Aachen: Serie „Unser Sommer“: „Neues zu entdecken, lohnt sich immer wieder“

Aachen: Serie „Unser Sommer“: „Neues zu entdecken, lohnt sich immer wieder“

Der Sommer ist schon länger da, nun beginnen in der kommenden Woche auch die großen Ferien in Nordrhein-Westfalen. Viele wird es dann in die Ferne ziehen. Für alle unternehmungslustigen Leser, die zu Hause bleiben, haben wir Ausflugstipps zusammengetragen.

Jede Woche in den Sommerferien stellen wir Ihnen immer in der Montagsausgabe ein Ziel am Rande unserer Region vor. Ob Wanderung, Tierpark oder der Städtetrip nach Köln — für jeden ist etwas dabei.

Lohnenswerte Ziele am Rande unserer Region: Wanderung im Hohen Venn, Städtetrip nach Köln oder barfuß in der Brunssumer Heide — für jeden Geschmack ist etwas dabei. Foto: Bornefeld

Für Sie unterwegs war die freie Journalistin Rauke Xenia Bornefeld. Seit 15 Jahren lebt die gebürtige Göttingerin nun schon in Aachen, und sie geht noch immer gerne auf Erkundungstour. „In der Region gibt es noch so viele weiße Flecken für mich auf der Landkarte, ich muss einfach immer wieder raus, um etwas Neues zu entdecken. Das lohnt sich immer wieder“, sagt sie.

Unterwegs für unsere Leser: Journalistin Rauke Xenia Bornefeld. Foto: Marc Heckert

Mit dabei war (fast) immer ihre Familie: Mann Gero, der Leiter der Forschungsförderung an der RWTH Aachen ist, die Kinder Moritz (9) und Lilli (12), und der 20-jährige Flüchtling Shahin aus dem Iran, der seit einigen Monaten bei den Bornefelds lebt. Mitschleppen musste die 45-Jährige sie nicht. „Die haben mich freiwillig begleitet und hatten ihren Spaß. Wir haben so viele Wochenenden miteinander verbracht und gemeinsam eine tolle Zeit gehabt.“

Bornefeld Foto: Bornefeld

Bornefeld ist kein Kind der Region. Eher könnte man sie als Nordlicht beschreiben. Sie wuchs in Hameln auf und volontierte erst bei der Ostfriesenzeitung, bevor sie in Münster Politik, Sport und evangelische Theologie studierte — ein eher ungewöhnlicher Weg. Mittlerweile sind die Bornefelds aber in Aachen und in der Region heimisch geworden.

Das liegt zum einen an der rheinischen Mentalität, die Bornefeld viel mehr liegt als die Kühle der Norddeutschen. „Die lassen einen nicht so schnell in ihr Herz“, sagt sie. „Die Rheinländer sind dafür unverbindlicher, das musste ich erst lernen.“ Zum anderen ist Bornefeld eine wahre Anpassungskünstlerin. Sie schätzt die Weite in Ostfriesland, oder die Kulturlandschaft rund um Münster, die ihren eigenen Reiz versprüht.

An der Aachener Region liebt sie besonders die Vielfalt: die spröde Schönheit des Hohen Venns, die Ruhe und Einsamkeit in den Wäldern oder die Weite der Wiesenlandschaft des Mergellandes. Eine Sache fehlt ihr aber auch, wie so vielen: „Einen Fluss, den vermisse ich schon“, gesteht sie. „Sonst fehlt mir hier aber nix“, sagt sie im Brustton der Überzeugung.

