Aachen: Spender verprellt, Dombauförderverein löst sich auf

Aachen: Spender verprellt, Dombauförderverein löst sich auf

Die Rede ist von missbrauchtem Vertrauen, gebrochenen Versprechen und falschen Abrechnungen. Mitten in die Vorbereitungen zur Heiligtumsfahrt und dem prunkvollen Veranstaltungsreigen zum Karlsjahr platzt eine Nachricht, die dem Aachener Domkapitel die Feierlaune gründlich verdirbt.

Der „Verein zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen“ hat auf den Tag genau 29 Jahre nach der Gründung einstimmig seine Auflösung beschlossen. „Vorstand und Mitglieder ziehen damit einen Schlussstrich unter die seit einigen Jahren bestehenden Querelen mit dem Aachener Domkapitel“, erklärte der (Ex-)Vorsitzende Ralph Leroy.

Dompropst Helmut Poqué reagierte enttäuscht. „Ich bedauere die Missverständnisse, die dazu geführt haben“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. „Vor einigen Wochen habe ich noch einmal persönlich mit dem Vereinsvorstand gesprochen, aber es war wohl zu spät“, erklärte Monsignore. Und bedankte sich für weitere 80.000 Euro, die der Verein gerade nach der Auflösung seiner Konten für die Sanierung der Nikolauskapelle des Aachener Münsters überwiesen hat. Über 430.000 Euro hatte der Förderverein bis dahin spendiert. So konnten — unter anderem — die Strahlenkranzmadonna gesichert, erhebliche Bestandteile der Dombeleuchtung erneuert, die Karlsbüste konserviert und das derzeitige Schloss am Marienschrein finanziert werden.

Mit der kostspieligen Restaurierung der Karlsbüste hatte der Ärger 2005 begonnen. Obwohl vorab für die Aufarbeitung der Büste 35.000 Euro vereinbart waren, legte das Domkapitel Rechnungen über 71.000 Euro auf den Tisch — eine Kostenexplosion um gut 100 Prozent. „Nach kritischer Prüfung sämtlicher Einzelbelege musste das Domkapitel seinerzeit die Rechnung auf rund 53.000 Euro korrigieren, weil verschiedene Einzelpositionen weder in der Sache noch in der Höhe nachzuvollziehen waren“, gab Leroy zu Protokoll.

Was Förderer und Sponsoren noch mehr erzürnte: „Uns wurde eine schriftliche Dokumentation der Arbeiten versprochen. Wir wurden immer wieder hingehalten, immer wieder vertröstet. Mittlerweile warten wir darauf seit sieben Jahren“, schilderte Leroy. Noch im Mai 2013 hatte der Leiter der Domschatzkammer, Georg Minkenberg, Versäumnisse eingeräumt und beteuert, dass 23 Seiten der Dokumentation fertig seien, „die ist diese Woche komplett“.

Die Broschüre wurde nie fertiggestellt. Kritik gilt auch der Zahlungsmoral des Domkapitels. So seien diverse Rechnungen aus dem Verkauf von Domkalendern und sogenannten Seifentalern mit dem Konterfei Karls des Großen seit 2010 nicht beglichen worden. Für diese Merchandising-Artikel sei der Förderverein damals in Vorleistung getreten, hieß es. Daraufhin zog der Verein nun Konsequenzen: „Es besteht keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen beim Domkapitel Aachen“, teilte der Vorstand mit.

Leroy: „Dieser Weg zur Auflösung des Vereins, der 1985 als Initiative einiger junger Menschen geboren wurde, die sich für die Erhaltung des ersten deutschen Unesco-Weltkulturdenkmals engagieren wollten, fällt uns wirklich nicht leicht.“ Die Vorkommnisse ließen aber keinen Ausweg mehr zu, im Gegenteil: Sie „zeugen nicht von einer angemessenen Anerkennung und Wertschätzung des Engagements des Fördervereins“.

Bereits Mitte 2013 war die Auflösung in Betracht gezogen worden. Zweifel, Verärgerung und Missverständnisse konnten offenbar auch nach über einem halben Jahr nicht zur Zufriedenheit der Sponsoren ausgeräumt werden. Leroy vermutet, dass dem Domkapitel offenbar gerade im Karlsjahr und zur Heiligtumsfahrt genug Förder- und Sponsorengelder aus anderen Quellen zufließen. Außerdem akquiriert der renommierte Karlsverein als der deutlich finanzstärkere der beiden Dombaufördervereine weiterhin Millionensummen. „Offenbar braucht man uns nicht“, zeigte sich Leroy enttäuscht.

Ein Wiedersehen mit Dompropst Poqué könnte es trotzdem geben, vielleicht zu Beginn der Heiligtumsfahrt am 20. Juni. Dann wird im Dom nach sieben Jahren das Schloss des Marienschreins — in dem die Kirche Windeln und Lendentuch Jesu, das Kleid von Maria sowie das Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer aufbewahrt — in einer pompösen Zeremonie zerschlagen. „Traditionell wird dazu auch der Geldgeber für das wertvolle Schloss eingeladen“, erklärt Poqué. „Das war der Verein zur Erhaltung des Doms.“ Ob er mit Leroy rechnen sollte, darf bezweifelt werden. Fakt ist: Der Förderverein existiert nicht mehr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Feierlicher Auftakt zum Karlsjahr in der Kaiserstadt