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Alsdorf: Stehende Ovationen und ein ergreifender Auftritt

Alsdorf : Stehende Ovationen und ein ergreifender Auftritt

Ein Weltstar, der vor öffentlichen Auftritten immer noch und immer wieder nervös ist? Gottfried John steht zu seiner kleinen Schwäche, und auch das macht ihn so grundsympathisch.

Völlig unvorbereitet sei auf die Bühne geklettert, um den Euregio Filmpreis entgegen zu nehmen, gesteht der 62-Jährige nach der Gala im Alsdorfer Cinetower. Und: „Blut und Wasser” habe er geschwitzt.

Doch John ist Profi durch und durch, die Preisverleihung als bester Schauspieler der Euregio meistert er in einer sehr angenehmen Mischung aus Souveränität und unprätentiöser Natürlichkeit.

Der Mime, Star in zahlreichen Großproduktionen, Gegenspieler von James Bond alias Pierce Brosnan in „Goldeneye” und früher Mitglied der Truppe rund um das Regie-Genie Rainer Werner Fassbinder, weiß nur zu gut: „Überall auf der Welt wird nur mit Wasser gekocht.” Doch ein bisschen Nervosität, die gehört halt dazu.

Johns Auftritt markiert den Höhepunkt der zweiten Verleihung des Euregio Filmpreises. Der gebürtige Berliner wohnt seit einigen Jahren im belgischen Grenzgebiet. Nach langen Jahren ist der „Unterwegsmensch”, wie ihn sein Laudator, TV-Schauspieler Marek Erhardt, Enkel der Komik-Legende Heinz Erhardt, nennt, fast sesshaft geworden.

John verspricht, er wolle der Region, „dem Mittelpunkt Westeuropas”, die Treue halten: „Von hier bin ich schnell in Paris oder London. Hierhin kann ich mich aber auch aus dem Trubel des Filmgeschäftes zurückziehen.”

Sprichts und nimmt erfreut den Preis nebst 2500-Euro-Scheck aus den Händen von Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, entgegen. Die rund 600 Gäste erfeiern ihn mit stehenden Ovationen. Sie verfolgen im Tower 7 eine feierliche Verleihung der Plexiglas-Skulpturen in sechs Kategorien, souverän moderiert von unserem Redakteur Robert Esser.

Ein Abend, der so manche Überraschung bereit halten sollte. Doch der Reihe nach: Den Preis für beste Dokumentation und beste Reportage, vorgestellt von TV-Mime Dirk Martens („SK Kölsch”), teilen sich Dagmar Diebels und Tom Meffert für „Der Khan kehrt zurück” - die Geschichte eines Mannes, der nach langen Jahren aus Aachen nach Kabul zurückkehrt - mit Rosi Wissmann, die in „Der Kondor, der nicht fliegen will” erzählt, wie der Geier „Santiago” lernt, seine Flügel einzusetzen.

Für den besten Werbespot stehen Heiko Fischer und Torsten Lormann. Sie sind rund um die Welt gereist, um für die Werbetrenner des TV-Senders Vox die charakteristische rote Kugel in atemberaubende Landschaften zu platzieren. Die Trophäe überreicht IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes.

Dass aus der Euregio auch viel versprechender Nachwuchs kommt, beweist Kathrin Feistl. Die in Aachen geborene und in Übach-Palenberg aufgewachsene Regisseurin hat ihr Handwerk an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin gelernt, wo sie jetzt auch lebt.

Die 32-Jährige wird für die tragikomische Familiengeschichte „Bin ich sexy?” geehrt. Und sie macht ihrem Metier gleich eine Liebeserklärung: „Es gibt keinen schöneren Beruf als den des Filmemachers.” Bei der Realisierung dieses Traums dürfte ihr das Preisgeld - gestiftet von der Sparkasse Aachen - sicher helfen.

Den beliebtesten nationalen Film in der Euregio präsentieren Cinetower-Geschäftsführer Stefan Hanrath und Andreas Mehlhorn vom Mitveranstalter AME-Media. Als Unterstützung holen sie sich Dennis Brinkmann, Mittelfeld-Akteur der Aachener Alemannia, auf die Bühne - was durchaus Sinn macht.

Denn der Preis ist gedrittelt: Neben der niederländischen Produktion „Cloaca” und „(T)Raumschiff Surprise Periode 1” wird natürlich auch „Das Wunder von Bern” ausgezeichnet. Knut Hartwig, der als Fritz Walter die Fäden in der Leinwand-Elf zieht, kennt den Alemannen noch aus eigener aktiver Fußball-Zeit. Das Wiedersehen auf der Bühne des Cinetowers weckt alte Erinnerungen.

Ein alter Bekannter beim Euregio Filmpreis ist bereits Thorsten Koch, Marketing-Chef des Verleihers Constantin Film. Bei der ersten Auflage im vergangenen Jahr hatte er in Vertretung von „Bully” Herbig den Preis für „Der Schuh des Manitu” entgegen genommen und versprochen, der Erfolgsregisseur werde später den Preis persönlich abholen. Versprochen und gehalten.

Nun also „(T)Raumschiff Surprise”, und wieder ein Versprechen: Hauptdarstellerin Anja Kling, am Abend der Gala verhindert, weil ihr Baby krank ist, will demnächst nach Alsdorf kommen und ihren Auftritt nachholen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt: Man kann sich auf Koch und seine Zusagen durchaus verlassen.

Und dann der Auftritt von Klausjürgen Wussow. Schon die Laudatio von Serien-Star Bernd Herzsprung gerät zu einer sehr persönlichen Hommage an den TV-Recken und notorischen Arztkittel-Träger. Wussow selbst ringt sichtlich um Fassung, als er den Preis für die beliebteste TV-Serie - gemeint ist natürlich „Die Schwarzwaldklinik” - in Händen hält.

„Für Euch spiele ich”, ruft der 75-Jährige dem Publikum zu und dankt im gleichen Atemzug seiner Frau „Sabinchen” dafür, dass die ihm in schwerer Zeit zur Seite steht. Stehender Applaus für einen Schauspieler, der noch lange nicht von der TV-Mattscheibe verschwunden ist.

Der Rest ist eine rauschende Ballnacht.

Euregio Filmpreis 2004