Düsseldorf/Aachen: Sexualstraftäter: 33 von knapp 1400 rückfällig

Düsseldorf/Aachen: Sexualstraftäter: 33 von knapp 1400 rückfällig

Es hat sich ausgeschwiegen. Noch vor wenigen Wochen hatte sich das Landeskriminalamt (LKA) geweigert, die Zahl der rückfälligen Sexualstraftäter in NRW zu nennen. Im Innenausschuss des Landtags hat das Innenministerium nun die Zahlen im Bezug auf die 2010 eingeführte „Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“ („Kurs“) unter dem Teppich hervorgeholt. Zumindest jene für 2011.

Von seinerzeit knapp 1400 haftentlassenen Tätern auf der „Kurs“-Liste seien 33 rückfällig geworden, so Wolfgang Düren, Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium. Grund für den gestrigen Bericht waren vier mutmaßliche schwere Rückfälle Anfang des Jahres in Aachen, Eschweiler, Stolberg und Düren binnen weniger Wochen. Die beiden ersten Fälle wurden von unserer Zeitung öffentlich gemacht, während die Behörden diese zunächst verschweigen wollten. Opfer waren zwei Frauen, ein dreijähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge.

Die Landesregierung wertet „Kurs“ als Erfolg. Studien gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Sexualstraftäter rückfällig werden. Die Quote in NRW liegt deutlich darunter. Für 2012 lägen noch keine Zahlen vor, so Düren. Auf den Tisch gelegt wurden auch die Zahlen, wie viele „Kurs-Probanden“ als stark rückfallgefährdet gelten.

Dies sind von aktuell 1130 Personen 179. Weitere 598 gelten als stark rückfallgefährdet, wenn „stabilisierende Faktoren“ wegfallen. Auch diese Zahlen wollte das LKA jüngst nicht nennen. Die damals angeführten Begründungen für das Verschweigen der Zahlen wurden nun über Bord geworfen. Gegenüber unserer Zeitung hatte es seitens des LKA geheißen, die Öffentlichkeit könne die Zahlen „schwierig einordnen“.

Auch der Aachener Polizeipräsident hatte die lokalen Zahlen zunächst verschwiegen. Am Donnerstag gab es auch hier mehr Offenheit: Demnach stehen auf der aktuellen „Kurs“-Liste der Aachener Polizei, die für die Städteregion zuständig ist, 32 entlassene Sexualstraftäter. Seit Beginn des Projektes seien es 63 gewesen. Drei von ihnen seien rückfällig geworden — für den vierten Fall in Düren ist die Aachener Polizei nicht zuständig.

Damit hat die Offenheit ihr Ende. Wie viele „Kurs-Probanden“ in Aachen in welcher Kategorie geführt werden, bleibt weiter Geheimsache. Es sei die Vorgabe des Innenministeriums, vor Ort bei den Zahlen nicht so ins Detail zu gehen, hieß es gestern bei der Aachener Polizei. Also wird hierüber auch weiterhin geschwiegen. Die Seite drei

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