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Anlage im Kreis Kleve: Steuerschaden von vielen Millionen durch illegale Zigarettenfabrik

Anlage im Kreis Kleve : Steuerschaden von vielen Millionen durch illegale Zigarettenfabrik

Mit einer der größten illegalen Zigarettenfabriken in Deutschland soll eine Gruppe Krimineller den Staat um viele Millionen Euro Steuern betrogen haben.

Ermittler hoben die Anlage im Ort Kranenburg im Kreis Kleve in der vergangenen Woche aus, wie Zoll und Staatsanwaltschaft am Dienstag in Köln berichteten. Nach ersten Hochrechnungen seien in der hochprofessionell betriebenen Produktionsstätte ungefähr 10 Millionen Zigaretten pro Woche hergestellt worden - allein der wöchentliche geschätzte deutsche Tabaksteuerschaden belaufe sich daher auf rund 1,5 Millionen Euro. Womöglich lief die Produktion, die vor allem für den britischen Schwarzmarkt gedacht war, bereits seit Ende 2016.

Der Hinweis auf die geheime Fabrik in einer Halle kam den Angaben zufolge über polnische Behörden an den Niederrhein. Zwölf Männer aus Polen und der Ukraine wurden bei dem Einsatz, an dem auch eine Spezialeinheit des Zolls beteiligt war, festgenommen. Der Zugriff geschah im laufenden Betrieb. Die Fahnder entdeckten nicht nur mehrere Millionen fertig produzierter Zigaretten, sondern auch die Maschine, mit denen sie hergestellt worden waren. Sie sei mindestens 25 Jahre alt gewesen, sagte Holger Gießelmann vom Zollfahndungsamt Essen. „Aber durchaus äußerst funktionsfähig.“ Die mutmaßlichen Täter hätten sich während ihrer Arbeit stets sehr diszipliniert verhalten, um nicht aufzufallen. Sie hätten das Gelände immer nur für kurze Zeit verlassen und Lastwagen sehr schnell be- und entladen.

Weil Zigaretten in Großbritannien sehr teuer seien, sei der dortige Schwarzmarkt lukrativ. Der Herstellungspreis für ein Stange liege bei drei bis fünf Euro, sagte Gießelmann. „Der Verkaufspreis auf dem britischen Schwarzmarkt liegt markenabhängig so zwischen 55 und 65 Euro.“ Die weiteren Ermittlungen sollen klären, ob die Gruppe in der Vergangenheit auch den deutschen Markt beliefert haben könnte. Bereits ausgehoben wurde eine ehemalige Pilz-Farm in den Niederlanden - dort sollen zum Beispiel Filter und Verpackungen gelagert worden sein, die mutmaßlich für die Produktion in Kleve gedacht waren.

(dpa)