Jahresbilanz des Arbeitsgerichts Aachen: Streitparteien einigen sich häufiger einvernehmlich

Jahresbilanz des Arbeitsgerichts Aachen : Streitparteien einigen sich häufiger einvernehmlich

Darf eine Pflegehilfskraft, die in einem Altenheim beschäftigt ist, mit langen Fingernägeln und einem schicken Nageldesign den Dienst versehen? Oder darf ein Angestellter einer Gartenbaufirma einfach den Aufstieg in eine Baumkrone verweigern, wenn sein Arbeitskollege, der ihn sichern soll, eine Alkoholfahne hat?

Für ein Urteil im klassischen Sinne zugunsten der einen oder der anderen Seite ist das Arbeitsgericht unter Direktor Klaus Brondics zuständig. Auf der Jahrespresskonferenz bekräftigte Brondics eine Tendenz, die dieses Gericht von allen anderen Gerichtsbarkeiten unterscheidet: Knapp zwei Drittel der Fälle wurden auch 2018 wieder mit einem Vergleich der Streitparteien beendet, genau 63,1 Prozent der Streithähne beendeten einvernehmlich ihre Meinungsverschiedenheiten. Das waren 2017 mit 64,9 und 2016 mit knapp 70 Prozent sogar noch bessere Zahlen. „Es sind nur etwas über fünf Prozent“, erläuterte Direktor Brondics, „die bei uns in streitigen Urteilen entschieden werden“. Die Eingangszahlen zwischen Heinsberg, Aachen und Düren schwanken um 4300 neue Fälle pro Jahr.

Im zweiten eingangs erwähnten Fall verweigerte der Betreffende den Aufstieg und bekam prompt eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung ins Haus, der Gartenbauer wehrte sich mit einer Klage gegen seinen Chef. Beide Fälle sind aktuell beim Aachener Arbeitsgericht anhängig und in beiden Fällen gibt es bislang noch keine Entscheidung.

Neues Angebot: Mediationsverfahren

Mit Richterin Teresa Schwarz hat das Arbeitsgericht sozusagen eine neue Linie im Angebot: Richterin Schwarz bietet ein Mediationsverfahren an, das weniger die rechtliche als die „emotionale Ebene“ (Schwarz) der Auseinandersetzungen auf dem Arbeitsmarkt bearbeitet.

Ab Juli 2019 wird auch im Arbeitsgericht „die Akte“ eine andere Konsistenz annehmen. Dann kommt die elektronische Akte. Laptop oder I-Pad werden nach und nach die Leitzhefter vom Richtertisch verbannen.