Die Suche nach erneuerbaren Energien: Südlimburg treibt Energiewende voran

Die Suche nach erneuerbaren Energien : Südlimburg treibt Energiewende voran

Im Königreich der Niederlande wird das Thema Klimawandel zunehmend ein Thema. Die Regierung gibt die Ziele vor, und landesweit wird daran gearbeitet, von fossilen Energien abzukommen. Bis 2050 etwa soll der Gashahn ganz zugedreht werden.

Das klingt zwar noch weit entfernt, aber vielerorts gibt es zahlreiche Initiativen, um neue Methoden, die Klima und Menschen schützen sollen, möglichst rasch umzusetzen. So will man in der Provinz Limburg Wasser aus den stillgelegten Kohlebergwerken zur großflächigen Heizung von Wohnungen nutzen, in der Umgebung des großen Chemiekomplexes in Sittard-Geleen soll die vorhandene Abwärme ebenfalls zur Gebäudeerwärmung verwendet werden.

Zwei Projekte, die teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft im Dreiländereck verwirklicht werden, stechen dabei heraus. So haben viele Bauern in Süd-Limburg das Problem, dass sie große Dächer aus ihren Scheunen und Ställen erneuern müssen, weil sie Asbest enthalten. Dieser verschleißfeste und hitzebeständige Mineralstoff wurde bis in die 1980er Jahre mannigfaltig verbaut, bis er als krankheitserregend identifiziert und schließlich verboten wurde. Bis 2024, so hat die Provinz Limburg verfügt, muss Asbest von den Dächern im Grenzgebiet zu Deutschland und Belgien verschwunden sein. Ein Beschluss, der vor allem Landwirte trifft, weil sie dafür fünf- bis sechsstellige Beträge aufwenden müssten. Ein eigens bereitgestellter Subventionstopf war schnell geleert.

Nun tritt der Energieerzeuger Essent auf den Plan. Er bietet Landwirten oder Besitzern anderer großer Gebäude an, das asbesthaltige Dach auf eigene Kosten zu entsorgen. Auf dem neuen Dach darf Essent dann 20 Jahre lang Sonnenenergie erzeugen, anschließend geht die Anlage in den Besitz des ursprünglichen Eigentümers über. Immerhin gibt es auf die Solarpaneele eine Garantie von 25 Jahren. Also: Die Unternehmer bekommen ein kostenloses Dach, Essent eine dezentrale Energieversorgung, die umliegenden Ortschaften grünen Strom. Ein Reitsportzentrum in Beek mit 4800 Quadratmetern Dachfläche hat den Anfang gemacht, die Kosten dafür betrugen 170.000 Euro. 2019 will Essent so 75.000 Solarpaneele auf die Dächer bringen, so sollen 7500 Haushalte mit Strom versorgt werden. In den Niederlanden könnten 1,7 Millionen Sonnenmodule auf asbesthaltige Dächer montiert werden.

Geburtsort von Heintje ist sparsam mit Wasser

Der Kerkradener Ortsteil Bleijerheide, bisher vor allem bekannt als Geburtsort des Schlagersängers Hein Simons alias Heintje, schickt sich mit dem Projekt „Superlocal“ an, für den sorgsamen Umgang mit Wasser zu stehen: Vier sehr alte Hochhäuser werden abgerissen, an ihre Stelle sollen ein größeres Wohngebäude mit 113 Appartments sowie 20 Häuser treten. Das Abbruchmaterial soll beim Neubau so weit wie möglich wiederverwendet werden. Außerdem soll ein geschlossener Wasserkreislauf angelegt werden, der sich aus Regenwasser speist.

Der Niederschlag wird aufgefangen und sichtbar in ein unterirdisches Bassin geleitet, wo es biologisch aufbereitet wird. Anschließend kommt es bei den Bewohnern aus dem Wasserhahn, wird dann aus der Dusche oder Waschmaschine wieder aufgefangen und noch einmal gereinigt, wonach es immer noch für die Waschanlage geeignet ist.

Die klassischen Toiletten werden durch Vakuum-WCs ersetzt, wie sie in Flugzeugen gebräuchlich sind. In jeder Küche wird ein Lebensmittelzerkleinerer installiert, die gesamten Abfälle sollen als Grundstoff für Biogas und Biodünger dienen, der dann verkauft werden soll. Der Abwasserkanal braucht gar nicht mehr oder kaum noch genutzt zu werden und kann entsprechend kleiner ausfallen. Sollte alles klappen, sinkt der Wasserverbrauch deutlich, ebenso die Gefahr von Überschwemmungen in der Siedlung.

Das teure Experiment, für das es nach Darstellung niederländischer Medien schon vor der Verwirklichung Innovationsauszeichnungen gegeben hat, erfordert Millioneninvestitionen, Geld gibt es unter anderem von der EU. Die Bezeichnung kostbares Nass bekäme dann eine ganz neue Bedeutung.

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