„Woche des Sehens“: So beugt man Augenschäden vor

„Woche des Sehens“ : So beugt man Augenschäden vor

Plötzlich hat man den Eindruck, dass die schmalen Linien der Fliesen im Badezimmer leicht gekrümmt sind. Dass der Kirchturm, auf den man seit Jahren blickt, nicht mehr gerade steht und sich ein grauer Schleier über das Umfeld legt. Keine Einbildung. Das können alarmierende Hinweise auf eine Erkrankung der Augen sein.

Da gibt es nur den Weg zum Augenarzt. Im Rahmen der „Woche des Sehens“, die bundesweit ab heute bis zum 15. Oktober dauert, veranstaltet unsere Zeitung am kommenden Freitag, 12. Oktober, in der Zeit von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, eine Telefonaktion, bei der die Anrufer alles rund um die Gesundheit der Augen fragen können.

Antworten liefern Anne Hunold, Tobias Stein und Anna Katharina Röpke, niedergelassene Fachärzte in Aachen. Die „Woche des Sehens“, die in diesem Jahr zum 17. Mal stattfindet, ist eine gemeinschaftliche Initiative von sieben Verbänden, Selbsthilfegruppen und international tätigen Hilfswerken, die sich mit den Themen Blindheit und Sehbehinderung befassen. „Noch immer droht Erblindung, wenn man ein Augenproblem nicht ernst nimmt“, betont Anne Hunold. „Und es gibt durchaus Vorzeichen, bei denen Patienten schnell reagieren sollten.“

Mit der Anschaffung einer neuen Brille ist es häufig nicht getan – Stichworte wie Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), Diabetische Retinopathie, Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom) bis hin zu Netzhautablösung und Retinitis Pigmentosa, in deren Verlauf die Zellen der Netzhaut mehr und mehr absterben, sowie Gefäßerkrankungen – das sind die „Spitzenreiter“ auf der Liste der Augengefahren.

Die Altersbedingte Makuladegeneration wird häufig unterschätzt, weil sie keine Schmerzen verursacht und die Sehschärfe im Anfangsstadium nur unerheblich mindert. In der Netzhaut der Augen kommt es dabei zu Pigmentveränderungen und Ablagerungen. Man vermutet, dass die Pigmentschicht unter der Stelle des schärftsten Sehens (Makula) auf der Netzhaut durch Stoffwechselprodukte geschädigt wird. „Erste Anzeichen können sein, dass normalerweise gerade Linien schief erscheinen, dass beim Lesen Buchstaben verschwinden oder die Übergänge vom Hellen zum Dunklen schwerfallen“, erklärt Hunold.

18 Prozent der Menschen im Alter ab 70 Jahre und bereits 47 Prozent der über 85-Jährigen sind betroffen. Bei 80 Prozent der Patienten stellt der Augenarzt die trockene AMD fest, die eher langsam voranschreitet und nicht behandelt, aber durch Vitamine und Mineralien beeinflusst werden kann. Hat sich bereits ein dunkler Fleck in der Mitte des Blickfeldes gebildet, wird es kritisch. „Eine frühzeitige Therapie kann ein Fortschreiten deutlich verlangsamen“, versichert die Ärztin.

Bei der feuchten Makuladegeneration ist das anders, sie verläuft aggressiver. Unter der Makula (Netzhaut) bilden sich neue, krankhafte Gefäße. Sie produzieren eine Flüssigkeit (daher „feucht“), die dafür sorgt, dass die Netzhaut von der sie ernährenden Epithelschicht abgehoben wird.

Bei der Aktionswoche aktiv: Die Augenärztin Anne Hunold. Foto: Denise Krentz

Dabei lässt sich die feuchte AMD, die rasch zum Verlust des Sehvermögens führen kann, zumindest behandeln. „Wir wissen, dass der Botenstoff VEGF Auslöser eines krankhaften Gefäßwachstums im Auge ist“, erklärt Hunold. „Wir haben Medikamente, die ihn hemmen.“ Wie das gelingt, dazu können die Fachärzte bei der Telefonaktion Auskunft geben. Beide Erkrankungsformen sind nicht heilbar, aber die trockene AMD schreitet eher langsam fort.

Wird die Netzhaut durch einen schlecht eingestellten „Diabetes mellitus“ (Zucker) geschädigt, kann auch das zu einem dramatischen Sehverlust führen. „Wer sich von seinem Hausarzt gut begleiten lässt, versäumt den regelmäßigen Augenarzttermin nicht“, weiß Hunold. Doch das ist nicht bei jedem Patienten so. Hier verläuft die Erkrankung gleichfalls schleichend, erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt der Betroffene ein Nachlassen der Sehkraft. Durch Früherkennung, etwa eine Laserbehandlung, wird viel erreicht. Und: Patienten müssen selbst etwas tun, auf ihre Blutzuckerwerte achten, Diätempfehlungen befolgen, auf Nikotin verzichten und sollten nur mäßig Alkohol trinken. „Bereits bei Erwerbstätigen im Alter zwischen 40 und 60 Jahre sehen wir solche Veränderungen“, warnt die Ärztin. „Eine Schädigung kann man meist nicht rückgängig machen.“

Und wann sollte man den „Grauen Star“ (Katarakt) operieren? Das kommt auf den Patienten an. Die Trübung der Augen tritt im fortgeschrittenen Lebensalter auf, Farben verlieren ihre Leuchtkraft, der Blick wird „grau“, wie durch Milchglas. Die Katarakt-Operation, bei der die eingetrübte Linse entfernt und eine künstliche Linse implantiert wird, gilt als risikoarm und ist ambulant möglich.

Dramatischer sieht es beim „Grünen Star“ (Glaukom) aus. Eine Million Menschen tragen in Deutschland das Risiko in sich, dass der Sehnerv durch den überhöhten Augeninnendruck geschädigt wird, weil er hierdurch mangelhaft durchblutet wird. „Im Alter ab 40 Jahre sollte man den Druck daher überprüfen lassen“, rät Anne Hunold. Das Glaukom (genauer gesagt das „Offenwinkelglaukom“) ist noch immer eine Ursache für Erblindung. Der plötzlich auftretende Glaukomanfall mit starken Schmerzen und dramatischer Sehverschlechterung ist ein Notfall.

Netzhautablösungen können zahlreiche Ursachen haben. Betroffen ist die innere lichtempfindliche Schicht der Netzhaut, auch hier steigt das Risiko mit dem Alter. Erste Anzeichen: „Lichtblitze“ bei geschlossenen Augen, das Sehen von Rußflocken oder „tanzenden Mücken“, wo keine sind. In vielen Fällen kann der Augenarzt helfen, wenn man ihn frühzeitig fragt. „Das ist wichtig“, betont Hunold. „Patienten, die akute Symptome haben, sollte diese beim Anruf in der Praxis genau beschreiben, dann kann man entsprechend reagieren, dann gibt es auch keine lange Wartezeit.“

Eine weit verbreitete Plage: das trockene Auge. Es juckt und schmerzt, was ist da los? „Feinstaub durch den Laserdrucker, Klimaanlagen und nicht zuletzt der dauernde Blick auf den Computer sind häufig Auslöser“, meint die Augenärztin, wobei sie zwei Situationen unterscheidet: entweder, der Körper produziert zu wenig Tränenflüssigkeit, oder der Tränenfilm verdunstet zu rasch. Beides kann man herausfinden und behandeln.

Diese und zahlreiche andere Augenprobleme können unsere Leser am Freitag, 12. Oktober, mit den Ärzten besprechen. Die Rufnummern werden am Tag der Telefonaktion in unserer Zeitung veröffentlicht.

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