Aachen: Stadt geht auf Distanz zu Aachener Burschenschaften

Aachen: Stadt geht auf Distanz zu Aachener Burschenschaften

Der Aachener Oberbürgermeister und die Rektoren der vier Aachener Hochschulen fordern die drei Aachener Burschenschaften dazu auf, sich „klar von extremistischem Gedankengut zu distanzieren und Konsequenzen zu ziehen”.

Die Reaktion der betreffenden Burschenschaften fällt recht unterschiedlich aus.

„Mit Entsetzen” habe man die Nachricht zur Kenntnis genommen, erklären OB Marcel Philipp und die Hochschul-Leiter, dass „auf dem Deutschen Burschentag der Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter, Norbert Weidner, in seinem Amt bestätigt wurde.”

Abgesehen davon, dass das Entsetzen der Unterzeichner gut zwei Monate gebraucht hat, um sich in einer öffentlichen Erklärung niederzuschlagen, darf man staunen, mit welcher Verwirrung einer Schar ewig gestriger Studenten man sich befassen muss.

Auf jenem Deutschen Burschentag Ende Mai in Eisenach waren eher liberale Burschenschafter daran gescheitert, die Wiederwahl des „hohen rechtsextremen Funktionärs”, so der „Spiegel”, Norbert Weidner als „Schriftleiter” der „Burschenschaftlichen Blätter” zu verhindern.

Weidner (39), Vorstandsmitglied der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn” hatte einige Wochen zuvor öffentlich den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter” bezeichnet und seine Hinrichtung durch die Nazis „rein juristisch” gerechtfertigt genannt.

Dies hatten liberalere Burschenschafter, darunter Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, in einem Aufruf „auf das Schärfste” verurteilt und Weidners Rücktritt gefordert. Der hat seinerseits gegen einen Strafbefehl des Bonner Amtsgerichts wegen der Bonhoeffer-Äußerung Einspruch eingelegt, so dass es - voraussichtlich Ende Oktober - zur öffentlichen Hauptverhandlung kommt.

Die Stadt Aachen und die Hochschulen erwarten nun von den drei hiesigen Burschenschaften Alania, Teutonia und der Brünner Burschenschaft Libertas „eine klare Distanzierung vom rechtsextremistischen Gedankengut, wie es in der Deutschen Burschenschaft vertreten wird”.

Sollten Konsequenzen der Burschenschaften ausbleiben, werde man „keinerlei Verbindungen mehr mit diesen haben wollen”, Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stellen; Repräsentanten von Stadt und Hochschule würden keine Veranstaltung dieser Vereinigungen mehr besuchen.

Während sich die als am ehesten rechts anzusiedelnde Libertas, „farbentragend und pflichtschlagend”, auf unsere Anfrage hin nicht meldete, teilte ein Sprecher der Teutonia mit, dass „die Mehrzahl unserer Mitglieder den Protestbrief unterschrieben” habe und in den nächsten Tagen „höchstwahrscheinlich” eine Distanzierung von Weidner zu erwarten sei.

Die Alania wiederum mailte eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: Die Aachener Burschenschaft Alania weist „den Pauschalvorwurf des Rechtsextremismus mit Entschiedenheit zurück”. Man sei „auch weiterhin eine traditionsreiche demokratische Studentenorganisation, die von ihren Mitgliedern eine zukunftsgerichtete Auseinandersetzung mit zahlreichen aktuellen politischen Themen ... erwartet”. Eine „klare Distanzierung” sähe wohl anders aus.