Köln/Aachen: Städtepartnerschaft mit der Türkei: Freundschaft in schweren Zeiten

Köln/Aachen : Städtepartnerschaft mit der Türkei: Freundschaft in schweren Zeiten

Ein Stammtisch in Köln, eine besondere Runde. Auf dem Tisch steht ein kleiner Globus mit den Stadtwappen von Köln und Istanbul. Die Männer und Frauen am Tisch sind Deutsche und gebürtige Türken, gemeinsam engagieren sie sich für die Städtepartnerschaft zwischen der türkischen Metropole Istanbul und der Domstadt am Rhein.

Im März 1997 hatten der damalige Istanbuler Oberbürgermeister, das heutige Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan, und sein Kölner Amtskollege Norbert Burger die Partnerschaftsurkunde zwischen den beiden Städten unterzeichnet. Sieben Monate später gründeten Walter Kluth und andere Kölner einen Städtepartnerschaftsverein. Sie füllen die Partnerschaft mit Leben, sie organisieren Reisen, Ausstellungen, Konzerte, seit mehr als 20 Jahren.

Über Politik redet der Verein stets in einer „aktuellen Stunde” beim Vorstandstreffen. Im Moment macht das keinem mehr wirklich Spaß. „Man ist nicht mehr so unbefangen”, heißt es beim Stammtisch. „Die Leute haben die Nase voll davon” oder „Die wollen da gar nicht mehr drüber reden.” Es seien ja doch immer nur die gleichen Themen, ohne dass sich etwas ändert.

In Köln läuft es schwierig, in anderen NRW-Städten liegt die Zusammenarbeit derweil sogar auf Eis: Duisburg hat momentan keinen Kontakt zu seinen Partnern in Gaziantep, der sechstgrößten Stadt der Türkei. Die Dortmunder schweigen sich aus mit der Partnerstadt Trabzon am Schwarzen Meer. Warum das? Schweigen. An einem bestimmten Ereignis können beide Städte die Situation nicht festmachen.

Ähnlich ist das Ergebnis in Oberhausen, allerdings gibt es hier einen konkreten Auslöser: Der Bürgermeister der Partnerstadt Mersin hatte den Oberhausener Oberbürgermeister Daniel Schranz mehrfach aufgefordert, sich politisch zu positionieren, erzählt Desbina Kallinikidou. Sie arbeitet im städtischen Büro für Interkultur in Oberhausen.

Konkret sollte Schranz gegen die Armenien-Resolution des Bundestags protestieren, sich nach dem Putschversuch in der Türkei zu Präsident Erdogan bekennen und sich öffentlich von der Gülen-Bewegung abgrenzen, die von der Regierung für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird, sagt Kallinikidou. Der Kontakt sei daraufhin schwierig geworden.

„Wir wissen ja, dass nicht alle in Mersin diese Linie vertreten, aber das hilft uns hier nicht”, sagt sie. „Eine Partnerschaft hat immer auch einen politischen Aspekt.” Ein Verein wie in Köln, der den zivilen Kontakt zu Bürgern in der Partnerschaft pflegen könnte, wäre hilfreich, meint Kallinikidou.

Der zivile Kontakt ist für die Kölner allerdings auch nicht einfach. Das Herzstück ihrer Arbeit waren schon immer die Reisen nach Istanbul. Ob für Schüler, Lehrer oder Sportler - Walter Kluth und die anderen Vereinsmitglieder organisierten Zielgruppenreisen. Im vergangenen Jahr gab es nur sechs Anmeldungen, die Reise fiel aus, in diesem Jahr boten sie gar nicht erst eine Fahrt an. „Wir wagen das nicht, die Leute dahin zu bringen”, sagt Kluth. Er fuhr mit den Vorstandskollegen alleine.

Auch in Herford wurde eine Reise in die türkische Partnerstadt abgesagt. In Hamm war man sich nicht einig, ob man fahren kann, kurz vor der Abreise gab es dann noch viele Abmeldungen. Aktuell konzentrieren sich die Kölner also auf Veranstaltungen in der Domstadt, auf denen sich deutsche und türkischstämmige Kölner kennenlernen.

So machen es auch die Mitglieder des Vereins in Aachen mit der Partnerschaft zum Istanbuler Distrikt Sariyer. Vor kurzem wurde ein Sommerfest gefeiert und bei der Karlspreis-Verleihung war der türkische Bürgermeister zu Gast, erzählt Vorstandsmitglied Mustafa Karaca.

Die Vereine in Aachen und Köln wollen auf jeden Fall weitermachen. „Wir hoffen ja, dass der Spuk irgendwann vorüber ist”, sagt Kluth. Natürlich macht er sich Sorgen, dass die Partnerschaft von türkischer Seite aus gekündigt wird, denn „es gibt hier ein paar heiße Themen”, sagt die zweite Vorsitzende Monika Bongartz.

Es geht zum Beispiel um ein Mahnmal, das bald auf einem Friedhof in Köln an die Gräuel an den Armeniern erinnern soll oder um eine der häufiger geplanten Kurden-Demonstrationen. In der Türkei gefalle das Einigen natürlich nicht. „Ich hoffe, dass Erdogan sein eigenes Baby nicht aufkündigt”, sagt Kluth. Schließlich trägt die Partnerschaftsurkunde seine Unterschrift.

(dpa)