Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Städteregion gilt als „dynamisch“ und „lebenswert“

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung : Städteregion gilt als „dynamisch“ und „lebenswert“

Die „Abseitsfalle“ ist ein Begriff aus dem Fußball. Sie wird aufgebaut, um den Gegner in die Irre zu leiten. Wenn die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine „dauerhafte Abseitsfalle“ beschreibt, meint sie damit viele strukturschwache Kommunen, die mit geringer Wirtschaftskraft, hoher Arbeitslosigkeit, hohen Belastungen für Sozialtransfers, hoher Verschuldung, geringer Investitionskraft und Abwanderung längst im Abseits allgemeinen Wohlstand gestrandet sind.

Abzulesen ist das in dann im soziookönomischen Disparitätenbericht der Stiftung, die 402 kreisfreie Städte und Landkreise untersucht hat. Die Forscher haben einen ziemlich komplexen Ansatz gewählt. Das Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Daten hat insgesamt 20 verschiedenen Indikatoren aus dem Datenmeer herausgefischt.

Die Forscher ermittelten den Anteil hoch qualifizierter Beschäftiger, haben Bruttogehälter, die Lebenserwartung verglichen, aber auch das Ausmaß von Alters- und Kinderarmut und kommunale Schulden, die Wahlbeteiligung und den Breitbandanschluss den Gesamtwanderungssaldo - also das Phänomen, ob Kommunen verlassen oder stärker bevölkert werden.

In dem Report wurden auch Fragen wie: „Wie weit ist der Hausarzt entfernt?“ berücksichtigt. Daraus ist eine Deutschlandkarte entstanden, die die Kommunen in fünf Kategorien von „Dynamische Städte“ bis „städtische Regionen im andauernden Strukturwandel“ klassifiziert - wenn man will ist das eine nach Sternen.

Die Städteregion Aachen wird als dynamische Stadt, die Kreise Düren und Heinsberg werden in die Rubrik „solide Mitte Deutschlands“ geführt. Die Lebenserwartung weicht kaum voneinander ab, in anderen Kategorien wie der „Anteil der Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss“ gibt es deutliche regionale Unterschiede.

Die Studie ist der nächste Beleg für die wachsenden bundesweite Ungleichheit. Fast 14 Millionen Bundesbürger leben in Regionen mit schweren Strukturproblemen, schreiben die Macher. Die Abstände haben sich verfestigt. Weder das starke Wirtschaftswachstum noch die hohe Beschäftigungsrate hätten dazu beigetragen, die deutlichen Gräben zwischen reichen und armen Gebieten abzubauen. In den dynamischen Boomregionen wiederum würden steigende Lebenshaltungskosten und überlastete Infrastrukturen selbst Menschen mit mittleren Einkommen unter Druck setzen. Die Folge: der Zusammenhalt bröckelt, und in Krisenregionen erhalten Rechtspopulisten starken Zuspruch.

Die politische Forderung der Studienmacher ist eine „regionale Daseinsvorsorge“, zu der sich Bund und Länder gemeinsam verabreden sollten. Notwendig sei, sagen die Forscher, ein echter Schuldenschnitt für die am stärksten belasteten Kommunen - verbunden mit Auflagen. Notwendig sei auch, dass der Bund zusätzliche Sozialausgaben zum Beispiel für die Unterkünfte von Langzeitarbeitslose übernehme.

„Die schwächsten Kommunen tragen heute die höchsten Lasten des Sozialtransfers“, beklagt die Stiftung. Der Disparitätenbericht „Für ein besseres Morgen“ soll auch, so hoffen es die Verfasser mit in das Konzept einer Regierungskommission einfließen. Die Gruppe, genannt „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ will ihr Konzept im Juni vorlegen. Auch dann geht es darum, die „Abseitsfalle“ abzubauen.

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