Aachen: Seit 50 Jahren im Dienst für das niederländische Konsulat in Aachen

Aachen : Seit 50 Jahren im Dienst für das niederländische Konsulat in Aachen

Otto Eschweiler will keine langen Erzählungen über Monique Wiechert anstellen, „ich hab‘ eine nette Geschichte“, das muss reichen. Also gut, sagt Otto Eschweiler.

Zunächst müsse man wissen, dass die Frau Wiechert nicht nur im niederländischen Konsulat arbeitet, sie betreut ja auch die niederländischen Häftlinge in der Region, JVA Aachen, Jugendgefängnis Heinsberg. Eines Tages habe Eschweiler sie dazu mal etwas fragen müssen. „Ich sag‘ also: Sind da auch schwere Jungs bei?“ Klar seien da auch schwere Jungs bei, habe die Frau Wiechert geantwortet, einer habe sogar seine Frau erschossen. Ob sie denn keine Angst habe, fragte Eschweiler da. „Nee“, sagte die Frau Wiechert, „aber die haben Angst vor mir.“ Und Eschweiler meinte: „Das glaub‘ ich Ihnen!“

Eschweiler ist von 1989 bis 2001 der niederländische Honorarkonsul in Aachen gewesen, und dass er damit zwölf Jahre der Chef von Monique Wiechert war, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, Monique Wiechert kennt ja ohnehin jeder, der mal mit dem Konsulat zu tun hatte, na ja, zumindest beinahe. Anfang der Woche hat sie ihr Jubiläum gefeiert, und was für eines: 50 Jahre arbeitet Monique Wiechert für das niederländische Konsulat in Aachen. Die Familie war da, die ehemaligen Chefs, sogar die Botschafterin, die sagte, dass sie über Monique Wiechert „viele schöne Dinge gehört“ habe. Und vermutlich geht das nicht wenigen Menschen so.

Monique Wiecherts unwahrscheinliche Geschichte beginnt in Maastricht, dort ist sie geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wiechert war 15, als eine Lehrerin sie ansprach, der Konsul in Aachen suche einen Mitarbeiter. Eigentlich hatte Wiechert in einem Kindergarten arbeiten wollen, aber jetzt, sagte sie sich, „geh‘ ich mal schauen“. Wiechert ist mal schauen gegangen, dann ist sie geblieben, 50 Jahre inzwischen.

Das niederländische Konsulat in Aachen ist kleiner als es klingt, ein einzelner Raum, gelegen im Erdgeschoss der Industrie- und Handelskammer, vom Foyer aus nach links, erste Tür rechts. Grauer Teppichboden, dunkelbraunes Holz, an der Wand hängen Porträts der Königsfamilie: über dem Schreibtisch Willem Alexander und Maxima, ein Stück daneben Beatrix. Vor Jahrzehnten saß Wiechert noch mit Kollegen im Büro, seit 1977 ist sie die einzige, Sparmaßnahmen. Wiechert arbeitet halbtags, dienstags und donnerstags ist sie im Konsulat, immer zwischen 8.30 und 12.30 Uhr. Man erreicht sie aber auch an den anderen Tagen.

Am Freitag vor der Feier sitzt Wiechert ebenfalls in ihrem Büro, sie spricht über ihren Beruf und die vergangenen 50 Jahre. Früher, sagt Wiechert, habe sie noch Pässe ausgestellt, aber inzwischen laufe das über das Generalkonsulat in Düsseldorf. Die Menschen, denen Wiechert heute hilft, kommen, wenn sie Geldnöte haben oder einfache Fragen zu Behördengängen, zum Beispiel. Es gibt aber auch die härteren Fälle. Wenn ein Niederländer in ein Gefängnis in der Region kommt, kümmert sich Wiechert. Sie schaut, dass er einen Anwalt bekommt, dass die Familie informiert wird und dass jemand da ist, der seine Sprache spricht. Zum Beispiel Monique Wiechert. Natürlich könne sie keine Gesetze ändern, sagt sie, aber oft helfe schon ein einziger Anruf. Wiechert sagt: „Ich bin so eine, ich kämpf‘ für andere.“

So ist es auch 2001 gewesen. Es war die Silvesternacht, als in Volendam in Nordholland ein Lokal in Brand geriet, 14 Menschen starben, viele wurden verletzt. Drei Jugendliche kamen nach Aachen, um im Klinikum behandelt zu werden. Monique Wiechert hat damals die Jugendlichen und ihre Eltern betreut, sie hat übersetzt, hat Woche für Woche die Eltern besucht, die für die Zeit der Behandlung in Simpelveld untergebracht waren. Und als die Jugendlichen wieder zu Hause waren, da ist Wiechert nach Volendam zu Besuch gefahren. „Sie hat menschlich großartige Dinge getan“, sagt Christiane Vaeßen, ihre Chefin. „Es ist schön zu sehen, dass man helfen kann“, sagt Monique Wiechert.

Wiechert sagt auch, dass sie nicht gern im Mittelpunkt steht, die Feier diese Woche ist ihr vorher ein bisschen unangenehm gewesen. Am Ende ihrer kurzen Rede erwähnte sie ihren Mann, Klaus-Peter, er habe sie immer unterstützt, dafür gab‘s Applaus. Wiechert hat außergewöhnliche Dinge getan, aber sie ist zugleich eine ziemlich normale Frau geblieben. Wie lange sie ihren Beruf noch ausübt, das liege nicht nur an ihr, sagt Wiechert. Sie habe aber Lust auf ein paar weitere Jahre.

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