal in leuchtenden Schutzjacken gegenüber: Da kommt niemand Ungebetenes mehr durch.

Nach der gerade erst wiederholten Kritik der Ökologen, die Maßnahmen von RWE und der Behörden seien „Willkür“ gewesen, keilte der Energieriese am Mittwoch zurück: „Es kann nicht sein, dass das Recht auf Demonstrationsfreiheit und freie Meinungsäußerung für illegale Aktionen wie die Besetzung des Hambacher Forstes missbraucht wird“, reagierte Lars Kulik, Leiter Braunkohleplanung und -entwicklung bei RWE Power, bei eigentlich festlicher Gelegenheit. Denn es galt, auf RWE-Einladung ein anerkannt gutes Werk für den Naturschutz zu würdigen: Im Zuge der Verlegung der A 4 zwischen Düren und Kerpen, die der Tagebau erzwingt, wurde die bauliche Fertigstellung einer „Grünunterführung“ gefeiert. Die soll insbesondere geschützten Fledermäusen, aber auch anderen Wildtieren, ein gefahrloses Queren der gleichfalls neuzubauenden Trasse der Bundesstraße 477 bei Kerpen-Dorsfeld ermöglichen. Rund 700.000 Euro lässt sich RWE allein dieses solide aus Beton gegossene Bauwerk — zehn Meter breit und 4,50 Meter hoch — kosten, listete Kerpens Bürgermeisterin Marlies Sieburg (SPD) bei der Freigabe auf. Dabei betonte sie auch, dass diese Maßnahme den zuletzt häufig zu beklagenden Wildunfällen wirksam vorbeugen werde. Die Kommunalpolitiker der Stadt und Umweltschutzverbände hatten massiv auf die Realisierung der Grünunterführung gedrängt.

Zum Ökologie-Gesamtkonzept gehört auch der Bau einer „Grünbrücke“ in der Nähe der Unterführung, mit dem die Tiere problemlos die neue A 4 überqueren können. Und hohe Holzwände sorgen dafür, dass die sich mit Ultraschall orientierenden Fledermäuse anschließend den Durchlass unter der B 477 „finden“ und nicht darüber hinweg fliegen. Zudem werden Wildschutzzäune installiert und natürliche „Leitstrukturen“ — sprich: Bäume — gepflanzt.