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Aachen: Seriöser Blick ins Innenleben des Klinikums

Aachen : Seriöser Blick ins Innenleben des Klinikums

Was George Clooney und Kollegen jahrelang im „Emergency Room” geschminkt und wohlfeil nach Drehbuchdialogen zum Besten gegeben haben, wird bald im Scheinwerferlicht der Realität über die RTL-Mattscheibe flimmern - und zwar aus dem Aachener Universitätsklinikum.

Nachdem bereits vor rund zwei Monaten ein Trailer produziert worden ist, geht der Ärztliche Direktor des Klinikums, Professor Henning Saß, davon aus, dass im Dezember oder Januar die Dreharbeiten zu der Doku-Soap-Serie beginnen, die wahrscheinlich „Das Klinikum” heißen wird. Vielleicht gehe die erste Folge bereits im März über den Sender, mutmaßt der Universitätsprofessor. Von RTL war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Inhaltlich wird die Reality-Serie nicht wie in der fiktiven US-Variante auf die Notfallaufnahme beschränkt sein. Vielmehr geht es um „Geschichten aus dem Innenleben des Hauses”, wie der Ärztliche Direktor in einem Rundbrief an die Mitarbeiter schreibt. Denn vor allem auch um sie dreht sich die Serie.

„Der rote Faden sind die Menschen des Universitätsklinikums: die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger, der Technische Dienst, die Wirtschaftsdienste und auch die Patienten und deren Angehörige”, führt Saß weiter aus.

Ob es wie geplant 100 Folgen geben wird, hänge natürlich auch von der Gunst der Fernsehzuschauer ab, meint der Leiter des Betriebscenters des Uni-Klinikums, Ulrich Fleitmann. Aber generell habe das Großkrankenhaus das Potenzial für mehr als 100 Folgen - Operationssäle, Intensivstationen, Kantine, Hausmeister, Betriebsfeuerwehr und, und, und.

Fleitmann kommt bei den Dreharbeiten eine besondere Rolle zu. Als Leiter des Betriebscenters betreut er alle Servicebereiche, die nichts mit Technik und Verwaltung zu tun haben. Als eine Art Scharnier soll er bei den Dreharbeiten dafür sorgen, dass die Kooperation zwischen Fernsehteam und den einzelnen Bereichen der Uni-Klinik reibungslos abläuft. Als Pendant deckt Dr. Ursula Fabry den medizinischen (Beratungs-)Bereich ab.

Darüber hinaus legt das Klinikum großen Wert darauf, dass die Serie nicht zur Seifenoper ausartet. Vor dem Hintergrund der großer Qualitätsschwankungen auf dem boomenden Markt der Reality-Sendungen betont Fleitmann: „Diese Doku-Soap muss absolut seriös sein und darf nicht reißerisch aufgenommen werden. Zudem dürfen keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Alles andere wäre ja haarsträubend.”

Entsprechende Vorkehrungen würden getroffen. So betont Saß: Zum einen „werden wir sehr wohl darauf achten, dass durch die Dreharbeiten die medizinischen Abläufe ebenso wenig gestört werden wie Forschung und Lehre.”

Zum anderen sei es „eine unabdingbare Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit RTL, dass nur Dinge gezeigt werden, mit denen wir uns einerseits identifizieren können und die andererseits unsere hohen Ansprüche an Diskretion und Intimsphäre erfüllen”.

Der Datenschutzbeauftragte des Hauses sei bei den Verhandlungen dabei gewesen, sagt Fleitmann und versichert, dass niemand gegen seinen Willen gefilmt werde. Das Personal ist laut Saß per Rundschreiben und durch die Mitarbeiterzeitung über das Vorhaben unterrichtet worden.

Am Montag folge eine Informationsveranstaltung über das Projekt, das die Klinikleitung als Chance ansieht, sich einer breiten Öffentlichkeit darzustellen. Schließlich gebe es noch immer Menschen, die „Angst vor dem Gebäude haben, weil es groß und unübersichtlich ist”, ergänzt Fleitmann: „Jetzt zeigen und offenbaren wir uns, indem die Vielfalt unseres Hauses dargestellt wird.”

Die Idee ist indes nicht neu. Die Kölner Produktionsfirma Levision hat bereits Ende der 90er Jahre ein Pilotprojekt unter dem Titel „Das Klinikum” in Aachen gedreht. „Seitdem gibt es immer wieder Gerüchte, dass aus dem Grundkonzept eine Serie gemacht wird”, sagt Regisseur Thorsten Levin, der an der aktuellen Serie nicht beteiligt ist. Das übernimmt die Firma CNC des ehemaligen RTL-Chefredakteurs Dieter Lesche, die vor einigen Monaten an die Uni-Klinik herangetreten war.

Nach „einem langwierigen Abwägen von Pro und Kontra” habe man sich zu dem Schritt entschlossen, sagt Saß. Und vielleicht wird ja in Aachen ein neuer George Clooney entdeckt.