Köln/Düsseldorf: Sohn von Beltracchi-Anwalt dreht Film über den Kunstfälscher

Köln/Düsseldorf: Sohn von Beltracchi-Anwalt dreht Film über den Kunstfälscher

Arne Birkenstock, der Sohn des Verteidigers von Wolfgang Beltracchi, dreht einen Dokumentarfilm über den verurteilten Kunstfälscher. Der Film wird mit 375.000 Euro von der Film- und Medienstiftung NRW und 50.000 Euro vom Bund gefördert.

Einen Interessenkonflikt sieht Birkenstock in seinem Filmprojekt nicht. Er wolle „keinen Werbefilm für Beltracchi” machen, sagte der Filmpreisträger Birkenstock am Mittwoch. „Ich habe mir mit viel Mühe einen Ruf als Dokumentarfilmer aufgebaut, den werde ich nicht einreißen, um meinem Vater zu gefallen.”

Anders als einige andere Medien bekommt Birkenstock für seine Doku einen direkten Zugang zum Ehepaar Beltracchi, das seine Haftstrafe im offenen Vollzug verbüßt. „Der erste Kontakt lief über meinen Vater”, sagte Arne Birkenstock. Reinhard Birkenstock war einer der Verteidiger Wolfgang Beltracchis in dem Kölner Kunstfälscher-Prozess. Da viele Aussagen der Beltracchis eine juristische Relevanz hätten, sei ihm als Sohn des Anwalts „vielleicht mehr Vertrauen entgegengebracht worden als anderen”, sagte Arne Birkenstock. „Es gibt Leute, die sehen das sehr kritisch. Das verstehe ich auch.”

Bisher haben die Beltracchis nur selten Interviews gegeben, unter anderem dem „Spiegel”. Die Autoren eines kürzlich erschienenen kritischen Buches über den Fall, Stefan Koldehoff und Tobias Timm, bekamen kein Interview. „Ich will ganz klar sagen: Mein Vater hält nicht die Hand darauf”, sagte Birkenstock. „Alleine die Beltracchis entscheiden wer sie interviewt und wer nicht. Die Beltracchis haben auch sehr genau geprüft, ob sie bei diesem Film mit mir zusammenarbeiten wollen oder nicht.”

Beltracchi hatte einen der größten Skandale auf dem deutschen Kunstmarkt ausgelöst. Im Herbst 2011 war er nach einem Geständnis zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er im offenen Vollzug verbüßt. Er hatte zusammen mit seiner Frau und einem Komplizen gestanden, jahrelang Fälschungen als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Markt geschleust zu haben. Dafür kassierte er mindestens 16 Millionen Euro und führte ein Luxusleben.

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