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Aachen/Übach-Palenberg: Staatsanwalt: „Hilferufe waren unüberhörbar”

Aachen/Übach-Palenberg : Staatsanwalt: „Hilferufe waren unüberhörbar”

Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag vor dem Landgericht Aachen Freiheitsstrafen von drei und sechs Jahren für ein Ehepaar aus Blankenheim gefordert.

Die beiden heute 37 Jahre alten Angeklagten sollen die fünf Kinder der Frau aus zwei vorausgegangenen Ehen über Jahre hinweg vernachlässigt, tätlich angegriffen, bedroht und sexuell missbraucht haben. Zu dieser Zeit wohnte die Familie noch in Übach-Palenberg.

Für Oberstaatsanwalt Hubert Werker sind die Kinder absolut glaubwürdig. Das hat auch eine Gutachterin bestätigt. Abweichende Angaben der Opfer seien darauf zurückzuführen, dass inzwischen erheblich Zeit verstrichen sei und die einzelnen Vorfälle allzu vielzählig waren.

Für Werker steht fest: „Die Kinder haben über Jahre hinweg ein Martyrium erlitten. Ihre Hilferufe waren unüberhörbar.”

Zwar hätten sie sich lange Zeit einschüchtern lassen. Noch bei einer Anhörung bei einer Familienrichterin in Geilenkirchen hätten sie versucht, eine heile Welt vorzugaukeln. Das sei aber aus der Angst heraus geschehen, aus dem Familienverband gerissen zu werden.

Erst später hätten sie sich ihren Großeltern gegenüber geöffnet. Nebenklagevertreterin Karola Brandt attackierte in ihrem Plädoyer das Jugendamt, das von 1998 bis zum Jahr 2000 den „Verfall in der Familie weitgehend beobachtet, aber nicht gehandelt” habe.

Für die Verteidigerinnen Karin Rappenhöner und Elke Dörrenhaus steht dagegen fest, dass die Kinder in dem „chaotischen Haushalt”, wo Alkohol eine erhebliche Rolle gespielt habe, viele Enttäuschungen erlebt und Hassgefühle entwickelt hätten.

So seien Geschichten entstanden, die die Kinder verbreitet hätten, um weg zu kommen. Ihre Angaben vor Gericht seien insofern nicht glaubhaft. Beide Verteidigerinnen forderten deshalb für die wesentlichen Anklagepunkte Freisprüche.

Ein Urteil wird am Montag verkündet.