Mit offenen Armen empfangen

Denn Heimat ist da, wo sie mit der Familie ist, sagt Bornefeld. Wäre die Journalistin noch einmal in ihrem Leben gezwungen, wegzuziehen, hätte sie kein Problem damit, sich auf etwas Neues einzulassen. Blitzt da doch noch der kühle Pragmatismus der Norddeutschen hervor? Nein, denn die Menschen, die würden ihr sehr fehlen, sagt sie. „Die Aachener sind sehr speziell. Sie haben eine kodderige Schnauze, sind handfest, herzlich, ganz offen und nicht nachtragend.“

Fühlte sie sich von den Münsteranern immer etwas ausgeschlossen, hat man sie in Aachen mit offenen Armen empfangen. „Der Zugang zu den Menschen ist hier viel einfacher und unkomplizierter“, sagt Bornefeld, die für ihr Leben gern singt. Mindestens einmal pro Woche probt sie mit dem Aachener Bachverein, dem Chor der Annakirche.

Den Drang, ihre Umgebung zu erkunden, hat sie mit Sicherheit nicht von ihren Eltern geerbt. „Die haben sehr selten Ausflüge mit uns gemacht. Bestimmt habe ich daher so großen Nachholbedarf.“ Vielleicht zieht es sie deshalb nicht mehrmals an ein und dieselbe Stelle. „Ich habe keinen Lieblingsort, wie so viele Menschen.“

Auch im Urlaub steuert sie immer unterschiedliche Ziele an. „Ich habe einen Alltag mit vielen Freiheiten. Entspannung durch Bekanntes brauche ich da nicht.“ Ihre Tochter ist auch bereits vom Entdeckervirus befallen. Sie hat eine Landkarte in ihrem Zimmer hängen, auf der sie akribisch die Länder, in denen sie schon gewesen ist, mit kleinen Fähnchen markiert.

Von Beginn an hat Bornefeld das Dreiländereck fasziniert. „Es ist immer aufregend, die Grenzen zu überschreiten — auch wenn man sie kaum noch wahrnimmt. Es ist toll, dass meine Kinder sie gar nicht mehr kennen.“ Ihr neues iranisches Familienmitglied war dagegen total von den Socken, als sie auf dem Weg zur Brunssumer Heide die deutsch-niederländische Grenze passierten — und eben nichts passierte. Bei der Frage, in welches der beiden Nachbarländer es sie eher zieht, muss Bornefeld nicht lange überlegen: auf jeden Fall Belgien. Da ist nicht alles perfekt, vieles wirkt heruntergekommen. Aber das hat auf jeden Fall Charme.“

Bornefeld muss auch nicht weit weg. „Ans Meer zieht mich gar nichts“, sagt sie. Viel mehr liebt sie das Wandern in den Wäldern der Eifel, Kaffeetrinken am Markt im urigen Kornelimünster oder einfach nur das gemütliche Sitzen auf der heimischen Terrasse im Gutshof in Haaren. Besonders zu wohnen war den Bornefelds schon immer wichtig, eine Doppelhaushälfte kam nie in Frage. Und hier kann sie einer anderen Leidenschaft nachgehen: dem Gärtnern. „Das erdet mich im wahrsten Sinne des Wortes.“ Sie teilt sich — dann doch etwas spießig — ein Stück Land mit drei Freundinnen. Hauptsächlich als Nutzgarten, „aber Blömsche müssen auch dabei sein“, versucht sie sich am Öcher Platt und lacht.

Kein Favorit

Welches der sechs Ziele, die sie in Vorbereitung auf die „Unser Sommer“-Serie besucht hat, denn am schönsten war, darauf möchte sie sich nicht festlegen. „Es ist einfach der Mix, der unsere Region so einzigartig macht. Deshalb bin ich mir sicher, dass für alle Geschmäcker etwas dabei ist.“ So viel sei aber gesagt: Die Namen Haus Ternell und Hohes Venn hat sie sehr oft erwähnt. „Und ausgerechnet an dem Tag war ich alleine unterwegs“, ärgert sich Bornefeld. „Ich muss da unbedingt nochmal mit der Familie hin.“ Da trifft es sich doch gut, dass ihre Lieben so einen Spaß daran haben, sie auf ihren Ausflügen zu begleiten.

(olk)