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„Ein Fall von vielen“: Sozialpädagoge sah keine Hinweise auf Vergehen

„Ein Fall von vielen“ : Sozialpädagoge sah keine Hinweise auf Vergehen

Im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zum Kindesmissbrauch in Lügde hat ein Zeuge dementiert, dass die missbrauchte Pflegetochter in verwahrloste Zustände gegeben worden sei. Ihm sei bei seinem ersten Besuch nichts Bemerkenswertes aufgefallen.

Diese Aussage machte der Sozialpädagoge der Arbeiterwohlfahrt Höxter am Freitag als erster Zeuge des Ausschusses. „Das war für mich ein Fall von vielen“, sagte der 54-Jährige. Sein erster Eindruck auf dem Campingplatz sei gewesen: „Da muss ein Kind nicht leben, aber das war weit entfernt von Kindeswohlentfernung.“ Von sexueller Gewalt sei im Austausch mit dem Jugendamt nie die Rede gewesen.

Er könne sich auch nicht erinnern, vom Jugendamt Hameln-Pyrmont Hinweise auf schwerwiegende Vorwürfe gegen den Pflegevater erhalten zu haben. Der Täter war im September zu einer 13-jährigen Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden.

Er habe die Familie des Pflegekindes ein Vierteljahr betreut, sagte der Sozialpädagoge. Er habe in der Familienhilfe „immer mit seltsamen Menschen zu tun“. Der Umgang des Mädchens mit dem Mann sei ihm vertrauensvoll erschienen. Auf dem Campingplatz sei ihm nichts aufgefallen: „Da stand kein Schild an der Tür: Ich habe Sex mit Kindern.“

Der Untersuchungsausschuss durchleuchtet seit September 2019, inwieweit Fehleinschätzungen oder Versäumnisse von Regierungsstellen oder Behörden den massenhaften und jahrelangen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde begünstigt haben. Das Landgericht Detmold hatte im Herbst langjährige Freiheitsstrafen und Sicherungsverwahrung gegen die Haupttäter verhängt. Ob der Fall Lügde strafrechtliche Folgen für Polizisten und Mitarbeiter von Jugendämtern in NRW und Niedersachsen haben wird, ist noch offen.

(dpa)