Aachen: Strukturreform soll Region für die Zukunft stärken

Aachen: Strukturreform soll Region für die Zukunft stärken

Es war ein einstimmiger Beschluss, und er könnte weitreichende Konsequenzen für die Schlagkraft der Region haben: Fast 50 Vertreter aus Politik, Verwaltungen und Kammern haben am Mittwochabend die Signale auf eine Neuausrichtung der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) und des Vereins Regio Aachen gestellt.

Konkret empfehlen sie den Gremien, den Regio Aachen e.V. in einen Zweckverband umzuwandeln und die Agit „wirtschaftsnah und mit konkreten Zielvorstellungen neu aufzustellen”. Will heißen: Sie soll sich stärker auf ihr Kerngeschäft Wirtschaftsförderung konzentrieren und sich am Erfolg messen lassen.

Die Weichen sind gestellt

Seit langem schon wird viel debattiert über eine strategische Positionierung der Region zwischen den rheinischen Zentren Düsseldorf und Köln (Stichwort Metropolregion Rheinland) auf der einen Seite und Belgien und den Niederlanden auf der anderen. Der Tenor: Die Region ist in der Defensive, es fehlt eine aussagekräftige „Marke”, es mangelt aber auch an Effektivität und Zusammenhalt.

Damit sich das ändert, sollen der Aufsichtsrat der Agit und der Regiovorstand und die Regionalkonferenz für den Verein Regio Aachen im Januar die Weichen stellen. Im Laufe des Jahres sollen dann „Inhalte und Strukturen konkretisiert und umgesetzt werden”, wie es in einer von Industrie- und Handelskammer Aachen herausgegebenen Mitteilung am Donnerstagabend hieß.

Grundlage ist eine Analyse des Beratungsbüros Dr. Heuser AG Dortmund, das auf diesem Gebiet schon viel Erfahrung gesammelt hat. Sie wurde von einer Arbeitsgemeinschaft „Regionale Strukturreform” gesichtet. Eine erste Konsequenz ist schon seit längerem sichtbar: Die Regio Aachen ist inzwischen im Technologiezentrum am Europlatz in Aachen untergebracht und damit räumlich eng mit der Agit verbunden.

Mit der Auflösung der Vereinsform und der Umwandlung in einen Zweckverband, also in einem Zusammenschluss auf der Grundlage eines Gesetzes und/oder eines öffentlich-rechtlichen Vertrages, bekommt die Regio - und damit auch die dort vertretene Politik - größeren Einfluss. Gegründet wird dieser Zweckverband von den fünf Gebietskörperschaften der Region (Stadt Aachen, Städteregion Aachen, die Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen), er soll weiteren Partner allerdings offen stehen. Die „neue” Regio Aachen soll sich nicht mehr „nur” auf die Förderung grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Euregio Maas-Rhein beschränken, sondern als „politisch-strategische Plattform” in und für die Region agieren. Dazu sollen das überregionale Marketing der Region gehören, die Bündelung der Kräfte in den überregionalen Verflechtungen wie der Metropolregion oder der Innovationsregion Rheinisches Revier oder auch die Koordination bei der Einwerbung von Interreg-Fördermitteln. Eine große Fülle an neuen Zuständigkeiten.

Eine herausragende Funktion soll in dem Zweckverband, der auch den Wildwuchs verschiedener Institutionen eindämmen soll, die heutige Vorsitzende des Vereins Regio Aachen, die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken, wahrnehmen. Sie soll die Region Aachen auch weiterhin in der Euregio Maas-Rhein repräsentieren. Der Verbandsvorsteher könnte hingegen, so der Vorschlag, aus den Reihen der Hauptverwaltungsbeamten im Rotationsverfahren gestellt werden. Aber das muss, wie viele andere Details auch, noch geklärt und abgestimmt werden. Da wartet noch viel Kleinarbeit. Der am Donnerstag gefasste Beschluss ist allerdings ein klares Signal.

Und die Agit? Sie soll sich in ihrer Arbeit an Zielvorgaben messen lassen, die von der Politik formuliert werden. Der Zweckverband soll auch hier einigen Einfluss erhalten. Für die Agit bedeutet das Konzentration auf die operative Wirtschaftsförderung - unter stärkerer Einbindung der regionalen Wirtschaft und der Hochschulen.