Aachen/Berlin: „Stunde der Wintervögel”: Große Zählaktion läuft wieder

Aachen/Berlin: „Stunde der Wintervögel”: Große Zählaktion läuft wieder

Ab Samstag schlägt wieder die „Stunde der Wintervögel“ — und damit beginnt die größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands. Zum vierten Mal machen sich von Freitag an Garten- und Balkonbesitzer daran, die Vögel zu zählen.

Seit der Bund für Naturschutz (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) am ersten Januarwochenende 2011 zum ersten Mal die Bevölkerung dazu aufriefen, die Vögel in ihrem Garten zu zählen, ist die gemeinsame Wintervogelzählung Anfang Januar zu einem Selbstläufer bei allen Naturfreunden geworden.

Allein in unserer Region nahmen im vergangenen Jahr 906 Vogelfreunde an der Aktion teil, es trafen Meldungen aus 650 Gärten zwischen Monschau und Erkelenz ein. Insgesamt wurden dort 24 852 Vögel gezählt. Anders als der bundes- und landesweite Sieger, die Kohlmeise, hatte bei uns der Spatz (Haussperling) den Schnabel vorn und führte die Liste knapp vor der Kohlmeise an. Eine regionale Besonderheit, die dem ländlichen Raum geschuldet ist. Landete in der Städteregion und der Stadt Aachen die Kohlmeise auf dem ersten Platz, war es in den Kreisen Düren und Heinsberg der Spatz. Die Gründe nennt Bernd Jellinghaus, Ornithologe im Fachausschuss NRW beim Nabu: Der Spatz liebt auch im Winter das freie Feld, die Meise lässt sich gerne stadtnah mit Sonnenblumenkernen durchfüttern.

Im Vorjahr hatten trotz wenig winterlichen Schmuddelwetters bundesweit fast 93.000 Vogelfreunde an der Aktion teilgenommen. Insgesamt gingen Meldungen aus mehr als 63.000 Gärten und Parks mit mehr als 2,7 Millionen Vögeln ein. Allein in Nordrhein-Westfalen beteiligten sich über 16.000 Menschen an der Zählaktion — fast doppelt so viel wie 2012 — und meldeten rund 435.000 landesweite Beobachtungen. Im Mittelpunkt der Aktion stehen die vertrauten und oft weit verbreiteten Vogelarten. Wo kommen sie vor, wo sind sie häufig und wo selten geworden, wie wirkt sich der Klimawandel auf die Wintervögel aus? Je genauer Experten über solche Fragen Bescheid wissen, desto besser können sie sich für den Schutz der Vögel stark machen.

Vogelwelt in Städten und Dörfern

Ziel der Aktion ist es, ein sowohl deutschlandweites als auch regional möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in Städten und Dörfern zu erhalten. Dabei geht es nicht um exakte Bestandszahlen aller Vögel, sondern vielmehr darum, Häufigkeiten und Trends von Populationen zu ermitteln. Damit dies repräsentativ ist, sollen die Populationsdaten über mehrere Jahre verglichen werden. So werden neue Kenntnisse zur Entwicklung einzelner Vogelarten sowie zu regionalen Unterschieden gewonnen.

Es stehen jene Piepmätze im Blickpunkt, die auch bei Schnee und Kälte hierzulande ausharren: Amsel und Fink, Meise und Spatz. Ornithologen bezeichnen sie als „Standvögel“, die das ganze Jahr über bei uns bleiben. Zusätzlich lassen sich aber auch Wintergäste beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen. Bei Nahrungsengpässen tauchen in manchen Wintern auch Invasionsvögel wie Seidenschwanz, Erlenzeisig oder Bergfink auf. In diesem Jahr lohnt sich auch ein Blick auf den Vogel des Jahres: den Grünspecht. Er bleibt nämlich im Winter hier und ist dann regelmäßig auch in Gärten und Parks zu finden. Bei der letzten Aktion wurde er immerhin in sieben Prozent der Gärten gesichtet und landete damit nur knapp hinter Stieglitz, Bergfink und Heckenbraunel­le. Übersehen lässt sich der farbenprächtige und taubengroße Grünspecht kaum. Er wird aber nur ausnahmsweise ans Futterhäuschen kommen, als Ameisenspezialist sucht er auf dem Boden nach Nahrung.

Und so funktioniert die Teilnahme an der „Stunde der Wintervögel“: Sie beobachten die gefiederten Freunde in Ihrem Garten, auf Ihrem Balkon oder in einem Park und melden, was Sie innerhalb einer Stunde entdeckt haben. Notieren Sie von jeder Art die höchste Anzahl der Vögel, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen waren. Je mehr Naturfreunde an der Aktion teilnehmen, desto wertvoller werden die Ergebnisse.

Telefonische Meldungen nimmt der Nabu am 4. und 5. Januar von 10 bis 18 Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1157115 direkt entgegen.

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