Kommern: Spektakel und Nostalgie zum 60. Geburtstag des Freilichtmuseums Kommern

Kommern : Spektakel und Nostalgie zum 60. Geburtstag des Freilichtmuseums Kommern

Josef Mangold ist der einzige Museumsleiter der Welt, der qua Amt auch Schweinezüchter ist, Schweine- und Rinderzüchter genauer gesagt, und das kommt daher, weil das Museum, das er leitet, ein ziemlich einzigartiges ist.

Das Freilichtmuseum in Kommern ist ja den meisten Menschen im Umkreis von 150 Kilometern ein Begriff, aber was vielleicht nicht jeder weiß, ist, dass auch dieses einigermaßen statisch wirkende Museum sich ständig weiterentwickelt. Nicht nur, weil in Mechernich-Kommern immer mal wieder neue Gebäude aufgebaut und also ausgestellt werden, sondern auch, weil das Museum über eigene Ausstellungshallen verfügt, die gar nicht mal so klein sind, im Gegenteil.

Josef Mangold (li.) ist erst der dritte Museumsleiter im 1958 gegründeten Freilichtmuseum. Foto rechts: Fachwerkhäuser in der Baugruppe Eifel. Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR

Das Freilichtmuseum begeht dieses Jahr seinen 60. Geburtstag, jedenfalls den 60. Jahrestag seiner Gründung. Zwar ist der Jahrestag bereits kommenden Mittwoch, aber die Feierlichkeiten dauern mehr oder weniger das ganze Jahr. Deswegen könnte 2018 eine ganz gute Gelegenheit sein, sich das größte deutsche Freilichtmuseum vielleicht wieder einmal anzuschauen.

Josef Mangold (li.) ist erst der dritte Museumsleiter im 1958 gegründeten Freilichtmuseum. Foto rechts: Fachwerkhäuser in der Baugruppe Eifel. Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR

Wer noch nie dort war, wird vielleicht nicht wissen, dass in Kommern in vier Baugruppen Häuser gezeigt werden: Eifel, Niederrhein, Westerwald und Marktplatz Rheinland. Und zwar keine Reihenhäuser aus Neubaugebieten, sondern für die jeweilige Region typische Häuser aus dem vergangenen und vorvergangenen Jahrhundert. Also Fachwerkhäuser, Bruchsteinhäuser, Häuser mit reetgedeckten Dächern. Diese Baugruppen bilden den Kern des Museums.

Die Häuser sind ausgestattet, wie es für die Zeit typisch war, in der sie entstanden sind. Bei einem Besuch im Freilichtmuseum entsteht ein guter Eindruck, wie Groß- und Urgroßeltern so gelebt haben, zumal Angestellte des Museums handwerkliche Berufe aus alter Zeit präsentieren. Auch bäuerliche, und genau deswegen ist der Museumsleiter ja auch Schweinezüchter: In Kommern werden eigens alte Schweine- und Rinderrassen gezüchtet, damit auch ja jedes Detail stimmt und stimmig ist.

Eine Reise in die Vergangenheit

Ein Besuch in Kommern ist somit immer auch ein bisschen eine Reise in die Vergangenheit, ein bisschen Nostalgie. „Wir haben Stammgäste“, sagt Museumsleiter und Schweinezüchter Josef Mangold, „die kommen manchmal nur, um einen Spaziergang durchs Museum zu machen, um ein bisschen in der alten Zeit zu versinken.“

Dazu passt, dass das Museum jedes Frühjahr einen historischen Jahrmarkt veranstaltet, den „Jahrmarkt anno dazumal“. Anlässlich des 60. Museumsgeburtstages dauert dieser Jahrmarkt in diesem Jahr zwei Wochen: Er beginnt am Montag und endet am 8. April, er ist jeden Tag von 10 bis 19 Uhr geöffnet — außer am Karfreitag, 30. März.

Zu den Veränderungen des Museums gehört, dass der Blick nicht mehr nur in die Zeit von Groß- und Urgroßeltern zurückblickt, sondern seit einiger Zeit auch in die Bonner Republik. Mangold ist es tatsächlich gelungen, die Dorfkneipe Watteler, die lange im Nörvenicher Gemeindeteil Eschweiler über Feld stand, dort ab- und im Freilichtmuseum wieder aufbauen zu lassen. Im Ausstattungszustand von 1974, innen und außen. Dort können Besucher auch essen und trinken, und zwar genau das, was 1974 dort angeboten wurde. Mangold sagt, dass Menschen aus Eschweiler über Feld nach wie vor Jubiläen, Geburtstage und andere Feiern bei Watteler feiern, sie kommen also eigens von Nörvenich nach Mechernich-Kommern, immerhin 30 Kilometer. Natürlich im Wesentlichen die, die auch als junge Menschen schon bei Watteler gefeiert haben.

20 Millionen Besucher

Der demografische Wandel macht also auch vor dem Freilichtmuseum nicht halt, und so stellt Mangold fest, dass es zwar nach wie vor junge Familien gibt, die einen Tag in Kommern verbringen, dass aber auch vermehrt Senioren kommen, die einen direkten Bezug zu den Zeiten haben, die im Museum thematisiert sind. Sei es durch eigene Anschauung, sei es durch Erzählungen der Großeltern oder deren alte Kinderbücher.

Dennoch bleibt das Freilichtmuseum das am besten besuchte aller 14 Museen, die vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) getragen werden. Insgesamt sind seit der Eröffnung 1961 knapp 20 Millionen Besucher nach Kommern gekommen, vergangenes Jahr waren es 221.000. Und bei allem, was im Jubiläumsjahr alles geboten ist, könnten es dieses Jahr vielleicht noch ein paar mehr werden.