40 Jahre Welterbe: Steinmeier würdigt den Aachener Dom als „einmaliges Baukunstwerk“

40 Jahre Welterbe : Steinmeier würdigt den Aachener Dom als „einmaliges Baukunstwerk“

Bundespräsident Steinmeier besucht Aachener Dom

Mit Applaus wurde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag in Aachen begrüßt, wo er zum Auftakt der Festwoche „40 Jahre Welterbe Aachener Dom“ nicht nur im Krönungssaal des Aachener Rathauses sprach.

Als Genuss-Programm seines zweiten Besuchs in kurzer Folge im Bannkreis Karls des Großen schloss sich danach im Dom das Konzert mit gotischer Musik des Jahres 1360 aus der Kathedrale Reims und zu später Stunde die gewaltige Lichtinstallation „Der Dom leuchtet“ an.

An der Rathaustreppe erwarteten ihn zunächst als strahlende Gastgeber NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit Ehefrau Susanne sowie Oberbürgermeister Marcel Philipp, der in seiner Begrüßung erneut auf den Dom als Symbol für Europas Einheit hinwies.

„Wenn wir das allerdings weltweit einordnen, macht das unser Aachener Welterbe ein Stückchen kleiner“, lenkte Philipp die Gäste geschickt hin zum Vortrag des Tages, bei dem es um gefährdete, erhaltenswerte Stätten in aller Welt ging.

Auch Armin Laschet konnte sich noch nicht vom Dom lösen, an dem nachweislich Handwerker und Künstler aus dem gesamten (heutigen) Europa gearbeitet haben – mit dem Ziel, ein großes Ganzes zu schaffen.

Im Krönungsaal stellte schließlich Toshiyuki Kono, Präsident von Icomos international Paris, die Frage stellte „Zerstörte Welterbestätten – was nun?“ und gab damit einen Einblick in die gegenwärtige Arbeit dieser Berater-Organisation der Unesco (International Council on Monuments and Sites), die gemäß der Welterbekonvention von 1972 gegründet wurde.

Darf man zerstörtes Welterbe einfach wieder aufbauen? Nach welchen Regeln sollte das geschehen? Sind nicht Zerstörungen gleichfalls Zeitdokumente? An faszinierenden Beispielen demonstrierte Kono, wie sehr man an diesen Überlegungen arbeitet und wie schwierig das ist.

In Steinmeiers Rede zum festlichen Anlass konnte man zuvor die große Ehrfurcht und Sympathie heraushören, die er für den Aachener Dom hat. Hier knüpfte später auch Dompropst Manfred von Holtum an: „Bei unserer gemeinsamen Domführung und bei den Fragen, die Sie mir gestellt haben, konnte ich erkennen, dass Sie den Geist dieses Ortes spüren.“

„Aachen ist besonders“, betonte Steinmeier. „Wenn ein Bundespräsident innerhalb eines halben Jahres zweimal an einen Ort kommt, dann muss das etwas Besonderes sein.“ Aachen sei zur Zeit Karls des Großen ein „weltgeschichtliches Scharnier“ gewesen, „Empfängerin und Hüterin eines großen Erbes und selbst wiederum Beginn einer neuen Epoche“.

Immerhin habe der Franke sich als Erbe des Römischen Reiches gesehen – in unmittelbarer Linie zu Konstantin, dem ersten christlichen Kaiser. Im Welterbe Aachener Dom, so Steinmeier, verschmelzen zwölfhundert Jahre Liturgie, Gesang, Seufzer und Jubel. Nicht nur das kostbare Bauwerk, der gelebte Glaube habe sich als wirksam gegen Diktatur und Selbstvergötzung erwiesen. Damit wirft er einen Blick zurück auf Zeiten des Nazi-Terrors. Steinmeier: „Sage keiner, wir hätten ein solches Zeugnis in der Gegenwart nicht nötig!“

Weitere Infos: www.aachenerdom2018.de

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