Aachen: Staus am Kreuz sorgen für blanke Nerven

Aachen: Staus am Kreuz sorgen für blanke Nerven

Es ist eine tägliche Tortur. Und dabei haben die eigentlichen Bauarbeiten noch gar nicht so richtig begonnen: Die Autobahnen rund um Aachen nerven insbesondere die Berufspendler aus der Region kräftig. Jeden Tag ist im Verkehrsfunk zu hören, dass der Stau wieder mal weit über sechs Kilometer reicht.

„Die Verkehrsverhältnisse sind nicht mehr tragbar”, macht unser Leser Michael Bahn aus Eschweiler seinem Ärger Luft.

Und was tut der Mann, der zwischen Eschweiler und dem Gewerbegebiet an der Aachener Neuenhofstraße pendelt? Er sucht sich Schleichwege, um dem Chaos auf den Straßen zu entgehen. Nur, leider sind auch viele andere Autofahrer auf diese Idee gekommen: Der Stau wird einfach „weitergetragen” auf die Bundes- und Landstraßen im Umfeld der Kaiserstadt, wie die Aachener Polizei bestätigt. „Es kann nicht angehen”, sagt Bahn angesichts dieses „weiter verschärften Themas”, dass „gleichzeitig auf allen Autobahnen rund um Aachen mehrere Baustellen mit erheblicher Verkehrsbeeinträchtigung existieren.” Er beklagt „die riesigen Blechlawinen”.

Auch die Verantwortlichen bedauern die Staus für die Autofahrer, verweisen zur Begründung dieser zahlreichen Baustellen zur gleichen Zeit aber insbesondere auf den vergangenen, bitterkalten Winter. Denn der habe sämtliche Zeitpläne über den Haufen geworfen - mit der Folge, dass nun bis zu drei Monate Verzögerung ins Kontor schlagen und irgendwie aufgeholt werden müsste, wie es heißt.

Ein lärmschluckender Teppich

Aktueller Höhepunkt in der nach oben offenen „Ärger-Skala” ist der Abschnitt zwischen dem Aachener Kreuz und der Anschlussstelle Aachen-Brand der A.44. Genau hier war der Frost am heftigsten. Etliche Monate war kein Bauarbeiter zu sehen, bis sich vor wenigen Wochen die Temperaturen so weit wieder stabilisiert hatten, dass das Projekt fortgesetzt werden konnte.

Der Flüsterasphalt, der in diesem Bereich nahe Aachen-Eilendorf die Anwohner weniger mit Lärm belästigen soll, sei „sehr empfindlich”, unterstreicht Helmut Helzle, Projektleiter für den Umbau des Aachener Kreuzes beim Landesbetrieb Straßen NRW in Aachen. Bei Nässe und ungünstigen Temperaturen unter zehn Grad „klebt das Material und kann von den Maschinen nicht korrekt verarbeitet werden”.

Dass sich der Aufwand an den Straßen lohnt, spüren Testfahrer auf dem gerade fertiggestellten Abschnitt von Brand zum Kreuz Aachen: Es ist, als würde man über einen lärmschluckenden Teppich rollen. „Offenporigen Asphalt” oder „Opa” nennen die Experten dieses gerade verbaute Material: Die Poren schlucken weitgehend den Schall der abrollenden Autoreifen. In ungefähr zwei Wochen soll der neue Belag aufgebracht und fertiggestellt sein.

Apropos Lärmschutz: Im Bereich Verlautenheide-Quinx stehen die Arbeiten zum Bau einer wesentlich erhöhten und verlängerten Lärmschutzwand vor dem Abschluss. Nächste Woche, kündigt Helzle an, sollen die noch fehlenden Teilstücke nahe der Brücke der A.44 über die Landstraße 23 eingefügt werden.

Die nächste Baustelle, die wegen des kalten Winters hinter dem Zeitplan zurückliegt, ist entlang der A.544 zwischen dem Aachener Europaplatz und dem Autobahnkreuz zu finden. Ende Mai soll die erste Hälfte der neuen Brücke über das Haarbachtal abgeschlossen sein. Und einen Monat später soll der Verkehr auf diesen fertigen Teil verlegt werden. Dann beginnt der Abriss der alten und der Neubau der zweiten Hälfte.

Baustelle Nummer vier

Bis Frühjahr 2011, erwartet Norbert Cleve von der federführenden Autobahn-Niederlassung Krefeld des Landesbetriebs, soll dort alles fertig sein und der Verkehr ungestört wieder fließen können. Auch beim zweiten Teil bleibt es bei der bisherigen Verkehrsführung: zwei Fahrspuren Richtung Europaplatz, nur eine Richtung Autobahnkreuz. Denn dieser Abschnitt, sagt Helmut Helzle, müsse unbedingt vor Rückstaus bewahrt werden, um dort nicht den Verkehr zusammenbrechen zu lassen.

Baustelle Nummer vier ist die neue Brücke auf der A.44 Richtung Düsseldorf über die Kreisstraße 34. Sie soll bis November fertig sein, sagt Uwe Zink, Dezernent der bauausführenden Städteregion Aachen. Und bis April 2011 sollen auch die einst unfallträchtigen, später allerdings entschärften Fahrbahnverschwenkungen wieder verschwunden sein.

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