Aachen: Startschuss für den Bau des zentralen Campus-Gebäudes der RWTH

Aachen: Startschuss für den Bau des zentralen Campus-Gebäudes der RWTH

In der Größe des Moments können die Details schon mal durcheinandergeraten, das geht auch Ernst Schmachtenberg so, der ja immerhin Rektor der RWTH Aachen ist, um deren Zukunft es am Montag gehen sollte.

„Herzlich Willkommen zum Mörtelfest“ rief Schmachtenberg den Gästen voll freudiger Inbrunst zu, die er, um dem Fest einen Anlass zu geben, eigentlich zu einem eigens für den Tag erfundenen „Kübelfest“ eingeladen hatte. Lachen, Applaus. Als Schmachtenberg merkte, was er gesagt hatte, erklärte er: „In den Kübeln ist ja Mörtel drin.“

„Auf dem Campus wird die wirtschaftliche Grundlage für Stadt und Region für die nächsten 30 Jahre gelegt“, glaubt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU, 3.v.r.). Der Bau des zentralen Campus-Gebäudes, 63 Millionen Euro teuer, hat begonnen, was gestern mit einem eigens dafür erfundenen „Kübelfest“ gefeiert wurde. Einer der Gäste war NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD, links). Foto: Harald Krömer

Viel wichtiger als Kübel oder Mörtel jedoch ist, dass das zentrale Gebäude auf dem Campus der RWTH nun endlich gebaut wird, und um das zu feiern, hatte Schmachtenberg Montag eingeladen. Auf dem Campus Melaten im Westen Aachens, wenige Meter hinter dem Klinikum, entsteht für 63 Millionen Euro das Gebäude des Forschungsclusters Produktionstechnik, das eigentlich schon längst fertig sein sollte. 2014 aber geriet der Investor, der das Gebäude hätte bauen sollen, in finanzielle Schwierigkeiten, der Bau verzögerte sich. Cluster-Chef Günther Schuh musste vergangenen Herbst all sein Verhandlungsgeschick aufbringen, um die Sache einem guten Ende zuzuführen, und immerhin, seit Frühjahr wird ja auch gebaut. „Wir liegen auf den Tag genau im Plan“, sagte Schuh. Aachens Zukunft hat begonnen.

Am Cluster Produktionstechnik lässt sich die Wichtigkeit des Campus-Projekts für die RWTH, für Aachen und für den Industriestandort NRW ganz gut illustrieren; denn in diesem und in den anderen zukünftigen 18 Clustern, also Zusammenschlüssen, sollen Industrie und Forschung gemeinsam arbeiten. Ein wichtiges Thema der Produktionstechnik ist zum Beispiel der Leichtbau. Günther Schuh sagte Montag, es gebe Werkstoffe, um Autos oder Flugzeuge schon jetzt erheblich leichter zu machen. Doch die daraus zu fertigenden Teile, mit denen das Gewicht und damit der Spritverbrauch von Auto und Flugzeug signifikant gesenkt werden kann, müssen bezahlbar sein, also zur Serienreife gebracht werden. Da es die Möglichkeiten des Staates übersteigt, solche Forschungsprojekte sämtlich zu finanzieren, sind die Hochschulen auf Kooperationen mit der Industrie angewiesen.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) teilt diese Sicht. Er erwartet, dass der RWTH-Campus dazu beiträgt, in Deutschland entwickelte Innovationen auch in Deutschland zur Marktreife bringen und dann auch hier produzieren zu können. Das hat in der Vergangenheit nicht immer geklappt: Das Fax-Gerät zum Beispiel wurde zwar hier entwickelt, aber erst in Japan serienreif. Während einer kurzen Ansprache betonte Walter-Borjans, wie wichtig es sei, sich trotz des Strukturwandels nicht unabhängig von der Produktion zu machen. „Wie es Ländern ergeht, die das versucht haben, hat die Finanzkrise gezeigt“, sagte er.

Ernst Schmachtenberg jedenfalls rief dazu auf, „statt in Leh-man-Brothers-Bonds in die Hochschulen“ zu investieren: „Denn diese Investitionen zahlen sich am Ende auch aus“, sagte Schmachtenberg. Wieder Lachen, wieder Applaus.

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