Aachen/Eschweiler: Supermarkträuber erhält lange Strafen

Aachen/Eschweiler: Supermarkträuber erhält lange Strafen

Der Lieferwagen war seine einzige Möglichkeit zur Flucht, und als der Tag gekommen war, ergriff Pascal V. (21) seine Chance. Am 4. Mai 2016 warf er sich vom Anstaltspersonal unbemerkt unter den Lieferwagen, der die Wäsche aus der JVA Heinsberg zu einer Wäscherei transportiert, klemmte sich zwischen zwei Stangen neben dem Ersatzrad und entkam so seinem Gefängnis.

Einmal in Freiheit, tat er das, was ihn überhaupt erst ins Gefängnis gebracht hatte: Er überfiel einen Supermarkt. Mit einem Machetenähnlichen Messer in der Hand erbeutete er 600 Euro, erst Tage später wurde er in Eschweiler gefasst, in einer Pension, in der er sich unter seinem echten Namen angemeldet hatte.

Am Montag nun wurde Pascal V. erneut verurteilt, zu dreieinhalb Jahren Haft. Auch als Pascal V. aus dem Gefängnis geflohen war, lief ein Prozess gegen ihn. Im Mai stand er vor der 6. Jugendkammer des Aachener Landgerichts wegen sechsfacher schwerer räuberischer Erpressung. Er hatte sechs Supermärkte unter anderem in Stolberg und Würselen überfallen, des Weiteren den Rewe-Markt in seiner Heimatstadt Eschweiler, den er später auf seiner Flucht erneut überfiel. Während dieses ersten Prozesses im Mai saß Pascal V. in Heinsberg in Untersuchungshaft.

Nach seiner Ergreifung konnte der Prozess zu Ende geführt werden, Pascal V. erhielt drei Jahre und zehn Monate Jugendhaft. Der zweite, am Montag zu Ende gegangene Prozess fand nach Erwachsenen-Strafrecht statt, die dreieinhalb Jahre werden an die erste Haftstrafe angehängt. Insgesamt muss Pascal V. also sechs Jahre und vier Monate Haft verbüßen. „Straftaten während eines Prozesses sind absolut strafschärfend!“, sagte am Montag Richter Daniel Kurth.

Seine Flucht aus der JVA Heinsberg hatte auch den Rechtsausschuss des Landtages beschäftigt. Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hatte unter anderem berichtet, dass sehr wahrscheinlich mehrere Dienstpflichtverletzungen des Personals in der JVA Heinsberg die Flucht von Pascal V. begünstigt hätten.