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Starker Stoß und lobende Worte

Starker Stoß und lobende Worte

Kreis Aachen. „Was hast du da? Ne fünf Kilo?” Mit Expertenmiene trat Gerhard Schröder an den Kugelstoßring heran, sah sich zwei Stöße vom Kollegen Junior-Feuerwehrmann an und schwups war das Sakko von seinen Schultern geglitten.

Hatte er zuvor beim Schlauchausrollen das gute Stück noch angelassen, um den starren Stoff perfekt ins vorgegebene Zielgebiet zu zirkeln, brauchte er fürs Kugelstoßen doch mehr Bewegungsfreiheit.

Flugs übernahm der Lass-mich-das-jetzt-mal-machen-Kanzler das Fünf-Kilo-Metall, nahm kurz Schwung, um einen satten Stoß folgen zu lassen: 8,90 Meter - nicht schlecht. Jubel von den zahlreichen Jugendfeuerwehrleuten. Applaus, das tat dem Regierungschef aus Berlin wirklich gut. Und machte ihm Spaß.

Ein sichtlich entspannter Kanzler war am Freitag in Herzogenrath zu Besuch - und in seinem Element. Keine Hand, die ungeschüttelt, kein Blatt Papier, das ohne Autogramm, kein Foto, das ungeschossen blieb. Doch im Mittelpunkt des mehr als einstündigen Besuchs, der wegen Krankheit ohne NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück stattfand, stand die Feuerwehr - und besonders die Nachwuchskräfte im Kreis Aachen.

Mehr als 200 von ihnen zeigten dem Kanzler bei einem Rundgang rund um die Feuer- und Rettungswache in verschiedenen Disziplinen, was sie so alles auf dem Kasten haben. Und der staunte nicht schlecht („Die Leistungen waren erstklassig. Es ist toll, mit welchem Engagement die jungen Leute zu Werke gehen”) und war interessiert, suchte das Gespräch.

Gerade war Jörg Schmidinger noch mitten in der Übung mit Wasserwerfer und C-Rohren, da war der Kanzler schon an der Seite des Zwölfjährigen und interviewte ihn. „Wie lange dauert die Ausbildung am Wasserwerfer? Wie lange bist du denn schon dabei? Woher kommst du denn?” „Einige Stunden, zwei Jahre, Herzogenrath-Straß.”

Nur bei der letzten Antwort stutzte Schröder ein wenig, um wenig später wieder zu staunen. „Das machen wir alles ehrenamtlich. Das ist der Job neben dem Job”, meinte der Herzogenrather Jugendfeuerwehrwart Detlev Busse auf des Kanzlers Frage.

Ja, ja: das Ehrenamt. „Ohne solches Engagement wären wir eine arme Gesellschaft”, betonte Schröder und sprach damit auch Landrat Carl Meulenbergh („Unsere Gesellschaft braucht euren Bürgersinn”) übers Parteibuch hinweg aus der Seele. Und der Kanzler bereute seinen Besuch, mit dem er die Bedeutung dieses Engagements verdeutlichen wollte, keine Minute: „Es war schön hier. Auch wenn die Jugendlichen manchmal kritisiert werden. Es gibt ganz viel Grund, stolz auf euch zu sein.”

Und das nahmen die Jugendlichen ihm ab. Zumindest Nicole Riss und Simon Deptalla von der Stolberger Jugendfeuerwehr meinten, dass dies keine Lippenbekenntnisse seien. Auch Kreisjugendfeuerwehrwart Willi Gillmann, der Schröder nach Herzogenrath holte, war mehr als zufrieden: „So volksnah und interessiert habe ich mir den Kanzler nicht vorgestellt. Die Ermutigung hat den Jugendlichen sehr gut getan.”