Alsdorf: Spielabbruch wegen Massenschlägerei: Sportgericht sperrt beide Teams

Alsdorf : Spielabbruch wegen Massenschlägerei: Sportgericht sperrt beide Teams

Ende März hatten sich die beiden Teams, die regional und tabellarisch in der Kreisliga D benachbart sind, auf dem Sportplatz getroffen. Im Team von Kellersberg II standen überwiegend Türken, bei Blau-Weiß Alsdorf sind ausschließlich Syrer am Ball. Schon vor der Partie hatte es Bedenken gegeben, dass der Konflikt zwischen den beiden Staaten auf einem kleinen Sportplatz in Alsdorf ausgetragen werden könnte.

Der (torlose) Wettkampf dauerte nur 40 Minuten, dann wurde er abgebrochen — nach einer Massenschlägerei, an der sich auch Fans beteiligten. Eine Zuschauerin hatte die Polizei alarmiert, und weil sie auch berichtet hatte, dass Messer genutzt würden, rückte die Exekutive gleich mit sechs Streifenwagen an. Im Einsatzbericht wurde festgehalten: fünf Verletzte, mehrere Tatverdächtige, gegenseitige, lautstark vorgetragene Schuldzuweisungen, widersprüchliche Aussagen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem, vor dem Sportgericht des Kreises Aachen im Fußballverband Mittelrhein waren Donnerstagabend alle beteiligten Spieler angeklagt. Für die Kammer war es schwierig, einzelne Rädelsführer auszumachen. Nach fast drei Stunden bestrafte sie beide Teams mit einem Spielausschluss bis zum Saisonende. Zudem erhalten beide Klubs eine Geldstrafe von 1000 Euro. Die Hälfte davon wird zur Bewährung ausgesetzt, das Geld wird fällig, wenn einer der beteiligten Spieler nächste Saison wegen einer Tätlichkeit verurteilt wird.

Der Vorsitzende Heinrich-Josef Loritz und seine Kammer versuchten, mit neutralen Zeugen Licht ins Dunkel zu bringen. Zwei anwesende Trainer eines Ligakonkurrenten beobachteten aus der Ferne, wie sich nach einem eher harmlosen Foul etwa 40 Spieler und auch Zuschauer gewaltig in die Haare bekamen. Auslöser unbekannt. „Da hat keiner nicht geschlagen.“ Besonders ein Spieler von BW Alsdorf sei aufgefallen, der „wie ein Streetfighter“ unterwegs gewesen sei. „Da hat es ein paar Mal richtig geklatscht.“ Beim Verlassen der Anlage beobachtete der Trainer zudem einen Zuschauer, der ein Messer aus seinem Auto geholt hatte. Die Beweisführung war mühsam, auch wenn ein kleines Video des Tumults vorlag; Zeugen widersprachen sich, eingeräumt wurde allenfalls mal eine „Notwehr“, die meisten befragten Spieler waren eher als betont friedensstiftend unterwegs.

Der Schiedsrichter erhellte die Lage ebenfalls nicht. Er hatte ein „riesen Tohuwabohu“, aber nicht einzelne Täter ausgemacht. Das Spiel beendete er mit der Nachricht an die Kapitäne: „Wenn ihr euch schlagen wollt, dann nicht mit mir.“ Dann verließ er die Anlage und blieb noch ein Weilchen in der Cafeteria, bis auch die Polizisten eingetroffen waren.