Abgedeckte Dächer, gesperrte Bahnstrecken: Sturm „Eberhard“ wütet in der gesamten Region

Abgedeckte Dächer, gesperrte Bahnstrecken : Sturm „Eberhard“ wütet in der gesamten Region

Umgestürzte Bäume, blockierte Bahnstrecken, beschädigte Häuser: Zwei Sturmtiefs haben in Nordrhein-Westfalen am Wochenende für Hunderte Feuerwehreinsätze, Probleme im Bahnverkehr und Straßensperrungen gesorgt. Die Auswirkungen sind auch noch am Montag spürbar.

Am Samstag erst fegte Sturmtief „Dragi“ über weite Teile Deutschlands, am Sonntag kam dann „Eberhard“: Die herausgegebene Unwetterwarnung der Stufe drei (von vier) für die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren und Heinsberg galt von 14 bis 20 Uhr.

Zugverkehr rollt langsam wieder an

„Eberhard“ traf am Sonntagnachmittag zunächst den Westen Nordrhein-Westfalens. Bei Aachen stürzten an drei Stellen Bäume auf die Schienen und blockierten den Zugverkehr, die Strecke zwischen Aachen und Mönchengladbach war mehrere Stunden lang blockiert.

Am Sonntagachmittag dann gab die Deutsche Bahn bekannt: Aufgrund der zahlreichen Sturmschäden wurde der Zugverkehr in NRW zunächst eingestellt, alle Züge wurden am nächsten Bahnhof gestoppt. Die Deutsche Bahn wollte den Zugverkehr bei S-Bahnen und im Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen am Sonntag nicht wieder aufnehmen. Auch im Fernverkehr seien lediglich einzelne Fahrten möglich, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag.

Am Montagmorgen rollte der Zugverkehr in NRW wieder an. Vereinzelt kam es jedoch zu Beeinträchtigungen. So blieb die Zugstrecke der Regionalbahn 33 zwischen Aachen und Mönchengladbach in den frühen Morgenstunden gesperrt, ehe gegen 9 Uhr alle Reste des Unwetters von der Zugstrecke beseitigt worden waren.

Probleme auch auf der Autobahn

Auch die Autobahnen waren betroffen: Rund um Aachen stürzten Äste auf die Autobahnen 4 und 44. Die Autobahn 44 zwischen Alsdorf und Broichweiden war am Nachmittag für längere Zeit nur einspurig befahrbar. Grund waren laut Feuerwehr Holzstämme, die nach vergangenen Baumfällarbeiten am Fahrbahnrand „geparkt“ wurden, und durch den kräftigen Wind zum Teil auf die Autobahn rollten.

Im Berufsverkehr am Montagmorgen bildeten sich bis 07.45 Uhr Staus von rund 420 Kilometern Länge, wie der WDR berichtete. Auf der A44 zwischen Aldenhoven und Broichweiden in Richtung Aachen staute sich der Verkehr zwischenzeitlich um mehr als 11 Kilometer.

Abgedeckt: In Düren hat Sturmtief „Eberhard“ das Dach eines Mehrfamilienhauses zerstört. Foto: ZVA/Jörg Abels

Einsätze in der Region

Die Stolberger Feuerwehr musste aufgrund des Sturms bereits am Samstagnachmittag zu etlichen Einsätzen ausrücken. Foto: Feuerwehr Stolberg

An der Blücherstraße in Düren riss der Sturm rund 300 Quadratmeter Dachhaut von einem Mehrfamilienhaus, das derzeit saniert wird und daher unbewohnt ist. Das Dach begrub einen Pkw und eine Laterne unter sich. Die Feuerwehr konnte das herabgestürzte Dach nur sichern, beseitigt werden sollen die Trümmer erst am Montag. „Es wäre viel zu gefährlich gewesen, es sofort zu entfernen“, erklärte Dürens Feuerwehrchef Johannes Rothkranz. „Die Teile würden uns um die Ohren fliegen.“

In Würselen rief eine Reklametafel Feuerwehr und Polizei auf den Plan. Foto: dmp-press/Ralf Roeger

Etliche Einsätze haben auch die Feuerwehr der Stadt Stolberg auf Trab gehalten. Hier mussten etwa entwurzelte Bäume geräumt werden, die die Fischbachstraße zwischen Vicht und Schevenhütte komplett versperrten.

