Sittard: Sittard hat eine neue Straße voller Millionäre

Sittard: Sittard hat eine neue Straße voller Millionäre

Elf Millionäre in einer Straße, diesmal in der Grenzstadt Sittard: Möglich macht das die Postleitzahlenlotterie in den Niederlanden. Die Hälfte der diesmal ausgeschütteten 43,9 Millionen Euro ging 2015 in die Doppelstadt Sittard-Geleen in Höhe der Gemeinde Selfkant.

Den höchsten Einzelgewinn in Höhe von 3,1 Millionen erzielte eine Familie mit zwei Kindern.

Sie muss davon 29 Prozent Steuern bezahlen und will sich vom großen Rest ein neues Auto kaufen, ihr altes Leben aber weitgehend beibehalten. Noch bevor die Gewinner in einer eigens für sie organisierten Zusammenkunft informiert wurden, lag schon die erste Werbung im Briefkasten, von einer Firma, die Überwachungskameras anbietet. Die Lotterie wird immer zum Jahreswechsel ausgespielt. 2014 war das niederländische Dorf „Vrouwenpolder“ auf Walcheren der Hauptgewinner, wo jeder zweite Bewohner einen Treffer erzielte.

Der niederländische Postcode, ähnlich der deutschen Postleitzahl, verhalf den Bewohnern zum Glück. Denn in Holland spielen die Teilnehmer nicht mit persönlichen Glückszahlen, sondern mit ihrem Postcode. Der besteht aus vier Zahlen, die für einen Ort oder Ortsteil stehen, und zwei Buchstaben, die eine Straße oder eine Häuseransammlung mit maximal 25 Adressen definiert.

Allerdings gibt es nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Ein Bewohner der Siegerstraße in Sittard, der ein Lotto-Abonnement hat, ist der große Pechvogel. Sein Konto war überzogen, so dass der Glücksspiel-Obolus nicht abgebucht wurde und er an der großen Dezember-Ausspielung nicht beteiligt war. Ihm sind möglichweise Millionen durch die Lappen gegangen. Andere Bewohner der Straße waren umgezogen und hatten ein neues Los mit anderem Code gekauft.

Untersuchungen der Universität Tilburg haben ergeben, dass die meisten Lotterie-Teilnehmer aus Angst vor Enttäuschung mitmachen. Die Postcode-Lotterie ist nämlich das einzige Gewinnspiel, bei dem auch Nicht-Spieler erfahren, dass sie hätten gewinnen können. Bei ihnen kann sich große Frustration aufbauen. So gab es auch schon Prozesse gegen die Ausspielung, eine Frau aus Brabant klagte im Jahr 2005, weil sie sich emotional geschädigt fühlte. Die Frau verlor den Prozess jedoch.

(hau)
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