Simpelveld: Simpelveld: Ein Tag am Bahnhof wie vor 100 Jahren

Simpelveld: Simpelveld: Ein Tag am Bahnhof wie vor 100 Jahren

Auf dem Bahnhof in Simpelveld scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Alte Koffer stehen auf dem Bahnsteig, als seien sie vor Jahrzehnten vergessen worden. Die Reklametafeln werben für Produkte, die es längst nicht mehr gibt. Und die Uhrzeiger müssen per Hand gedreht werden, um den Fahrgästen die Abfahrts- oder Ankunftszeit der Züge zu zeigen.

Auf solche Details legen die Ehrenamtler der Südlimburgischen Dampfeisenbahngesellschaft (ZLSM) großen Wert. Alles soll so authentisch wie möglich sein. Am Wochenende können sich Besucher selbst davon überzeugen. Dann wird die Eröffnung des Bahnhofs Simpelveld vor genau hundert Jahren mit Nostalgietagen gefeiert.

Als der Bahnhof in Betrieb ging, war er mit 100 Metern Länge einer der größten im Süden der Niederlande. Damals suchten die Menschen bei den Steinkohleminen nach Arbeit. Die Transporte in das südlimburgische Steinkohlerevier steigerten sich enorm. Simpelveld avancierte zu einem bedeutenden Grenzbahnhof. Der Ausbau der Strecke bis Schaesberg kostete damals zwölf Millionen Gulden für 12,5 Kilometer. Der für die damalige Zeit unvorstellbar hohe Betrag brachte der Linie ihren Namen im Volksmund ein: „het Miljoenenlijntje” (die Millionenlinie).

Anfang der 1960er Jahre begann der Niedergang. 1988 wurde die Linie stillgelegt. Noch im gleichen Jahr gründete sich die ZLSM. Seitdem betreiben sie den Bahnhof und halten ihn in Schuss.

Das Bahnhofgelände bietet viele Gelegenheiten, einen Eisenbahnfan ins Schwärmen zu bringen: Drehscheibengrube, Wasserturm, Kohlenbunker, Wassersäule und Werk- und Waggonhallen. Das Restaurant, das sich heute wieder im Stil der 1920er-Jahre präsentiert, diente damals als Visitationsraum des Zolls. Wo sich heute die Küche befindet, saß seinerzeit der Kassierer.

Die Eisenbahnfreunde haben ganz klein angefangen. Als der reguläre Betrieb eingestellt wurde, gründeten einige Enthusiasten den Verein. „Sonst hätte das hier das Ende bedeutet”, sagt Jos Geilen. Er kennt den Bahnhof und seine Geschichte in- und auswendig, schließlich ist er der Archivar der Dampfeisenbahngesellschaft. Bevor es richtig losgehen konnte, mussten einige Genehmigungen eingeholt werden. „Man darf nicht ohne weiteres Eisenbahn spielen”, sagt Geilen.

Dampfloks sollten in Simpelveld verkehren, aber in den Niederlanden war keines der schwarzen Ungetüme mehr zu bekommen. Als sich die Chance ergab, vier Dampfloks aus Schweden zu übernehmen, griffen die Eisenbahnfreunde zu. Die Personenwagen wurden in Belgien gefunden und aufwendig restauriert.

Heute halten rund 240 ehrenamtliche Mitarbeiter den Betrieb aufrecht. Sie sind Gastwirt, Neurologe, Schreiner oder Zahnarzt - jeder packt da an, wo er kann. „Ohne die würde kein Zug laufen”, sagt Jos Geilen, gelernter Industrie-Designer. „Die meisten denken, die spielen nur. Aber das ist hier ein richtiger Betrieb, wir müssen die gleichen Voraussetzungen erfüllen wie die niederländische oder die Euregiobahn.”

Für so manchen der ehrenamtlichen Helfer hat sich ein Kindheitstraum erfüllt. Die ZLSM bietet nämlich auch Kurse und Schulungen an: zum Diesel- und Dampflokführer, Heizer, Fahrdienstleiter, Rangierer oder Schaffner. Neben den Freiwilligen gibt es einige wenige hauptamtliche Kräfte, die für einen reibungslosen Betrieb sorgen. Sie könnten eine Lok komplett zerlegen und wieder zusammenbauen, erzählt Geilen. „Das sind ihre Babys, ihr ganzer Stolz.”

Das Programm der Nostalgietage

Während der Nostalgietage am 12. und 13. Juni kann man sich rund um den Bahnhof Simpelveld 100 Jahre zurückversetzen lassen.

Am Sonntag wird der Bahnhof mit historischem Zeremoniell erneut eröffnet. Auf den Straßen wird ein Flohmarkt organisiert.

Außerdem kann man auf den Bahnsteigen altes Handwerk und historische Transportmittel bewundern, traditionelle Leckereien genießen und Menschen in historischer Kleidung begegnen.

Die Züge der Südlimburgischen Dampfeisenbahngesellschaft verkehren im Juni an allen Sonntagen und mittwochs zwischen Valkenburg, Simpelveld und Kerkrade. Die Züge fahren auch nach Vetschau und zurück.