Archäologen staunen: Spätrömischer Münzschatz auf Acker am Niederrhein entdeckt

Archäologen staunen: Spätrömischer Münzschatz auf Acker am Niederrhein entdeckt

Der Schatz ist äußerlich eher unscheinbar: Kleingeld aus Kupfer, über 1200 Münzen, etwa so groß wie Cent-Stücke. Aber für die Archäologen sind die spätrömischen Münzen ein Schatz - dazu noch ein geheimnisvoller.

Auf einem Acker am Niederrhein sind Schatzsucher auf den Münzschatz gestoßen. Das Kupfer-Kleingeld stammt aus dem 4. und 5. Jahrhundert, wie der Landschaftsverband Rheinland (LVR) am Freitag mitteilte. Die ehrlichen Finder hatten die Münzen mit Metalldetektoren auf einem Acker in Mönchengladbach entdeckt.

Die Archäologen fanden an der Fundstelle auch noch Spuren eines Hauses aus dieser Zeit - „vermutlich von einem Händler oder einem Bauern“, sagt die LVR-Archäologin Kerstin Kraus. Der oder die Unbekannte habe die Barschaft im Haus versteckt oder sogar vergraben: Eine Summe im Wert von sieben Tageslöhnen eines Landarbeiters. Warum später niemand das Geld aus dem Versteck holte, ist ein Geheimnis, das die Wissenschaftler beschäftigt.

„Man darf wohl am Ende der römischen Herrschaft hier im Rheinland dramatische Ereignisse vermuten, wenn jemand sein Geld versteckt und es nicht wieder abholt“, sagte Nordrhein-Westfalens Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). Zu der Zeit gab es schon erste Ansiedlungen der Franken, die friedlich und auch weniger friedlich mit der römische Bevölkerung auskamen.

Marcel Spreyer (links) und Matthias Budzicki stehen in der archäologischen Ausgrabungsstätte. Die zwei Finder haben eine große Menge Münzen aus dem 4./5. Jahrhundert mit Detektoren entdeckt. Foto: dpa/Christophe Gateau

Der Fund ist wissenschaftlich so bedeutend, dass er ins Schatzregal des Landes aufgenommen wird, wie der Leiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege, Professor Jürgen Kunow, sagte. Zum 2013 gegründeten Schatzregal gehören demnach bisher 20 bedeutende archäologische Funde, die in den Besitz des Landes übergegangen sind - bei Tausenden archäologischen Funden, die dem Land pro Jahr gemeldet werden.

Bedeutend sind die Münzen, weil sie in der Forschung einen Blick aufs römische Hinterland werfen und auf eine Zeit, über die noch nicht so viel bekannt ist, wie die Archäologen feststellten.

Kerstin Kraus (links), Archäologin beim Landschaftsverband Rheinland zeigt NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU, rechts) den Münzschatz am Niederrhein. Foto: dpa/Christophe Gateau

Zu verdanken haben sie das den beiden ehrlichen Findern. Die beiden offiziell lizensierten Schatzsucher haben 1000 Euro Finderlohn vom Land bekommen. Dass sie ausgerechnet auf dem Acker gesucht haben, ist nicht nur Finderglück. „Wir haben viel gelesen und dann bekommt man eine Idee, wo die Römer durchgezogen sein könnten. Und dann versucht man sein Glück“, sagte einer der beiden Finder, Matthias Budzicki.

Illegale Schatzsucher würden ihren Fund verkaufen oder zuhause in die Vitrine stellen. „Und wenn sie dann sterben, werfen die Nachkommen das weg und dann ist es für immer verloren.“

Die Münzen selbst sind eher unscheinbar - doch für Fachleute von großem Wert. Foto: dpa/Lothar Kornblume

Über 100 Münzen sammelten die beiden Finder auf einen Schlag ein: Münzen, die auf dem ersten Blick wie winzige Knöpfe aussehen. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die feinen Prägungen zu erkennen: Göttinnen mit Haarkränzen, Kaiser und immer wieder auch stattliche Tor-Bauten.

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