Im Nordkreis waren am Sonntag insgesamt 300 Einsätzkräfte sturmbedingt unterwegs. In Würselen hatte der Sturm eine Photovoltaikanlage losgerissen, die daraufhin auf eine Werbetafel gestürzt war - die Feuerwehr musste zur Räumung anrücken. Aufgrund der Sturmwarnung hatte das Freizeitbad Aquana zudem gegen Mittag entschieden, vorsorglich zu schließen. Nachdem sich eine Platte an der Dachabdeckung gelöst und auf das Gelände geweht worden war, wurden die Badegäste gebeten, nach Hause zu gehen.

Die Feuerwehr in Alsdorf forderte die Bevölkerung über Facebook auf „den Aufenthalt im Freien bis zum Abend zu meiden“, um sich selbst nicht zu gefährden. Am späten Nachmittag musste in Alsdorf der komplette Denkmalplatz gesperrt werden. Das Dach der dort ansässigen Bankfiliale drohte, sich zu lösen.

In Eschweiler stürzten sturmbedingt mehrere Bäume um - etwa wie hier auf der Eifelstraße. Foto: Irmgard Röhseler

In Herzogenrath mussten lose Dachziegel und beschädigte Dächer gesichert werden. In Kohlscheid-Bank war ein Baum auf ein Haus gestürzt. In der Thiergartenstraße in Herzogenrath hatte der Sturm eine Photovoltaikanlage vom Dach geweht. Verletzt wurde niemand.

In Aachen hat die Feuerwehr bis Sonntagabend rund 120 Einsätze gefahren. Die Aachener Polizei rückte bis 21 Uhr zu 286 Einsätzen aus. An der Trierer Straße, im Bereich zwischen der Einmündung Schönrathstraße und der Kreuzung Madrider Ring/Adenauerallee, zerrte der Sturm derart heftig an einer Hausfassade, dass große Teile herausbrachen und teils auf den Gehweg stürzten. Die Trierer Straße musste teilweise komplett gesperrt werden. Auch die Oppenhoffallee musste ab der Einmündung Viktoriastraße kurzzeitig gesperrt werden, nachdem dort Baumteile auf die Fahrbahn gestürzt waren.

In der Nordeifel kam es am Montagmorgen unter anderem wegen eines liegen gebliebenen Lastkraftwagens zu teils erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.

In Eschweiler hatte die Feuerwehr es unter anderem mit umgestürzten Bäumen zu tun, die Eifelstraße war aufgrund eines umgestürzten Baumes während der Räumungsarbeiten zunächst nicht befahrbar.

Im Kreis Heinsberg fuhren die Feuerwehren über 300 Einsätze. Zwei Verletzte forderte der Sturm dort etwa in Hückelhoven-Hilfarth. Sie waren von einer umstürzenden Mauer und von Dachziegeln getroffen worden und mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Auf der neutralen Straße in Gangelt-Hohenbusch stürzte ein großer Ast auf einen fahrendes Auto. Die Insassen konnten unverletzt aus dem Wagen aussteigen.

Probleme an den NRW-Flughäfen

Wegen der heftigen Böen mussten zwei Flugzeuge nach Köln/Bonn einen anderen Airport ansteuern. Eine Passagiermaschine sei nach Münster umgeleitet worden, eine Frachtmaschine nach Hamburg, sagte ein Sprecher am Sonntag. Einige weitere Flugzeuge seien beim Anflug durchgestartet und später sicher gelandet.

Am Flughafen Düsseldorf lief der Betrieb normal. Passagiere an Bord würden aber sicherlich etwas mehr durchgeschüttelt als sonst, sagte ein Sprecher. Dort verläuft die Start- und Landebahn in West-Ost-Richtung - und damit genau in der Windrichtung von Sturm „Eberhard“. Probleme bekämen Flugzeuge aber vor allem, wenn der Wind von der Seite komme, sagte der Sprecher.

Ein Toter im Hochsauerlandkreis

Ein Autofahrer starb bei Bestwig im Hochsauerlandkreis, als ein entwurzelter Baum während der Fahrt auf sein Auto fiel. Für den 47-Jährigen sei jede Hilfe zu spät gekommen, teilte die Polizei am Sonntag mit.

In Bochum habe ein Baum eine Feuerwehrfrau getroffen, teilten ihre Kameraden mit. Die Einsatzkräfte seien gerade damit beschäftigt gewesen, einen umgestürzten Baum zu zersägen, als ein weiterer Baum umfiel. Die Frau sei aber nur leicht verletzt.

In Köln mussten Einsatzkräfte eine eingeklemmte Person unter einem umgestürzten Baum befreien. Der Rettungsdienst habe den Verunglückten dann übernommen, teilte die Stadt mit.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Eberhard“ hinterlässt zahlreiche Sturmschäden in der Region

(red/dpa)
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