Fahrlässige Tötung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Heilpraktiker

Fahrlässige Tötung : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Heilpraktiker

Nach dem Tod mehrerer Patienten einer alternativen Krebspraxis in Brüggen ermittelt die Staatsanwaltschaft Krefeld gegen den Betreiber der Einrichtung wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen.

Klaus R. sei nicht in Haft, sagte Marcel Dörschug, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die bisherigen Ermittlungen bieten keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte den Tod von Patienten oder Gesundheitsbeschädigungen vorsätzlich herbeigeführt hat.“

Die bisherigen Ermittlungen hätten aber den Verdacht erhärtet, dass der Heilpraktiker zwischen dem 25. und 27. Juli in seiner Praxis am Niederrhein fünf Patienten mit dem Präparat 3-Bromopyruvat (3-BP) behandelt habe. Die Substanz ist nicht als Medikament zugelassen. Drei der Patienten starben wenige Tage nach der Behandlung, zwei weitere begaben sich wegen lebensbedrohlicher Beschwerden in ärztliche Behandlung.

Das Gesundheitsbehörden sind nach Angaben Dörschugs zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, „dass der Beschuldigte als Heilpraktiker grundsätzlich berechtigt war, das Präparat 3-BP zu verwenden“. Das verwundert deswegen, weil selbst ein Spitzenvertreter des Bunds Deutscher Heilpraktiker gesagt hatte, dass der Betreiber einen grundlegenden Verstoß gegen das Arzneimittelrecht begangen habe, sollte er eine Substanz verabreicht haben, die als Arzneimittel nicht zugelassen ist. Der zuständige Kreis Viersen war am Freitag für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen. Woher der Heilpraktiker die Chemikalie 3-BP bezogen habe, sei noch unklar, teilte Dörschug mit. Gegenüber dem Kreis Viersen hatte der Beschuldigte angegeben, seine Substanzen aus einer hessischen Apotheke bezogen zu haben.

Ob der Tod der Patienten mit dem Präparat direkt in Zusammenhang steht oder sie an den Folgen ihrer Krankheit starben, ist noch immer unklar. Die abschließenden Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchungen zu dieser Frage stünden noch aus, hieß es.

Da die meisten Patienten Niederländer seien, stünde man in ständigem Kontakt mit den dortigen Behörden. Derzeit wertet die Staatsanwaltschaft Zeugenhinweise und sichergestellte Beweismittel aus. Geklärt würde damit, ob noch weitere Behandlungsfälle in die Ermittlungen einbezogen werden müssten.

(cs)
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