Düsseldorf: Studie: Inklusion „mangelhaft“

Düsseldorf: Studie: Inklusion „mangelhaft“

Eine Mehrheit der Lehrer in NRW hält Inklusion für sinnvoll, aber nicht in der jetzigen Form. Kritisiert wird vor allem fehlendes Fachpersonal. Außerdem bemängeln Lehrer in NRW, dass nur elf Prozent der Schulen komplett barrierefrei seien.

Das geht aus einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Forsa-Studie im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hervor.

Trotz der schlechten Bedingungen sprechen sich bundesweit 54, in NRW sogar 60Prozent der befragten Lehrer für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern aus. Die Personalausstattung ist für den VBE aber schlicht „mangelhaft“. Mehr als 89 Prozent der Lehrer in NRW sagen laut der Forsa-Umfrage klar, dass eine Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge in inklusiven Lerngruppen zwingend notwendig ist — und zwar konstant. „Inklusion wird nicht gelingen, wenn die Lehrkraft alleine, ohne Unterstützung durch weitere Professionen und nicht ausreichend fortgebildet, in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen unterrichten muss“, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag. Die repräsentativen Ergebnisse belegten aber erneut, dass genau das nach wie vor die Realität an Schulen ist, sagte Beckmann auf Anfrage unserer Zeitung.

Der VBE fordert, die Doppelbesetzung und die Unterstützung durch sogenannte multiprofessionelle Teams. Allein in NRW fehlten aber 7000 Sonderpädagogen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW unterstützt diese Forderungen. „Die neue Landesregierung muss kräftig investieren“, sagte die GEW-NRW-Vorsitzende Dorothea Schäfer.

56 Prozent der Lehrer in NRW sprechen sich dafür aus, alle Förderschulen beizubehalten. Die schwarz-gelbe Landesregierung werde vor den Ferien die weitere Auflösung von Förderschulen für Kinder mit Behinderungen stoppen, hatten die Wahlsieger schon angekündigt. „Die VBE-Umfrage unter Lehrkräften unterstreicht erneut nachdrücklich, in welch hohem Maße die Inklusion von Rot-Grün überstürzt und ohne notwendige qualitative Leitplanken umgesetzt wurde“, sagte Yvonne Gebauer, bildungspolitische Sprecherin der FDP.

Für die Umfrage „Inklusion an Schulen aus Sicht der Lehrkräfte in Deutschland — Meinungen, Einstellungen, Erfahrungen“ wurden 2050 Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen befragt, davon 501 in NRW, von denen 251 selbst in inklusiven Klassen unterrichten.

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