Aachen: Staatsanwaltschaft bewertet Fall von Geldautomaten-Trio neu

Aachen: Staatsanwaltschaft bewertet Fall von Geldautomaten-Trio neu

Die drei jugendlichen Täter haben sich nach Polizeiangaben abgesetzt. Vorerst sind sie nicht greifbar. Am Montagabend waren eine 17-jährige Rumänin und zwei 14 und 16 Jahre alte Brüder aus Spanien zunächst in eine Pflegefamilie gekommen. So ist das Verfahren — unabhängig von der Nationalität — wenn Minderjährige ohne festen Wohnsitz wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Die drei Heranwachsenden — ursprünglich war von drei Mazedoniern die Rede — waren zuvor in der Aachener Innenstadt von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie versucht hatten, einem 76 Jahre alten Mann am Elisenbrunnen durch Ablenkungsmanöver und Pöbeleien eine große Summe Bargeld zu entwenden. Der Senior wurde nach Angaben der Polizei bespuckt, drangsaliert und geschubst. Mit Hilferufen alarmierte er sein Umfeld.

Augenzeugen hatten verhindert, dass ihm das Geld entwendet wurde, das er gerade an einem Bankautomaten abgehoben hatte. Die Zeugen verfolgten die Täter und alarmierten die Polizei, die das Trio schnell stellte und bei ihnen einige Hundert Euro sicherstellte. Das Geld stammte wohl aus einer anderen Tat, die sich ein paar Stunden zuvor im Frankenberger Viertel ereignet hatte. Das Trio hatte einem Senior mit der gleichen dreisten Masche 300 Euro entwendet, die er ein paar Stunden später zurückerhielt.

Das Trio wurde festgenommen — und bald auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wieder freigelassen (wir berichteten). Dabei waren durchaus unterschiedliche juristische Bewertungen der Taten erkennbar geworden: Die Staatsanwaltschaft ging nur von versuchten Trickdiebstählen aus, die Polizei ordnet die Delikte eher als Raubversuch ein und spricht von Bandenkriminalität.

Nach Rücksprache mit dem Geschädigten und auch aufgrund von Zeugenaussagen ist nach Informationen dieser Zeitung auch in der Strafanzeige von einem Raubdelikt die Rede.

„Entschieden“ wurde der Vorgang zu Wochenbeginn telefonisch vom Eildienst der Staatsanwaltschaft. „Von regelrechten Tätlichkeiten war im Vortrag der Polizei nicht die Rede“, teilt Katja Schlenkermann-Pitts, Sprecherin der Aachener Staatsanwaltschaft, mit. Übergriffe seien nicht geschildert worden. Anhand der Beschreibung sei ihre Kollegin nur von einem „Trickdiebstahl“ ohne Gewaltanwendung und Schaden ausgegangen. Und weil die Grundsätze der Haftvermeidung und der Verhältnismäßigkeit gelten, lagen keine Haftgründe vor.

So wurde das Trio nach ein paar Stunden wieder aus dem Gewahrsam entlassen, obwohl kein Wohnsitz bekannt ist. Auch der Wohnsitz der Eltern im Ausland ist nicht festgehalten. In sozialen Medien war die laxe Haltung der Anklagebehörde kritisiert worden. Die Jugendlichen wurden in die Obhut des Jugendamtes und damit in eine Pflegefamilie gebracht.

Ermittlungen ergaben, dass die jungen Leute einige Tage zuvor bereits in Oberhausen wegen eines ähnlichen Delikts erkennungsdienstlich behandelt worden waren. In Polizeikreisen ist die Gruppe durchaus bekannt. Die Festgenommenen hätten in Aachen jegliche Aussage verweigert und die Beamten schwer beleidigt, hatte die Polizei mitgeteilt.

Seit Freitag liegt der Staatsanwaltschaft nun ein schriftlicher Bericht der Polizei vor. „Aufgrund der vorliegenden Schilderung mit vollständigen Angaben, wird nun eine Neubewertung vorgenommen“, sagt Katja Schlenkermann-Pitts. Das soll in den nächsten Tagen geschehen. Denkbar ist, dass der Fall doch noch Konsequenzen für das Trio mit derzeit unbekanntem Aufenthaltsort hat.